Der 24.Oktober 1929 ist als schwarzer Donnerstag in die Geschichtsbücher eingegangen. An jenem denkwürdigen Tag begann eine dramatische Talfahrt an der Börse in New York. Bis 1932 verloren die Kurse um rund 90 Prozent an Wert. Die Folgen waren Firmenpleiten und Massenarbeitslosigkeit. Einige Anleger nahmen sich aus Verzweiflung das Leben.

Die Schockwelle dehnte sich über den ganzen Globus aus. Auch in der Schweiz verloren viele Menschen in der Folge Arbeit und Vermögen. In dieser schwierigen Wirtschaftsphase entstand die Badi Weierwise, die damals noch Badanstalt hiess. Sie nahm am 8.August 1931 ihren offiziellen Betrieb auf. Rund 30 Jahre später kam das flächenmässig grössere Freibad Bergholz hinzu. 

Dass das Freibad genau in jenen Jahren gebaut wurde, könnte auch mit der Weltwirtschaftkrise zusammenhängen, viele Bauarbeiter waren froh um ein sicheres Einkommen. Damals waren gerademal rund zehn Prozent der Erwerbstätigen gegen Arbeitslosigkeit versichert.

Badi hat lange Vorgeschichte

Im Jahr 1886 wurden erstmals konkrete Pläne für den Bau einer Badeanstalt geschmiedet, doch vor der Realisierung starb der Landeigentümer, damit zerschlug sich das Projekt. 1917 kam die Idee erneut auf, wurde aber infolge der schwierigen Kriegsjahre nicht weiter verfolgt. Ab 1920 wurde über eine Badeeinrichtung an der Thur nachgedacht und diskutiert. Schliesslich wurde ein Standort bei der Weierwise doch als passender erachtet und der Bau in Auftrag gegeben.

Der erste Verwaltungsrat setzt sich aus Mitgliedern des Gemeinderates, des Schulrats, Vorstandsvertreten des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, dem späteren Verein Wil Tourismus, sowie zwei Lehrpersonen zusammen. Wie damals allgemein üblich, waren die Öffnungszeiten des Bades nach Geschlechtern getrennt. Um frivole Blicke zu vermeiden, war die ganze Anlage von einem blickdichten Bretterzaum umgeben.


Abrupte Aufhebung der Geschlechtertrennung

Die getrennten Zugangszeiten wurden erst 1967 auf spektakuläre Weise abgeschafft: Am 23.Juli kam es an einem besonders heissen Sommernachmittag zum heute legendären Badisturm». Einige Frauen waren des Wartens auf Einlass müde, sie überstiegen kurzerhand den Zaun und verschafften sich Zugang zum Bad. Hinter aufgehaltenen Badetüchern sollen sie sich umgezogen haben, berichten Zeitzeugen.

Diese spektakuläre Okkupation des Freibades sorgte für kontroverse Leserbriefe sowie für einen Bericht im «Blick». Am Folgetag sollen die Männer ihrerseits die Badi gestürmt haben, als sie offiziell für die Frauen reserviert waren. Damit war die Badi Obere Weierwise endgültig in der modernen Zeit angekommen.