Mit einem Gesamtumsatz von 8,3 Millionen Schweizer Franken ging am Samstagabend die Versteigerungswoche im Auktionshaus Rapp in Wil zu Ende. Nachdem Anfang der Woche Briefmarken und Münzsammlungen unter den Hammer kamen, waren es in der zweiten Wochenhälfte Schmuckstücke, Luxusuhren und Handtaschen. «Für Furore sorgte unter anderem ein spektakulärer Diamantanhänger, der für 62 500 Franken versteigert wurde», heisst es in einer Medienmitteilung des Auktionhauses. So bilanziert Marianne Rapp Ohmann, Geschäftsführerin des Auktionshauses Rapp: «Das grosse Interesse rund um den Globus war überwältigend.» Während die Teilnehmerzahl im Auktionssaal aufgrund der Corona-Schutzbestimmungen begrenzt war, trafen tausende Gebote über die Onlineplattformen ein. Das habe zu teils spektakulären Bietergefechten und aussergewöhnlich hohen Preisen geführt. «Rund 3200 Bietende beteiligten sich aktiv an der Auktion», heisst es weiter. (pd)

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Während der Auktionswoche Ende November wurde im Wiler Auktionshaus Rapp dieser Diamantanhänger für 62 500 Franken versteigert. (Bild pd)

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Am Black Friday: Wofür bei «Rapp» 40'000 Franken bezahlt wurde (27.11.):

Wertvolle Uhren, funkelnde Diamanten, seltene Münzen, rare Briefmarken und gesuchte Luxushandtaschen: In Wil trotzen seit Dienstag über 2500 Auktionslose der Corona-Krise. Die «Rolex 3525» steht exemplarisch dafür – vor allem deshalb, weil sie als «Solidaritäts-Rolex» aus dem Zweiten Weltkrieg ein Stück Kriegsgeschichte schrieb. Schon im Vorfeld war das internationale Interesse riesig. Geschäftsführerin Marianne Rapp Ohmann ist deshalb über den erzielten Verkaufspreis von 40‘000 Franken nicht wirklich überrascht.

Erst nach Rückkehr bezahlt

Die «Rolex 3525», die am Freitagnachmittag unter den Hammer kam, war der erste Chronograph der Welt mit wasserdichtem Armbanduhrengehäuse. Den aussergewöhnlichen geschichtlichen Hintergrund lieferte der Rolex-Gründer Hans Wilsdorf gleich selbst: Er wollte ein Zeichen der Solidarität in der Krise setzen. Als er erfuhr, dass deutsche Offiziere während des Zweiten Weltkriegs den britischen Kriegsgefangenen ihre Rolex-Uhren entwendeten, um sie selbst zu tragen, ordnete er an, «dass jeder britische Soldat, der sich eine Rolex-Uhr anschaffen will, bevor er in den Krieg zieht, seine Rolex erst zu bezahlen hat, wenn sie mit ihm aus dem Krieg zurückkommt». Ebenso hatten Soldaten die Möglichkeit, eine Uhr aus dem Krieg zu bestellen und erst bei der Rückkehr zu bezahlen.

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Von dieser «Rolex 3525» gibt es nur noch wenige Exemplare. Das drückte den Preis bei er Versteigerung in die Höhe 

Die Uhr wurde in der Zeit des Zweiten Weltkriegs produziert und ist besonders selten: Es wurden nur rund 1400 Stück hergestellt. Heute gibt es wohl nur noch wenige Exemplare der «Rolex 3525». Der Startpreis an der Auktion war bei 6500 Franken angesetzt und wurde damit um mehr als das Fünffache übertroffen. Kurz darauf erzielte eine Uhr von Patek Philippe in Gelbgold, die ebenfalls in den späten 1930er-Jahren produziert wurde, den identischen Verkaufspreis von 40‘000 Franken. (pd/red)

Die Rapp-Auktion dauert noch bis Samstagabend.

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Nach zwei Tagen schon 5,7 Millionen umgesetzt (25.11.20)

Zuerst aber war die geschichtsträchtige Münzsammlung «Muotathal» an der Reihe, welche für 20'000 Franken versteigert wurde. «Das ist doppelt so viel, wie erwartet», heisst es in einer Medienmitteilung des Auktionshauses. Laut dem Schreiben waren sogar Bieter aus dem Nahen Osten an der seltenen Münzsammlung interessiert. Den Zuschlag für die Münzen habe allerdings eine Person aus der Schweiz erhalten. 

Um eine russische Goldmünzensammlung mit Raritäten, die zum Teil aus dem 18. Jahrhundert stammen, entbrannte ein regelrechtes Bietergefecht. Vor allem aus Russland gingen hunderte Online-Gebote ein. So wurde die auf 28 Lose aufgeteilte Sammlung für insgesamt 137‘625 Franken versteigert. Marianne Rapp Ohmann, Geschäftsführerin des Auktionshauses Rapp, zeigte sich erfreut. Überrascht habe sie der hohe Preis allerdings nicht: Sie sagt: «Investments mit historischem Hintergrund werden nebst Aktien und Immobilien immer mehr zur Alternative in einem diversifizierten Investment-Portfolio.»

13‘750 Franken für einen Fünfliber

Trotz des internationalen Portfolios mussten sich die Münzsammlungen aus der Schweiz nicht verstecken. Gleich um das 2750-fache überstieg der Verkaufspreis den eigentlichen Geldwert eines Fünflibers aus dem Jahr 1968: Er wechselte für 13‘750 Franken den Besitzer. Der Fünfliber ist einer von nur drei bekannten Fehlprägungen, die in jenem Jahr irrtümlich noch auf Silber statt auf Kupfernickel geprägt wurden.

Insgesamt betrug der Verkaufsumsatz der beiden Versteigerungstage vom Dienstag und Mittwoch für Briefmarken und Münzen rund 5,7 Millionen Franken. Ab Donnerstag und bis Samstag kommen Luxusgüter wie Uhren, Schmuck und teure Designertaschen unter den Hammer. (pd)

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Corona treibt die Steigerungs-Lust an (24.11.20.)

Für gewöhnlich führt das Auktionshaus Rapp zwei mehrtätige Versteigengen im Jahr durch – je eine im März und November. Unter den Händlern und Bietern ist es normalerweise auch ein Sehen und Gesehen werden. Das internationale Klientel trifft sich in einem grossen Zelt der dem Haus und drängt sich in den Auktionssaal. Alles anders im Jahr 2020. Die Versteigerung im März musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden und auch diese Woche ist es ungewohnt ruhig im Auktionshaus an der Toggenburgerstrasse. Kein Zelt, kein Gedränge. Im Haus hauptsächlich Schweizer.

«Es ist alles etwas anders», sagt Marianne Rapp Ohmann nach dem ersten Auktionsteil am Dienstagmittag zu hallowil.ch (siehe Video unten). Nur wenige Leute waren im Saal. Dafür sind umso mehr via Internet dabei. Schon über 2100 Personen hatten sich bis am Dienstag registriert. Von den Technischen Betrieben Wil wurde eine eigene Gyga-Leitung zur Verfügung gestellt, damit die Daten verarbeitet werden können. Die internationalen Online-Bietgefechte dauerten viel länger als gewohnt – und somit auch der erste Versteigerungstag.

Im Video: Corona sorgt für eine spezielle Auktionswoche

 
Video: Mykhailo Zinchenko

Münzen bringen Millionen

Marianne Rapp Ohmann geht davon aus, dass es eine umsatzstake Woche wird – gerade wegen Corona. Sie sagt: «Die Leute wollen sich etwas Gutes tun. Und sie wollen Geld ausgeben.» Das wurde schon am Dienstag deutlich, als Briefmarken unter den Hammer kamen. Die «Rayon I hellblau mit vollständiger Kreuzeinfassung» wurde für 162'500 Franken verkauft. Die Schätzung im Auktionskatalog von 100'000 Franken ist deutlich überboten worden.

Am Mittwoch kommen Münzen von einigen Millionen Franken zu Versteigerung. So etwa die Sammlung Muotathal. Für eine wertvolle Kollektion mit Goldmünzen aus Russland sind bereits im Vorfeld besonders viele Gebote eingegangen. Marianne Rapp Ohmann rechnet mit einer sehr hohen Internetbeteiligung aus Russland. Lose mit Goldmünzen sind laut Rapp Ohmann von besonderem Interesse, weil Gold in Krisenzeiten als sicherer Hafen gelte. «Investments mit historischem Hintergrund werden nebst Aktien und Immobilien immer mehr zur Alternative in einem diversifizierten Investment-Portfolio», sagt die Rapp-Geschäftsführerin.