Vor allem um Zahlen und Zeithorizonte ging es an der Informationsveranstaltung im Wiler Stadtsaal vom Montagabend. Diese markierte den Auftakt zur öffentlichen Vernehmlassung zum «Agglomerationsprogramm Wil 4. Generation». Mit diesen Entwicklungskonzepten soll über Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinaus sichergestellt werden, dass Siedlungs- und Verkehrsentwicklung nicht zu weit auseinander driften. 

Gerade in der Schweiz pendeln viele Menschen von ihrem Wohn- zu ihrem Arbeitsort. Zahlen des Bundesamt für Statistik (BFS) von 2017 zeigen: 9 von 10 Erwerbstätigen in der Schweiz pendeln zur Arbeit, das sind rund vier Millionen Menschen. Davon nutzen etwas mehr als die Hälfte hauptsächlich das Auto, 32 Prozent den ÖV, rund 15 Prozent legten den Arbeitsweg zu Fuss oder mit dem Velo zurück. Für Arbeit und auch für die Freizeit nimmt die Bevölkerung immer weitere Strecken in Kauf. Die Folgen davon sind unter anderem: Chaos auf den Strassen, Zersiedelung, eine grosse Belastung für Natur und Umwelt sowie langfristige Folgekosten.

Agglo-Programm: Warum überhaupt?

Ein Weg, diesen weder vor Gemeinde- noch vor Kantonsgrenzen Halt machenden Probleme zu begegnen, soll im Fall von Wil der sogenannte «funktionale Raum der Agglomeration» sein. Das bedeutet, dass 22 Gemeinden und zwei Kantone an einem Strick ziehen müssen. Zudem leistet der Bund im Rahmen solcher Agglo-Programme Beiträge aus dem Infrastrukturfonds, so etwa bei der bereits realisierten Bahn-Unterführung an der Industriestrasse in Wil oder bei der erfolgten Aufwertung des Sirnacher Bahnhofplatzes.

Massnahmen wie die Stärkung der Zentrumsstrukturen, die Sicherheit und Effizienz von Verkehrssystemen sowie der gezielte Schutz und die Erschliessung von «landwirtschaftlichen Strukturen» wurden am Montagabend genannt. Konkret wurde der Blick in die Zukunft allerdings selten. «Es geht um koordinierte Planung», sagte Matthias Küng, Gemeindepräsident von Aadorf, zum Auftakt der Veranstaltung. 

Dass noch wenig konkret ist, ist nicht weiter verwunderlich. Die Agglo-Programme sind vor allem Instrumente zur Planung und Koordination – und keine Werkzeuge für die entsprechende Umsetzung. Das Hauptaugenmerk des «Agglomerationsprogramms Wil 4. Generation» liege denn auch auf der kontinuierlichen Weiterführung des eingeschlagenen Weges, etwa auf der Stärkung der Zentren Wil und Uzwil, der Etablierung des Arbeitsstandorts, der effizienten und sicheren Nutzung der Verkehrssysteme sowie auf dem Schutz und der Erschliessung landwirtschaftlicher Strukturen.

Erwartet: mehr Einwohner und Erwerbstätige

Deutlich wird immerhin, dass der Planungshorizont der 4. Generation bis 2040 reicht und dass die Verantwortlichen bis dahin gut 15‘000 Personen mehr in der Agglomeration Wil erwarten. Auch soll die Zahl der Beschäftigten um bis zu 8‘000 Personen wachsen. Dafür müsse Raum geschaffen werden, beispielsweise mit der Standortentwicklung Wil West. Dort sollen die Bagger 2024 anrollen. Bevor es aber so weit ist, geht der Bericht in die öffentliche Vernehmlassung. Bis zum 4. Dezember haben Interessierte und die Mitgliedergemeinden nun die Möglichkeit, sich einzubringen.

Neben weiteren Informationen findet sich der ausführliche Bericht zum Download auf der Website von Regio Wil: «Agglomerationsprogramm Wil 4. Generation»