Die Liegenschaft «Zum Turm» an der Tonhallestrasse 15 - 25 ist Teil der historischen Unteren Vorstadt und befindet sich seit 2017 im Eigentum der Stadt. Seit die Feuerwehr in eben diesem Jahr in das neue Feuerwehrdepot an der Bronschhoferstrasse ausgezogen ist, steht die Liegenschaft grossmehrheitlich leer.

Das Stadtparlament hat im Frühling dieses Jahres eine Motion als erheblich erklärt, womit die Erarbeitung eines Raum- und Nutzungskonzepts für die Liegenschaft als Kultur- und Musikschulzentrum verlangt wurde. In einem partizipativen Verfahren wird die Motion nun auf ihre Umsetzbarkeit hin untersucht und mit sinnvollen Ergänzungsnutzungen angereichert. Anfang 2021 wird das Konzept für eine umfassende Neunutzung des Turms vorliegen und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Für die Erstellung dieses Raum- und Nutzungskonzepts sind drei Workshops vorgesehen, wie die Stadt Wil am Donnerstagmorgen mitteilt. An diesen moderierten Gesprächen werden die Potenziale der Liegenschaft ausgelotet, Nutzungsszenarien entworfen und ein Zielbild zu Nutzung und Raum entwickelt. Es wurden 25 Personen eingeladen, die verschiedene Anspruchsgruppen und politische Parteien vertreten.

Mit jedem Workshop werden die Vorstellungen der Nutzungen konkreter, bis am Ende des Prozesses ein umsetzbares Konzept verabschiedet werden kann. Parallel dazu wird das Architekturbüro, das bereits die Vorstudien verfasst hat, die erarbeiteten Nutzungsszenarien hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit und Kosten prüfen. (sk/red)

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Warum der «Turm» ein Kulturzentrum werden soll (26.11.19)

Für Sebastian Koller (Grüne Prowil) und 28 weitere Stadtparlamentarier ist der Fall klar: Sie haben eine Motion eingereicht und wollen die weitgehend leerstehende Liegenschaft «Turm» hauptsächlich als Kultur- und Musikschulzentrum nutzen. Bis Ende 2020 soll der Stadtrat ein Umbau- und Betriebskonzept des «Turms» ausarbeiten, so die Forderung.

Doch die Exekutive empfiehlt, die Motion für nicht erheblich zu erklären – und dies, obwohl die Stadtregierung keineswegs grundsätzlich gegen Kultur im «Turm» ist. Aber sie will zuerst alle Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und dann mittels Bewertung die beste Variante auswählen. «Zu viele Parameter wie die Nutzungsmöglichkeiten, die Kosten für einen Umbau sowie der Bedarf und der Zusatznutzen eines Kultur- und Musikschulzentrums erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt als zu unklar», schreibt der Stadtrat in der Beantwortung der Motion von Koller.

Handlungsbedarf bei der Musikschule

In einem Punkt ist man sich einig: Bezüglich Räume der Musikschule besteht Handlungsbedarf. Diese verfügt über zwei Hauptstandorte. Einer ist ein Provisorium an der Haldenstrasse. Weder Akustik noch Raumgrössen entsprechen den Anforderungen, was das Unterrichten erschwert. Der zweite Standort befindet sich im Untergeschoss der Schule Lindenhof. Auch hier ist die Raumatmosphäre nicht eben einladend. Für Gruppen und Ensembles sind an beiden Standorten keine befriedigenden Räume vorhanden. Zwei Standorte erschweren zudem den Betrieb und sorgen für Doppelspurigkeiten.

Aus einer bereits erarbeiteten Machbarkeitsstudie geht hervor, dass im «Turm» Nutzungen für Kleintheater, Probe- oder Bandräume, Kunstateliers oder dergleichen möglich ist. «Allerdings verfügt die Stadt Wil bereits heute über ein Raumangebot für kulturelle Nutzungen. Ob die Verwendung des Turms als Kulturzentrum angezeigt ist, wird sich im Rahmen der Erarbeitung des Nutzungs- und Betriebskonzepts zeigen. Die künftigen Investitionsschwerpunkte liegen jedoch klar auf der Schulraum- und Verkehrsplanung», schreibt die Stadt.

Noch mehrere Male im Parlament

Auch die Finanzen spielen eine Rolle in der städtischen Beurteilung. Um in der Liegenschaft Turm die heutigen Normen zu erreichen, wird mit einem Investitions-Bedarf von 2,7 Millionen Franken gerechnet. Für eine nachhaltige Nutzung müsste der Turm laut Stadt gar «erheblich umgebaut» werden, was um ein Vielfaches höheren Kosten verursachen würde.

Ob die Motion Kollers erheblich erklärt und somit weiterverfolgt wird, entscheiden die Stadtparlamentarier am Donnerstag kommender Woche an der letzten Sitzung des Jahres. Die Stadt schlägt hingegen vor, für 100'000 Franken innerhalb eines Jahrs ein Raum- und Betriebskonzept zu erarbeiten. Die Ergebnisse würde die Eckdaten liefern für den anschliessenden Projektwettbewerb. Ein Kredit für die Ausarbeitung des Bauprojektes käme dann neuerlich ins Parlament. Das gleiche würde für den danach folgenden Kredit der Bauvorlage gelten.

hallowil.ch wird am 5. Dezember wie gewohnt mit einem Parlamentsticker live aus der Tonhalle berichten.

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Motion wird eingereicht (26.9.):

Seit die Feuerwehr aus der Liegenschaft «Zum Turm» an der Tonhallenstrasse ausgezogen ist, steht diese grossmehrheitlich leer. Schon seit geraumer Zeit wird diskutiert, wie dem Gebäude wieder Leben eingehaucht werden könnte. Nun will eine parlamentarische Arbeitsgruppe dem Stadtrat den Auftrag geben, dass dieser ein Betriebskonzept für ein Kultur- und Musikschulzentrum ausarbeitet.

Die Arbeitsgruppe macht konkrete Vorschläge, was dieses Kulturzentrum sein soll: Für Kulturschaffende und Vereine sollen Probe-, Kurs- und Lagerräume eingerichtet werden. Des Weiteren soll eine Nutzung für Ausstellungs-, Atelier- und Veranstaltungsräume abgeklärt werden. Ein Teil der Liegenschaft soll als zentraler Standort für die städtische Musikschule dienen. Zusätzlich ist zu ermitteln, ob einzelne Räume als günstige Übernachtungsmöglichkeit für Gruppen sowie für gastronomische und für schulische Zwecke wie zum Beispiel den Mittagstisch genutzt werden können.

Wer der Arbeitsgruppe angehört

Der Anstoss für die Motion gab die IG Kultur Wil. Die Dachorganisation vertritt die Anliegen der Wiler Kulturschaffenden, ihrer Vereine sowie der Kulturintressierten. Der IG gehören zurzeit 25 Vereine, 13 Firmen sowie 36 natürliche Personen an. Der Vorstand setzt sich aus Vertretern des Gewerbes, der Gastronomie, der Medien und der Politik zusammen, wie die IG Kultur am Donnerstagmittag verlauten lässt.

Auf Initiative der IG formierte sich im vergangenen Sommer die parlamentarische Arbeitsgruppe Kulturpolitik, welche die Motion ausgearbeitet hat. Die Arbeitsgruppe wird durch Erwin Böhi (Vizepräsident der IG Kultur und Parlamentarier SVP) geleitet. Die Fraktionen sind durch Ursula Egli (SVP), Brigitte Gübeli (CVP), Christoph Kälin (SP), Marcel Malgaroli (FDP) und Michael Sarbach (Grüne Prowil) vertreten. Des Weiteren wirken Sebastian Koller (Präsident der IG Kultur und Parlamentarier Grüne Prowil) sowie Adrian Zeller (Kommunikationsberater der IG Kultur) in der Arbeitsgruppe mit.

Wie viele Unterschriften kommen zusammen?

Die Initianten des politischen Vorstosses sehen durch die Konzentration von verschiedenen Aktivitäten in einem Gebäudekomplex im Stadtzentrum eine «synergetische Wirkung für das Wiler Kulturleben». Infrastruktur und Arbeitsmaterialien sollen von den Kulturschaffenden, Vereinen und von der Musikschule gemeinsam genutzt und so besser amortisiert werden.

Während der Sitzung am Donnerstagabend sollen möglichst viele Unterschriften von Stadtparlamentariern gesammelt werden. In der Folge unterbreitet der Stadtrat einen Vorschlag, ob die Motion aus seiner Sicht für dringlich erklärt wird. Ist die Mehrheit der Stadtparlamentarier schliesslich für eine Dringlicherklärung, arbeitet der Stadtrat ein Betriebskonzept aus für das Kultur- und Musikschulzentrum. Dies soll bis Ende 2020 geschehen.