„Anfänglich hatten wir öfters Zeit für eine ausgedehnte Kaffeerunde, heute sind diese Gelegenheiten eher die Ausnahme“, erzählt Rahel Diethelm, Co-Präsidentin des Vereins FAIR Wil. Die Beratungsfälle sind im Laufe der Jahre markant angestiegen. „In den Anfangszeiten waren es rund 200 jährlich, in diesem Jahr werden es etwa 450 werden.“

Post inside
Vor allem Menschen mit geringen Deutschkenntnissen nehmen die Unterstützung der Freiwilligen von FAIR Wil in Anspruch. 

Fehlende Unterstützung im Umfeld
Ratsuchende sind vor allem Menschen mit Migrationshintergrund, die zum Teil Mühe mit deutsch lesen und schreiben haben. „Schweizer kommen eher selten zu uns“, so Rahel Diethelm. „Die meisten haben im persönlichen Umfeld Personen, die ihnen beim Ausfüllen von Formularen oder von offiziellen Briefen helfen. Jene, die bei uns erscheinen, haben meistens niemanden.“ Vereinzelt sind auch schon Schweizer Seniorinnen und Senioren ohne Internetanschluss gekommen, die mit der Hilfe einer Beratungsperson eine Information im Worldwideweb gesucht haben.

Umfangreiche Formulare 
Das Schreibbüro ist jeden Samstagmorgen von 09.30 bis 13.00 Uhr geöffnet. Von den insgesamt 15 freiwilligen Beraterinnen und Berater sind jeweils zwei pro Sprechstunde anwesend. „Hauptsächlich kommen Stellensuchende, die Hilfe beim Bewerbungen schreiben benötigen“, erzählt Rahel Diethelm, die als Gerichtsschreiberin am Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen arbeitet.

„Aber auch mit amtlichen Formularen kommen die Leute öfters zu uns. Beispielweise ist beim Antrag auf Ergänzungsleistungen ein achtseitiges Formular auszufüllen. Zum Teil verstehen die Leute mit beschränkten Deutschkenntnissen die Fragen gar nicht.“ Das Sozialamt und andere Amtsstellen würden zum Teil die Klienten mit einem Formular direkt ans Büro FAIR Wil verweisen.

Anerkennung durch finanzielle Zuwendungen 
Rahel Diethelm ist seit der Anfangsphase des Schreibbüros von FAIR Wil dabei, es wurde 2013 eröffnet. Wegen des Verkaufs der Liegenschaft in der Nähe des Wiler Bahnhofs und der Hauptpost, zog die Beratungsinstitution im Frühjahr 2018 in das Gemeinschaftsbüro Büro Lokal um.

Wie die Co-Präsidentin betont, werde der Trägerverein von der Gesellschaft, von der Politik und den Behörden gut unterstützt. Wir erhalten immer wieder Spenden von Privatpersonen, von Industriebtrieben oder auch von der Kirche.

Für die Klienten wird pro Beratung ein Unkostenbeitrag von Fr.5.- verrechnet. „Manche werden Mitglied im Verein, dann ist die Beratung kostenlos“, so Rahel Diethelm. Der Mitgliederbeitrag kostet Fr. 20.- bis 30.- pro Jahr, abgestimmt auf die Einkommensverhältnisse. Was motiviert die Co-Präsidentin für ihr Engagement? „Es ist für mich eine schöne Gelegenheit, einen sinnvollen Beitrag an die Gesellschaft zu leisten.“