«Es macht Spass, ein Produkt herzustellen, das andern Freude macht», sagte Marcel Rickenmann in seinem neu gebauten grossen Kuhstall im Bronschhofer Ortsteil Trungen. Gemeint ist die Braugerste, die derzeit in einem Acker zwischen Wil und Münchwilen gedeiht, in jener Region soll bald die Überbauung Wil West entstehen.

In der Wachstumsphase der Gerste besteht ein gewisses Witterungsrisiko. In diesem Jahr führten bisher weder Dauerregen, längere Hitzeperioden oder Hagel zu Qualitätsminderungen. Rickenmann ist darüber erleichtert und zugleich optimistisch, dass die weitere Wachstumsphase bis zur Ente um den 20. Juli gut verlaufen wird.

Weiterentwickelte Sorten

2022 wurde die neue Braugerstensorte Amidal angepflanzt. Die Vorgänger hiessen Auriga sowie Marte. Geschmacklich haben die unterschiedlichen Sorten keinen Einfluss. Gemäss Claudia Keel-Graf, Geschäftsführerin der Sonnenbräu in Rebstein, wo das Thurbobräu gebraut wird, werden die Gertensorten an der Landwirtschaftlichen Schule in Salez qualitativ weiterentwickelt und auf den Markt gebracht. Rund 170 Kilogramm Gerstensamen hat Marcel Rickemann am 22. März in diesem Jahr auf rund einer Hektare Ackerland ausgebracht.

«Man muss sich als Landwirt immer wieder herantasten, um die neuen Sorten in ihrem Verhalten kennenzulernen», erzählte Rickenmann.

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Die Pandemie führte nicht zu deutlichen Absatzrückgängen bei Thurbobräu.    (Foto: Adrian Zeller) 


Wenig Einbruch im Absatz

Vereinspräsident Patrick Meyenberger berichtete erfreut von den verschiedenen Zusatzerfolgen, die Thurbobräu feiern konnte. Es wurde am Kantonalen Schwingfest vom 29. Mai in Wil sowie am Feuerwehrfest ausgeschenkt, zudem ist es Partner des FC Wil. Weitere Partnerschaften werden angestrebt. Claudia Keel-Graf erzählte ihrerseits, dass die Coronazeit mit ihren zeitweise geschlossenen Gaststätten nicht zu einem markanten Einbruch beim Absatz führte, Thurbobräu wird vor allem auch zuhause konsumiert.

Einstiges Festbier

Die Ursprünge von Thurbobräu gehen auf ein Jubiläumsbier zurück. Als Wil und umliegende Dörfer 2004 ihre urkundliche Ersterwähnung im Jahr 754 feierten, wollten einige Idealisten für ein besonderes Festbier sorgen. Dessen Braugerste sollte in den entsprechenden Gemeinden angebaut werden. Das Bier nahm Bezug auf den freien Bauern Rotpald, der 754 sein Anwesen in der Region Wil dem Kloster St. Gallen urkundlich vermachte. Als Lehnszins hatte er unter anderem alljährlich 1150 Liter Bier abzuliefern. An der Wiler Hofchilbi wird an diese Ursprünge erinnert.

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Die diesjährige Braugerste entwickelt sich bisher gut.  (Foto: Adrian Zeller)


Wachsende Palette von Produkten

Da Wil seit 1982 keine eigene Brauerei mehr besitzt, wurde man in der Sonnenbräu im Rebstein als Brauort fündig. Der Hopfen seinerseits stammt aus Stammheim. Aus der einmaligen Aktion wurde unerwartet ein Dauerbrenner. Eine Gruppe traditionsbewusster und engagierter Wiler übernahmen die Idee von den Initianten und gründeten den Verein IdéeWil, der sich als Plattform für regionale Produkte definiert. Zum Ursprungsprodukt Bier sind im Laufe der Jahre auch ein dunkles Bier sowie Whisky, ein Likör, Bierpralineé sowie eine Bierwurst hinzugekommen. Weitere Lebensmittel sind derzeit im Entwicklungsstadium.