Als erstes schlägt Ruedi Schär das Turmgeviert vor; es bildet den ältesten baulichen Teil des Hofs zu Wil. «In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand es als Wohnturm», weiss Schär. Bauherren waren die Grafen von Toggenburg.

«Diese Wohntürme hatten in der Regel keine Zimmeraufteilung, sie bestanden lediglich aus Zwischenböden. Der Zugang war meistens über eine Aussentreppe.» 

Über die verschiedenen Etagen verteilt, sind heute unter anderem Erinnerungsobjekt an die Brauereizeit zu besichtigen. Architekturmodelle im Erdgeschoss veranschaulichen ihrerseits die verschiedenen Ausbauphasen des Hofkomplexes. Kleine Infotafeln vermitteln zudem Wissenswertes zur Geschichte.

Madonna aus der Romanik

Auch die St. Nikolauskirche sollten sich Wil-Besucher ansehen, und möglichst anhören, empfiehlt Ruedi Schär. «Wenn man im passenden Moment vorbeikommt, hört man das Geläut der Kirchenglocken. Es gilt als eines der schönsten in der Schweiz.»

Als besondere Sehenswürdigkeit erwähnt Schär die sogenannte Wiler Madonna einem Seitenraum der Kirche, sie wurde um ca. 1160 geschaffen. «Derartige Madonnen gibt es in fünf Exemplaren in der Schweiz, mit rund 70 cm ist die in Wil am Längsten.» 

Ebenfalls sind die verschiedenen Malereien, etwa der überlebensgrosse Christophorus des Winterthur Malers Hans Haggenberg in der Kirche zu beachten. Er ist in der Übergangszeit von der Gotik in die Renaissance entstanden.

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Das Stinkgässli erinnert an die Pestzeit in Wil, in der viele Stadtbewohner ihr Leben verloren. 


Schreckenszeit für Wil

Im Chor sind die um 1612 aufgetragenen Malereien von Jakob Knus zu erkennen. «Der Maler stammte ursprünglich aus Konstanz, wurde in Wil sesshaft und Bürger der Stadt», weiss Schär. Der Künstler starb wenige Jahre später an der Pest.

Beim Stichwort «Pest» schlägt der Stadtführer einen Besuch im schmalen Stinkgässli in der Altstadt vor. In ihm landete im alten Wil der aus dem Fenster gekippte Unrat. In der Folge vermehrte sich das Ungeziefer, das damals zur Ausbreitung der Seuche beitrug. «1612 starben in Wil in einem Monat 80 Menschen an der Pest, die Stadt hatte damals rund 1000 Einwohner», so der Wil-Kenner

Fischzucht zur Ernährung

Nicht verpassen sollten die Besucher einen Augenschein beim Wiler Stadtweier. Besonders rasch erreicht man ihn über die Schwertstiege. «Er wurde im 15. Jahrhundert von den Bürgern zur Fischzucht angelegt», weiss Schär. Heute ist er ein beliebtes Naherholungsbiet und dient auch der Jugendfischerei.

Vom Stadtweier ist es nicht weit zur historischen Oberen Mühle, die heute als Freizeithaus für Jugendliche dient. Über den Weiherdamm gelangt man danach in den Süsswinkelweg, der seinen Namen von einem ehemaligen Müller namens Süss erhielt, nicht von einem Bäcker, der Süssgebäck produzierte, wie oft vermutet wird.


Herausragender Künstler

Weiter geht es mit Müller, diesmal als Familienname. An der Ecke Fürstenland-/Neulandenstrasse steht das Haus des Malers und Architekten Johann Georg Müller, der unter anderem die Lerchenfeldkirche in Wien entwarf. Mit nur 27 Jahren verstarb der hoffnungsvolle Kunstschaffende. 

Bis zur prachtvoll gestalteten Barockkirche des Klosters St. Katharina sind es nur wenige Schritte. «Hier ist auch die Besichtigung des Kräutergartens zu empfehlen», so Ruedi Schär. Die Betreuerin Katharina Reichmuth zeigt ihn angemeldeten Gruppen.

In nächste Nähe des Klosters steht die Tonhalle im klassizistischen Stil. Ursprünglich wurde sie von Jakob Bösch, einem Schüler des berühmtem Architekten und ETH-Professors Gottfried Semper, als Turn- und Tonhalle errichtet. Längst wird sie nur noch als Kulturstätte genutzt.

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Die Kirche Maria Dreibrunnen wurde kürzlich umfassend renoviert, seither erstrahlt das Deckenfresko des Wiler Malers Jakob Josef Müller wieder mit voller Farbkraft.  


Panoramaaussicht

Für eine etwas längere Besichtigungstour schlägt Ruedi Schär auch einen Abstecher zur frisch renovierten Kirche in Maria Dreibrunnen vor. In ihr ist etwa das imposante Deckenfresko des Wiler Malers Jakob Josef Müller zu bewundern.

Wer die weitere Umgebung Wils sehen möchte, sollte gemäss dem Ortsbürgerrat den Aufstieg auf den Hofberg auf sich nehmen. Sowohl der Platz bei der Kaiserlinde wie auch der Holzturm bieten einen Panorama-Rundblick.