Nicole Wimmer versteht nicht, warum der Wiler Stadtbus mit der Nummer 703 in letzter Zeit nicht mehr pünktlich ist. Bis vor wenigen Wochen war der Busverkehr für die Arbeitstätige pünktlich und verlief reibungslos. «Mittlerweile kann ich den Bus ab Gruben um 12.06 Uhr nicht mehr nehmen», sagt die hallowil.ch-Leserin und gibt zu, genervt von der Situation zu sein, «denn dieser kommt mittlerweile mindestens zwei Minuten zu spät – er ist aber auch schon ganz ausgefallen». So verpasse sie fast jedes Mal den Anschluss an den Zug nach St. Gallen, der um 12.19 Uhr losfährt. Reines Glücksspiel, wie die Pendlerin sagt. Und wenn sie diesen Zug verpasse, schaffe sie es nicht, zeitlich bei der Arbeit zu erscheinen. «Es kann doch nicht sein, dass es schon fast normal ist, sich nicht an den Fahrplan halten zu müssen», meint Wimmer. Sie habe Verständnis dafür, dass ein Bus mal zu spät dran ist oder ausfällt. «Aber wir stecken nicht im tiefsten Winter, dass Verspätungen normal sind.» Ein Busfahrer habe ihr erklärt, dass aktuell viel los sei und die Fahrer viele Tickets herausgeben sowie einkassieren müssten. «Scheinbar hält das die Fahrer auf», erzählt Wimmer.

Bei Wil Mobil ist das Problem mit dem 703-Bus bekannt. Auf Anfrage von hallowil.ch bestätigt Hans Koller, Leiter Markt bei Wil, dass es in jüngster Zeit oft vorkommt, dass die Fahrzeuge der betroffenen Linie nicht immer nach Fahrplan unterwegs sind. Hängen die Verspätungen eventuell mit dem neuen Fahrplan zusammen? «Nein», antwortet Koller. Die Busverspätungen hätten etwas mit dem Jahreszeitenwechsel vom schönen Sommerwetter zu den verregneten Herbsttagen und nebligen Wintertagen zu tun. «So verändert sich das Verkehrsaufkommen auf den Strassen markant und wir haben etwa zehn Prozent mehr Fahrgäste», führt Koller weiter aus. Das habe eben zur Folge, dass in den kälteren Jahreszeiten mehr Einzelbillete gelöst werden. Gerade der zunehmende Individualverkehr sorge gerade in der Vorweihnachtszeit für verstopfte Strassen und Staus. 

Wil Mobil arbeitet an Lösungen

Laut Koller arbeitet Wil Mobil an verschiedenen Lösungsansätzen des Problems. Eine Möglichkeit, um die Ticketausgabe im Bus zu entlasten, ist der mobile Ticketkauf auf den Smartphones. Gerade diese Lösung ermögliche einen einfachen Zugang zum öffentlichen Verkehr. «Für eine zweite Lösung stecken wir mitten in der Planung für den Einbau von Ticketautomaten in einzelnen Fahrzeugen», so Koller. Dabei handle es sich nicht gerade um eine kleine Investition. Auf die Frage, wie viel ein Ausfall Wil Mobil kostet, meint Koller: «Das kann man so pauschal nicht sagen.» Bei Ausfällen sei Wil Mobil gefordert, für Ersatz zu sorgen. «Wir organisieren Ersatzbusse und kommen für Taxi-Rechnungen auf», so Koller. 

Den zunehmenden Individualverkehr könne Wil Mobil nicht beeinflussen. An dieser Stelle verweist Koller auf das Wiler Bus-Konzept 2021. Dieses Konzept erkennt schon seit längerer Zeit, dass der heutige Fahrplan auf dem Stadtbusnetz gerade wegen der hohen Verspätungsanfälligkeit nicht mehr tragbar ist. Im Buskonzept Wil 2021 werden Massnahmen vorgeschlagen, welche die Betriebsqualität der Stadtbuslinien verbessern sollen. «Laut dem Konzept werden die einzelnen Buslinien neu gelegt und geplant», weist Koller hin. Damit hoffe man bei Wil Mobil, dass noch mehr Fahrzeiten, sprich Zeitpuffer für die einzelnen Fahrzeuge eingeplant werden – um eben die Probleme von heute eliminieren zu können. «Und nicht zuletzt, um mit der geplanten Bus-Infrastruktur ein attraktives ÖV-System aufstellen zu können», ist Koller überzeugt. 

Personal wird geschult

hallowil.ch-Leserin Wimmer erinnert sich noch an eine Geschichte, die ihr Ehemann vor einem Jahr mit einem Wiler Busfahrer erlebte. «Als er ein Ticket bis zum Bahnhof beim Chaffeur kaufen wollte», erzählt Wimmer, «meinte dieser, ob mein Mann ihm bei der Ticketausgabe helfen könnte.» Der Busfahrer habe nicht gewusst, wie er ein Ticket lösen kann. «Das Personal sollte doch geschult werden?», so Wimmer.

Koller betont, dass sämtliche Busfahrer nicht nur den erforderlichen Fahrausweis besitzen müssen, sie würden eine 14-tägige Schulung vor dem ersten Fahreinsatz erhalten. «Da lernen sie auch, den Ticketautomaten zu bedienen», sagt Koller. Er könne sich durchaus vorstellen, dass die Busfahrer in einzelnen Stresssituationen vielleicht einen Tippfehler bei der Ortschaftseingabe machen und deshalb bei den Fahrgästen nachfragen.