Christian Naef, Ende 2020 lehnte das Stadtparlament die Krediterhöhung für das Betriebs- und Gestaltungskonzept (BKG) in der Wiler Altstadt ab. Die Altstadtvereinigung äusserte darauf öffentlich ihren Unmut. Was passierte danach?

Das bestehende Budget sollte von 100 000 Franken auf 175 000 Franken erhöht werden. Das Parlament lehnte dies ab. Wir waren enttäuscht, da nach drei Jahren endlich Bewegung ins Thema BGK Altstadt Wil kam und sogar schon ein Projektbüro ausgesucht wurde. Das Budget sollte aber erhöht werden, um ein den Ansprüchen der Stadt gerechtes Projekt umsetzen zu können. Kurz nach dem negativen Entscheid zur Budgeterhöhung folgte eine weitere Enttäuschung. Das Baudepartement sistierte das gesamte Projekt, da man der Meinung war, mit dem bestehenden Budget von 100 000 Franken kein Projekt umsetzen könne, welches die Erwartungen erfülle. Wir standen zu diesem Zeitpunkt also wieder am Anfang.

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Wie ist der aktuelle Stand in diesem Prozess?

Anfang Jahr haben wir möglichst schnell Stadtpräsident Hans Mäder und Baustadträtin Ursula Egli um ein Gespräch gebeten. Dieses folgte auch recht zügig. Wir haben die Dringlichkeit des BGK erklärt und um eine schnelle Reaktion gebeten. Über Jahre hatten wir unsere Anspruchsgruppen, Bewohner, Gewerbe, Gastronomie, Immobilienbesitzer, immer wieder um Geduld gebeten. Das Gespräch war sehr positiv. Wir haben uns geeinigt, mit dem bereits gesprochenen Budget weiter zu arbeiten. Ursula Egli hat uns versprochen, sich schnellstmöglich in die Thematik einzuarbeiten. Aktuell warten wir auf das Feedback, da die Thematik Ende April in der Stadtratssitzung besprochen werden sollte. Ich hoffe auf ein zeitnahes Feedback sowie weitere Schritte in den nächsten zwei Wochen.

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Christian Naef präsidiert die Altstadtvereinigung Wil. 

Wo sind aus Ihrer Sicht aktuell die thematisch grösseren Herausforderungen in der Altstadt?

Jede Anspruchsgruppe hat ihre eigenen Themen. Immer wieder für Diskussionen führen folgende Themen: die Nutzung des Aussenraumes. Die Gastronomie möchte so viel wie möglich den Aussenraum nutzen. Viele möchten Events in der Altstadt durchführen aber auch Bewohner möchten etwas vor die Tür stellen. Dies sind alles Themen, die für Gesprächsstoff führen. Ein BGK würde die Nutzung klar regeln. Aktuell gibt es zwar Vorgaben, aber diese sind immer wieder unterschiedlich. Es wäre sinnvoll, wenn das BGK die Nutzung des Aussenraumes klar regelt. Somit hätten wir weniger Diskussionen zwischen den Anspruchsgruppen. Die Altstadt ist ein beliebter Ort für Anlässe aber wir dürfen nicht vergessen, dass hier auch Menschen leben. Den guten Mittelweg zu finden ist nicht ganz einfach. Die Verkehrsthematik Alle Anspruchsgruppen der Altstadt sind sich einig, dass die bestehenden Parkplätze weiter bestehen müssen. Wir brauchen keine weitere Begegnungszone, welche nicht genutzt wird. Die Parkplätze sind wichtig für das Gewerbe und die Gastro. Was immer wieder zu Diskussionen führt ist der Durchfahrtsverkehr. Viele fahren vor allem am Samstag in die Altstadt uns suchen nach einem Parkplatz um den Markt zu besuchen. Dies führt immer wieder zu brenzligen Situationen. Ein Parkleitsystem wäre sehr hilfreich. Würde man ausserhalb der Altstadt schon sehen, dass keine Plätze verfügbar sind. Würde dies den Suchverkehr sicher vermindern. Bauetappe Hofbezirk Über die dritte Bauetappe des Hofbezierkes wird im Herbst abgestimmt. Dieses Projekt betrifft die ganze Altstadt. Für diese Bauetappe müssen gewisse Grundvoraussetzungen geschaffen werden. Ein BGK ist daher zwingend. Abfallentsorgung. Ein weiteres Thema ist die Abfallentsorgung in der Altstadt. Wer schon mal an einem Donnerstag im Sommer durch die Altstadt gelaufen ist sieht und riecht überall die stinkenden Abfallsäcke. Nicht gerade ein schönes Bild für Leute, die die Altstadt besuchen. Auch hier wäre eine Lösung zu finden wie z.B. versenkbare Abfallcontainer. Dies sind nur einige der Themen, die dringend besprochen werden sollten.

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Was hat die Coronazeit in der Altstadt verändert, beispielweise in der Gastronomie?

Normalerweise finden im Sommer zahlreiche Feste in und um die Altstadt statt. Dies war letzten Sommer nicht der Fall. Die Gastronomie durfte jedoch den Aussenraum vermehrt nutzen. Dies verlangte viel Toleranz der Bewohner, welche jedoch ohne grosse Diskussionen erfolgte. Aus meiner Sicht war in den Sommermonaten in der Altstadt mehr los als vor Corona. Überall sassen die Menschen draussen und genossen das schöne Ambiente. Dies hat mir sehr viel Freude bereitet. Letztes Jahr war aber ein aussergewöhnliches Jahr. Toleranz war das Schlüsselwort. Wir haben die Kommunikation zwischen Gastro und Bewohner stark gefördert und so einen guten Weg gefunden. Für dieses Jahr erwarten wir hier aber ein Konzept er Stadt. Die Toleranz der Bewohner kann nicht als selbstverständlich angeschaut werden. Natürlich möchte die Gastronomie auch dieses Jahr den Aussenraum erweitert nutzen, zumal seit Januar das Geschäft stillstand. Dies ist nachvollziehbar aber wir müssen alle Anspruchsgruppen beachten. Ein BGK würde dies klar regeln. Grundsätzlich finde ich persönlich, dass die Altstadt gut durch die Corona-Zeit kam. Es entstanden neue Ideen und die Gastronomie wurde kreativ. Auch der Markt erfreute sich an mehr Leuten als in anderen Jahren. Die Coronakrise hat die Menschen wieder zu mehr lokalem Bewusstsein geführt und das freut mich sehr. Ich hoffe das bleibt auch so.

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Seit anfangs dieses Jahres ist eine neue Stadtregierung im Amt, wie ist die Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Altstadtvereinigung in qualitativer Hinsicht?

Wie erwähnt stiessen wir auf offene Ohren bei der Stadt. Der Termin mit Hans Mäder und Ursula Egli erfolgte sehr schnell, was mich sehr freute. Das Gespräch war sehr konstruktiv. Auf Worte müssen aber Taten folgen und ich hoffe, dass die guten Vorsätze auch umgesetzt werden. Wie wir wissen, ist die Politik oft langsam. Zurzeit bin ich aber guter Dinge, dass in den nächsten Wochen Taten folgen, zumal auch im Jahresbericht der Stadt Wil die Umsetzung des Leitbildes, zu dem das BGK gehört klar niedergeschrieben wurde. Somit sehe ich dies als ein klares Bekenntnis. Zudem haben wir von der Altstadtvereinigung kommuniziert, dass wir bereit sind aktiv daran mitzuarbeiten und die Stadt wo immer möglich zu unterstützen.