«Die Reaktionen war überwältigend», freut sich Emire Mustafa im Gespräch mit hallowil. Am Freitag, dem 13. März lancierte sie auf Facebook eine Aktion unter dem Titel «Du bist nicht alleine – gemeinsam sind wir stark». Das Ziel ist, Menschen über 65 oder Personen mit einer Vorerkrankung, die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) bezüglich Corona-Virus zur Risikogruppe gezählt werden, Unterstützung anzubieten. Konkret werden Personen gesucht, die etwa Einkäufe erledigen oder Pakete bei der Post abholen. Die Dienstleistungen sollen ausdrücklich ohne Entgelt oder sonstige Gegenleistungen erbracht werden.

Ähnliche Aktionen schiessen derzeit überall aus dem Boden. Die Homepage www.hilf-jetzt.ch bündelt das wachsende Angebot in der Schweiz laufend. Auf der Seite können einfach Aktionen in der eigenen Umgebung gefunden werden. Und: Neue Aktionen können sich eintragen und so sicht- und suchbar werden. 

Ab Freitag betreibt die Stadt Wil hat unter 071 914 45 00 eine Hotline für Nachbarschaftshilfe. Melden kann sich, wer Hilfe braucht oder anbietet. Die Hilfsmassnahmen der Stadt werden von Zivilschützern koordiniert. 

Auch hallowil.ch macht mit, und zwar mit einer solidarischen Aktion für das regionale Gewerbe. Wir stellen unseren Marktplatz gratis zur Verfügung. Hier wird erklärt, wie das geht. 

Rasant gewachsene Gruppe

Die Aktion wurde von Emire Mustafa innerhalb ihrer Facebook-Gruppe «Du bisch von Wil wenn…» aufgeschaltet. Die 24-Jährige, die im Lindenhof-Quartier aufgewachsen ist, gründete diese Gemeinschaft ursprünglich als virtuelle Plattform für ihren Freundeskreis; sie erlebte einen regelrechten Boom, mittlerweile gehören ihr gegen 6000 Personen jeglichen Alters an. Sie alle fühlen sich mit Wil verbunden.

Ein weiteres Beispiel für eine solidarische Facebook-Initiative ist «PickNick» für die Dörfer rund um Schwarzenbach. Auch hier ist das Ziel, dass sich gesunde unter 65-Jährige mit über 65-Jährigen oder Menschen die sonst einer Risikogruppe angehören vernetzen, um Einkäufe nach Hause zu liefern.

Welle von Hilfszusagen

Emire Mustafa, die als Moderatorin wirkt: «Da wir so eine grosse Reichweite haben, dachte ich, wir könnten diese für die Hilfsaktion nutzen.» Sie hatte in der Zeitung gelesen, dass einige Gemeinden in der Region während der Corona-Welle entsprechende Hilfsangebote ins Leben gerufen haben. Ihr gefiel die Idee so gut, dass sie sie auch für Wil organisieren wollte. Die Resonanz war enorm. Rund 200 Personen reagierten mit einem Like-Zeichen. Zahlreiche teils begeisterte Komplimente und auch Hilfezusagen wurden in die Kommentarspalte eingefügt. Und Emire Mustafa erhielt zusätzlich rund ein Dutzend private Dankeszuschriften. Mittlerweile konnte sie bereits vier Helfende und Hilfesuchende miteinander in Kontakt bringen. Zum Teil können sich entsprechende Personen auch über Facebook direkt in Verbindung setzen.

Beitrag der jungen Generation

Die Absolventin des Wiler Kathi und der Fachhochschule St. Gallen ist im Marketing bei einem grossen Schweizer Marketing- und Werbe-Dienstleister für KMU angestellt. Derzeit arbeitet sie zudem an einer Fachhochschule an ihrem Master.

Was motivierte die junge Frau für ihre spontane Hilfskation? «Meine Eltern sind in einem gewissen Alter und gehören zur Risikogruppe, damit betrifft mich dieses Thema sehr persönlich.» Im Weiteren findet sie, dass die aktuelle Situation für die junge Generation eine gute Gelegenheit sei, um einen Beitrag an die Gesellschaft zu leisten.