Es sind sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe, die das Projekt Fernwärme schlagen würde: Die vom Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid, ZAB, produzierte Abwärme der thermischen Anlagen sollen nach Wil geleitet werden – und dort von den Unternehmen und Haushalten genutzt werden können. So weit, so gut. Nur: Erste Studien sind bereits jahrzehntealt. 500'000 Franken bewilligte das Stadtparlament als Rahmenkredit für ein entsprechendes Vorprojekt. Doch wie es ausgearbeitet wurde – laut Klaus Rüdiger unbekannt. Das Stadtparlament lehnte es am 1. September 2022 ab, 3.23 Millionen Franken für die Projektierung und den Bau eines Nahwärmeverbundes und für die Erstellung einer mit Holz betriebenen Heizzentrale zu bewilligen. «Tatsache ist, dass aufgrund der aktuellen kritischen Energie-Versorgungslage und den stark steigenden Energiepreisen die vom ZAB produzierte Wärme eine Alternative nicht nur zu Öl- und Gasheizungen, sondern auch zu den kostspieligen elektrischen Wärmepumpensystemen darstellen könnte», heisst es in der Anfrage, welche Karl Rüdiger eingereicht hat. Deshalb möchte er vom Stadtrat wissen, welche Priorität er dem Projekt Fernwärmeverbund einräumt.

Herr Rüdiger, viele Jahre wird bereits über das Projekt diskutiert – dabei ist es aber geblieben. Was gibt Ihnen den Anstoss, am Thema dranzubleiben?

Einerseits die Enttäuschung, weil das Wiler Stadtparlament den Kreditantrag des Stadtrats für den Nahwärmeverbund Lenzenbüel nicht genehmigt hat. Wil hat damit eine Chance verpasst, den Startschuss für eine von externen Energielieferanten unabhängige Energieversorgung zu geben. Andererseits das suboptimale Vorgehen des Stadtrats, ausschliesslich die erste Etappe eines grösseren Wärmeverbundes ins Parlament zu bringen. Deshalb spreche ich mit meiner Anfrage den Gesamtstadtrat an. Ich möchte vom Gesamtstadtrat wissen, welche Bedeutung er dem Fernwärmeprojekt beimisst.

Derzeit ist das Thema Energie natürlich aktuell und brisant. Wo liegen die Vorteile des Fernwärmeprojekts?

Ganz einfach: Beim Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) sind enorme Mengen Energie vorhanden, die unter anderem als Wärmeenergie genutzt werden können. Nach Berechnung des Stadtrats benötigt die Stadt Wil etwa 80 GW/h Wärme, um in den Quartieren der Stadt Private und Unternehmen mit Fernwärme zu versorgen, in denen eine hohe Energiedichte vorhanden ist. Die ZAB kann jedoch ein Vielfaches an Energie liefern: 300 GW/h! Wir müssen die vorhandene Energie nur nutzen.

Die Studien sind bereits einige Jahre alt. Müsste man quasi wieder bei null anfangen?

Nein, soweit ich informiert bin, sind die wichtigsten Stolpersteine für die Realisierung des Projekts und wichtigsten Planungsgrundlagen bekannt. Jetzt muss der Stadtrat handeln und dem Parlament möglichst rasch eine Vorlage für das Gesamtprojekt Fernwärmeverbund Wil vorlegen. Optimal wären zwei Varianten, eine mit und eine ohne Holzheizzentrale.

Werden Sie das Thema weiterhin verfolgen?

Ja, sicher. Das Projekt ist für Wils Zukunft im Hinblick auf die Versorgungssicherheit matchentscheidend.