Der vierte Fastensonntag begann mit einem Familiengottesdienst in der Stadtkirche Wil. Dort erhielten die Besucher geistige Hinweise, was Fasten eigentlich bedeutet und worauf es beim Fasten ankommt.

Fastentuch mit drei Themen

Zum Beginn des Familiengottesdienstes zitierte Stadtpfarrer Roman Giger einen Religonsforscher, der erklärt, was es mit Fasten eigentlich in sich hat. Mit Fasten sei Durchatmen, in sich hineinstürzen und mit sich ins Reine kommen gemeint. Kirchlich werde diesem Anliegen nachgelebt, indem im Kirchenraum nur minimalste Ausstattung vorliege, damit sich die Menschen auf das Wesentliche konzentrieren könnten.

In seiner Predigt ging Giger weiter auf die Symbole des Fastentuches ein. Der grosse Bereich in Blau deute Wasser an, das Sauberkeit, Frische und reinigende Kraft darstelle. Im zweiten Symbol komme der Begriff Solidarität zum Zug – mit besonderen Spenden an die Nöte aller Menschen einen Beitrag zu leisten. Das Haus Gottes sei offen für alle. Das goldene Zentrum lenke bewusst auf Gottes Liebe, Treue und Freundschaft hin. Es gelte Gottes Wille erkennen zu lernen.

Fasten-«Zmittag» im Pfarreizentrum

Es bedurfte den Einsatz aller Helfer aus der Seelsorgeeinheit, den Grossansturm zum Suppen-«Zmittag» im grossen Saal zu meistern. Vorbildlich hatte sich auch das Seelsorgeteam beim Service beteiligt. Zur Mittagsstunde konnte Stadtpfarrer Giger mit Freude die Ankunft von Bischof Markus Büchel verkünden. Leutselig wie man ihn kennt, mischte er sich mitten unter das Publikum, um mit verschiedenen Menschen, Jung und Alt, in Kontakt treten zu können.

In Wil hatte man sich mit dem nachfolgenden Jassturnier und dem Lottomatch ein zusätzliches Angebot ausgedacht, wohl nicht zuletzt um auch den Ertrag für das Fastenopfer aufstocken zu können. So genoss der Bischof nicht nur die Wiler Fastensuppe, sondern beteiligte sich auch am Jassturnier und dem Lottomatch im oberen Stockwerk. Bischof Büchel gelang allerdings gegen den Stadtpfarrer beim Jassen kein Sieg, hingegen holte er sich beim Lottomatch auf Anhieb eine Gabe. Die Spielfreude hielt beim Publikum bis weit in den Nachmittag hinein an.

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Bischof Markus Büchel lobt die Wiler Seelsorgeeinheit.

«hallowil.ch» stellte Bischof Markus Büchel ein paar Fragen zum Stellenwert der Wiler Seelsorgeeinheit und der Abdelegierung von Stadtpfarrer Roman Giger.

hallowil: Bischof Markus Büchel, die Wiler Seelsorgeeinheit fühlt sich mit Ihrem Besuch geehrt. Sollte Ihr Besuch vielleicht auch etwas Trost sein, nachdem sie den Stadtpfarrer für einen anderen Einsatz abdelegiert haben?

Markus Büchel: (lacht). Der Entscheid für den Besuch in Wil ist schon weit früher gefallen, da es sich an diesem Sonntag keine anderen Termine aufgedrängt haben. Versetzungen von Seelsorgern bereitet das Personalamt mit meiner nachfolgenden Einwilligung vor. Als früherer Stiftungsrat beim Hilfswerk Fastenopfer ist mir das gute Gelingen wichtig, was ich mit meinem Besuch am Fasten-«Zmittag» unterstützen wollte.

hallowil: Welche Bedeutung hat die Seelsorgeeinheit Wil für Sie als Bischof?
Markus Büchel: Wil gehört zu den grösseren Städten im Bistum, weshalb ich die förderliche Unterstützung im Auge behalte. Wil zeigt sich wiederkehrend überaus aktiv, eine glückliche Situation für mich als Bischof.

hallowil: Wie geht es weiter mit dem Ersatz für den abtretenden Stadtpfarrer?
Markus Büchel: Das bischöfliche Personalamt ist für das Einbringen von Vorschlägen beauftragt. Allerdings läuft dieser Prozess erst nach dem Weggang von Roman Giger an. Um einen neuen Seelsorger nach Wil zu delegieren, bedarf es immer auch dessen Einwilligung. Es nützt dem guten Gelingen wenig, jemanden an einen Ort sozusagen zu verknurren.

hallowil: Macht Rom zu wenig, die Zulassung von Frauen für das Priesteramt voranzutreiben? Braucht es wie aktuell beim Klima weltweite Demonstrationen?
Markus Büchel: Papst Franziskus engagierte sich schon vor einiger Zeit mit einer Enzyklika für Reformen. Natürlich ist es vorteilhaft, wenn die Menschen dranbleiben. Allerdings kann es nur Schritt für Schritt vorwärts gehen, um alle im Boot zu behalten.

hallowil: Markus Büchel, sie sind 70-jährig, denken Sie schon an einen Rücktritt?
Markus Büchel: Es gefällt mir noch immer sehr gut im Amt. Ich fühle mich auch gesundheitlich in guter Verfassung, um bis zur kirchlichen Pensionierung mit 75 Jahren das Amt ausüben zu können.