Es ist schon mehr als drei Jahre her, seit das Wiler Stadtparlament im März 2016 dem Stadtrat mit 25:16-Ja-Stimmen den Auftrag erteilt hat, Fair-Trade-Town zu werden. Nachdem es zuerst lange ruhig war, kommt nun Bewegung in die Sache. Vor den Sommerferien hat sich eine Arbeitsgruppe erstmals getroffen, um sich zu konstituieren und das weitere Vorgehen zu besprechen. Dieser Gruppe gehören neben der Leiterin Cristina Roduner von der Stadt Wil die Lehrerin Rita Scheiwiller, der Fitness-Center-Inhaber Fabian Möckli, Werner Artho von den Heimstätten Wil und Christoph Oklé an. Gesucht werden noch weitere freiwillige Mitwirkende, so zum Beispiel jemand vom Detailhandel oder der Hotellerie.

Diese Kriterien sind zu erfüllen

Denn der politische Wille allein genügt nicht, um die Auszeichnung zu bekommen. Auch diverse Institutionen müssen mitmachen, damit sich Wil dereinst Fair-Trade-Town nennen darf. Im Grundsatz geht es darum, dass die Äbtestadt den fairen Handel unterstützt. Dieser ist sozial, ökonomisch und ökologisch. Fünf Punkte stehen auf der Pendenzenliste.

- Erstens: In der Verwaltung der Stadt Wil werden mindestens drei Fair-Trade-Produkte verwendet. «Wir haben Kaffee, Tee und Zucker aus Fair-Trade-Produktion», sagt Cristina Roduner. Zudem wird für die Auszeichnung Fair-Trade-Town eine offizielle Veranstaltung organisiert. Am 11. Mai 2020 soll es soweit sein. Dann, am internationalen Tag des fairen Handels, möchte Wil in den Klub der Fair-Trade-Towns aufgenommen werden.

- Zweitens: Eine Arbeitsgruppe koordiniert das Fair-Trade-Engagement. Die Gruppe trifft sich regelmässig und stellt sicher, dass die Stadt mindestens einmal jährlich eine Fair-Trade-Town-Aktivität durchführt.

- Drittens: Mindestens 3 Detailhandels-Geschäfte, 6 Hotels oder Gastronomiebetriebe, 1 Schule oder Kita, 3 Vereine oder Institutionen und 3 Unternehmen bekennen sich ebenfalls zu fairem Handel. Konkret: Die Geschäfte und Hotels haben mindestens fünf Fair-Trade-Produkte im Angebot und die Geschäfte beteiligen sich an lokale Aktivitäten zum fairen Handel.

- Viertens: In den besagten Unternehmen und Institutionen werden regelmässig Fair-Trade-Produkte verwendet. Dazu zählen Produkte, die von Mitgliedern von Swiss-Fair-Trade gehandelt werden oder deren Gütesiegel tragen.

- Fünftens: Der Öffentlichkeit wird der faire Handel nähergebracht. Dieses Thema soll durch regelmässige Berichterstattung in lokalen Publikationen verankert werden.

Gossau ist seit Mai eine Fair-Trade-Town

Mit Bellinzona und Fribourg sind vor den Sommerferien die neunte und zehnte Schweizer Stadt zu einer Fair-Trade-Town geworden. In der Ostschweiz hat bisher einzig Gossau das Label erlangt – im Mai dieses Jahres. Zudem sind es Bern, Burgdorf, Capriasca, Carouge, Frutigen, Glarus Nord und Zweisimmen. Neben Wil haben elf weitere Gemeinden den politischen Beschluss gefasst, Fair-Trade-Town zu werden: Aarau, Amriswil, Basel, Biel, Birsfelden, Büren an der Aare, Delsberg, Bülach, Köniz, Renens und Uster. 20 weitere Städte – darunter Zürich, Chur und Genf – sind daran interessiert oder politische Vorstösse sind hängig.

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Cristina Roduner von der Stadt Wil koordiniert die Arbeitsgruppe "Fair-Trade-Town".