Fast 9 Millionen Franken tief ist der Fehlbetrag, welchen die Stadt Wil für kommendes Jahr budgetiert. Die Auswirkungen der Corona-Krise sind ein zentraler Treiber. Die Einkommens- und Vermögenssteuern reduzieren sich gemäss Budget um 2,4 Millionen Franken, die Gewinn- und Kapitalsteuern gar um 5,4 Millionen. Das entspricht einem Minus um rund acht Prozent. Alles in allem dürfte der Fiskalertrag um 7,6 Millionen Franken tiefer ausfallen als im laufenden Jahr. Kommt dazu, dass der Personalaufwand um 1,6 Millionen Franken ansteigt. Gut eine Million Franken machen höhere Lehrerlöhne aus, da mehr Klassen und Lohnanpassungen nötig beziehungsweise fällig sind. Zudem werden bei der Stadt für 215 Stellenprozente neue Stellen geschaffen: Und zwar in den folgenden Bereichen: Eine 100-Prozent-Stelle Hauswartung, 50 Prozent werden bei den Sozialen Dienste erhöht, 45 Prozent bei den Tagesstrukturen und eine 20-Prozent-Anpassung gibt es bei der Informatik. Zum Vergleich: Vor Jahresfrist waren noch Stellen für 720 Prozent beantragt worden. Die budgetierten Nettoinvestitionen betragen kommendes Jahr 19 Millionen Franken. Bei einem Realisierungsgrad von 70 Prozent resultieren Nettoinvestitionen von voraussichtlich 13 Millionen Franken.

«In einer ersten Version sah das Budget einen Verlust von rund 15 Millionen Franken vor. Wir haben uns dann in vier Runden auf die Luftmatratze gesetzt, um Luft rauszulassen», sagt Stadtpräsident ad Interim, Daniel Meili. Er ergänzt: «Wäre der Corona-Einbruch nicht gewesen, hätten wir mit etwas Fantasie eine schwarze Null präsentieren können.»

Im Video: «Schmerzhaftes Budget» für Daniel Meili

 

Verschuldung steigt trotz Steuerfuss-Erhöhungen

Der Steuerfuss bleibt gemäss Vorschlag des Stadtrats bei 118 Prozent. «Wir wollen kommendes Jahr die Steuerzahler nicht noch mehr belasten. Zudem sind wir in den Vorjahren gut umgegangen mit den Finanzen. Wir können uns diesen Verlust leisten», sagt Meili. Heisst konkret: Wenn alles so eintrifft, wie vom Stadtrat budgetiert, verbleibt Ende 2021 ein Eigenkapital von 70 Millionen Franken. Dem steht eine Nettoverschuldung von knapp 50 Millionen Franken gegenüber.

Mit einem Blick etwas weiter in die Zukunft rechnet der Stadtrat mit einer steigenden Verschuldung. Diese soll bis 2024 auf gut 90 Millionen Franken anwachsen. Und dies trotz zwei Steuerfuss-Erhöhungen. Aufgrund der bereits länger aufgezeigten Investitionstätigkeit ab 2022 soll der Steuerfuss per 2022 um vier Prozentpunkte auf 122 Prozent und ab 2024 um nochmals vier Prozentpunkte auf 126 Prozent erhöht werden. «Ohne zusätzliche Erträge können die Ausgaben nur durch Abbau bestehender Leistungen oder durch eine anhaltende hohe Neuverschuldung aufgefangen werden. Beide Optionen erachtet der Stadtrat in der gegenwärtigen Situation weder als gangbar noch nachhaltig», so die Stadt Wil.

TBW erwartet weiteren Gewinn

Das Budget der Technischen Betriebe Wil (TBW) weist bei einem Aufwand von 73,7 Millionen Franken einen Gewinn von 2,4 Millionen Franken aus. Damit liegt das prognostizierte Ergebnis praktisch auf Vorjahresniveau. Die momentane wirtschaftliche Entwicklung hat insgesamt nur unwesentlichen Einfluss auf die Ertragszahlen.

Bei den Absatzprognosen und den Umsatzzahlen für das Jahr 2021 wird von mehrheitlich konstanten Werten ausgegangen. Lediglich bei den Strompreisen kann auf 2021 eine leichte Senkung an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden. Für das Jahr 2021 sind 3 Millionen Franken für die Substitution von fossiler Energie und für Effizienzmassnahmen sowie für diverse ökologische Fördermassnahmen vorgesehen. Die Abgeltung an die Stadt bleibt im üblichen Rahmen und beträgt gesamthaft 5,8 Millionen Franken.

Das Budget ist noch nicht ein Stein gemeisselt. Es wird vom Stadtparlament beraten und dann verabschiedet werden. (sk/sdu)