Nomen est omen. Denn im Namen der Kirchenmusik-Konzertreihe «Toccata Wil» ist, unschwer erkennbar, das italienische Wort «toccare» («berühren») enthalten. Und genau diese Absicht verfolgt der von der evangelischen und katholischen Kirchgemeinde seit dem Jahr 1989 gemeinsam getragene Konzertzyklus nicht nur im übertragenen Sinne. Denn gerade im Orgelspaziergang zur Weihnachtszeit, welcher über die Jahre zum Fixpunkt des «Toccata Wil»-Jahresprogramm geworden ist, lassen sich alle Beteiligten nicht nur durch die schönen Musikklänge berühren, sondern sie rühren sich im Laufe von knapp drei Stunden gleichsam von einem besinnlichen Ort in Wil zum nächsten.

Kein Stopp im Kloster St. Katharina

Auch dieses Jahr folgten zwischen rund 60 Frauen, Männer und auch ein paar Kinder dem festen Rundgang, welcher von der Neuapostolischen Kirche (Organistin: Lisbeth Franken) im Südquartier über die Kirche St. Peter (Indira Spottl) und die reformierte Kreuzkirche (Stefan Giger) bis hinauf in die Altstadt zur Kirche St. Nikolaus (Monika Bernold-Bissig und Marie-Louise Eberhard Huser (beide Orgel) und Antonia Ruesch Lengwiler (Violine) führte. Ursprünglich war auch ein Konzertstopp in der Klosterkirche St. Katharina geplant gewesen, doch der grosse Andrang und die dortigen engen Platzverhältnisse liessen die Organisatoren aus Pandemiegründen davon Abstand nehmen. So fanden die beiden letzten Konzerte nacheinander in der Kirche St. Nikolaus statt. Doch nach den letztjährigen Restriktionen – im Jahr 2021 wurde der Orgelspaziergang zum Leidweisen vieler nur virtuell per Live-Stream begangen – mochte sich niemand über die gefundene Lösung beschweren. «Ich fühle mich sicher, denn zum einen wird hier per App kontrolliert und zum anderen sind die Abstände in den Bänken gross. Und sowieso müssen ja alle durchgehend Masken tragen. Es ist doch einfach schön, dass wir wieder so etwas gemeinsam live geniessen können», erklärt eine ältere Dame, die mit ihrem Mann in der Kreuzkirche Platz erwartungsfroh Platz genommen hatte.

Viel Bekanntes und Weihnachtliches

Die Stückauswahl war – auch das vermochte nicht zu überraschen – sehr weihnachtlich. Jedes der knapp halbstündigen Konzerte bestand aus vier bis sechs Werken oder einzelnen Sätzen daraus. Auffallend war, dass die Vortragenden oft Stücke wählten, die entweder sehr bekannt sind oder geläufige weihnachtliche Weisen zitierten. So wurde in der Neuapostolischen Kirche der Orgelspaziergang mit Pachelbels Toccata in D eingeleitet, in St. Peter Johann Sebastian Bachs «Wachet auf, ruft uns die Stimme» gespielt, derweil in der Kreuzkirche allerlei Variationen über Weihnachtslieder wie «The first noel», «Heilige Nacht» oder «O du fröhliche» erklangen. In St. Nikolaus legte Eberhard Huser einen Schwerpunkt mit Werken César Francks, derweil ihre Kollegin Monika Bernold-Bissig den abwechslungsreichen Orgelspaziergang mit dem Titel eines weiteren Bachwerkes gelungen zusammenfasste: «Der Tag ist so freudenreich» (BWV 605).