Hans Mäder nahm das Sujet der Einladungskarte zum Kulturapéro als Ausgangspunkt seiner Begrüssungsansprache. Es wurde Kantonsschülern in einer Gestaltungsklasse angefertigt und zeigt eine Netzwerkstruktur. Die Vernetzung sei laut dem Stadtpräsidenten Sinn und Zweck dieser alljährlich stattfinden Kulturapéros.

Vielfältige Kulturschaffende

Gemäss Einladungskarte sollen diese Zusammenkünfte «eine Plattform, um die Zusammenarbeit unter Kulturschaffenden und kulturvermittelnden Organisationen, Gruppen und Personen zu fördern sowie in den Dialog zwischen der Stadt Wil und deren Kulturbetriebe zu treten» sein.

Rund sechzig Personen waren der Einladung ins Cinewil gefolgt. Bei dieser Gelegenheit präsentierte sich wieder mal die Vielfalt des Wiler Kulturlebens: Vertreten waren Lyriker, Ausstellungsmacher, Jodler, Chorleiter, Vereinspräsidenten, Theatermacher, Hobbymaler, Grafikdesigner, Videokünstler und weitere mehr - Frauen sind automatisch mitgemeint.

Administrative Aspekte

Die Kulturapéros finden jeweils an wechselnden Orten statt und haben unterschiedliche inhaltliche Themen. Diesmal stand Film im Zentrum. Kino ist in der Regel der Ort der Gefühle. Cinewil-Geschäftsführerin Felicitas Zehnder zeigte im ersten Teil des Abends sozusagen die Kehrseite der Medaille, sie informierte detailliert über die organisatorischen Aspekte des Kinobetriebs.

Seit der Eröffnung des Cinewil im Jahr 1999 haben sich Publikumsbedürfnisse gewandelt. Felicitas Zehnder sagte: «Heute wollen die Kinobesucher empfangen und auch wieder verabschiedet werden.» Auftritte von Schauspielern und von Regisseuren sowie auch Partys und weitere Events wollen dem Publikum mittlerweile besondere Erlebnisse bieten, die über den reinen Kinobesuch hinausgehen. «Heute erwarten Besucherinnen und Besucher mehr, als reine Filmvorführungen» betonte die Unternehmerin. Deshalb wurde das Wiler Kino etwa um einen Gastronomie-Bereich erweitert. 

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Filmautor Fabian Biasio führte die Kulturapéro-Gäste in den komplexen Entstehungsprozess von Dokumentarfilmen ein. (Foto: zVg) 


Zwei Kinofilme

Im zweiten Teil des Abends gab der in Luzern wohnhafte Filmautor Fabian Biasio Einblick in sein Schaffen. Anfänglich arbeitete er als freischaffender Pressefotograf. Mit seiner Kamera stand er unter anderem im spannungsgeladenen Kosovo, im Irakkrieg sowie auch bei einer Hinrichtung in einem texanischen Gefängnis im Einsatz. Die auf die Leinwand projizierten Arbeiten veranschaulichten, dass Biasio kaum ein von Sensationsgier getriebener ist. 

Seine Fotos wirken trotz einer respektvollen Distanz sehr lebensnah und authentisch. Dieser Eindruck verstärkte sich in den Trailern von seinen beiden bisherigen Kinofilmen. «Sub Jayega» sowie «Tiger und Büffel» heissen die beiden Low-Budget-Produktionen.


Fortschreitender Abbau

Für sein aktuelles Werk begleitete der Filmautor während acht Jahren die fortschreitende Demenzerkrankung seines ehemaligen Karatelehrers Bruno Koller. Bis hin zur Beisetzung seiner Urne im Alpstein. Koller war gebürtiger Appenzeller. 

Der Filmautor informierte nicht nur über seine Arbeitsweise hinter der Kamera, er gewährte auch Einblicke in die sehr komplexe Nachbearbeitung des gedrehten Materials. Aufwändig sind im Weiteren auch die administrativen Bereiche bei der Filmproduktion, sie reichen von der Gesuchstellung für Förderbeiträge bis hin zum Verleih.

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Das Bedürfnis nach Kontaktpflege unter den Wiler Kulturschaffenden war offenkundig sehr gross. (Foto: Adrian Zeller) 


Beziehungsnetz erweitert

Im Anschluss an die sehr informativen Einblicke ins Schweizer Filmschaffen wurde der Apéro eröffnet. Er verlief ganz im Sinne der Eingangsempfehlung des Stadtpräsidenten: bei einem Glas Wein und bei Häppchen wurden Kontakte geknüpft und gepflegt.

Das Fazit des Abends: Um die Lebendigkeit des musischen Teils Wils muss man sich auch in Zeiten von Corona keine Sorgen machen.     

Trailer zum Film Tiger und Büffel