«In ihr fliesst Wiler Fastnachtsblut. Sie ist eine Bauerstochter, hat zwei Kinder und ist seit 16 Jahren Wiler Ortsbürgerin. Ihre ersten Batzen hat sie sich mit Zeitungsaustragen verdient. Später war sie nebst vielen anderen Engagements auch 20 Jahre lang Präsidentin des Evangelischen Frauenvereins. Zudem ist sie ein Sprachengenie, eine ehemalige Turnerin und einfach eine, die diese Ehrenbürgerwurst verdient.» Die Laudatio von der abtretenden 31. Ehrenbürgerwurst, Rösli Aurich, hat es in sich. Sie überhäuft ihre Nachfolgerin Martha Koller (72) mit Superlativen und betont, dass ihr die Entscheidung leicht gefallen ist. «Für mich ist wichtig, dass die Ehrenbürgerwurst an jemanden geht, der sich unermüdlich für die Mitmenschen einsetzt», sagt Rösli Aurich am Gümpelimittwoch-Abend in der Tonhalle. Diese füllt sich zum Bürgertrunk einmal mehr bis auf den letzten Platz. 

Gebrochenes Bein? Kein Problem

Selten dauerte es in den vergangenen Jahren so lange, bis die neue Preisträgerin auf der Bühne stand. Das hat in diesem Fall schlicht und einfach damit zu tun, als dass sich Martha Koller, beim Skifahren notabene, das Bein gebrochen hat. Sympathisch daher, wie ruhig und gelassen sie sich auf den Weg zur Ehrenbürgerwurst-Übergabe gemacht hat. «Ich bin total überrascht. Nein besser noch. Ich bin total wurstig», sagt sie lachend. Da habe ihr Rösli Aurich etwas Schönes eingebrockt, sagte sie fernab des Mikrophons über ihre Vorgängerin. «Aber, ich freue mich riesig über diese Auszeichnung, schliesslich bin ich erst die 32. Person, der diese Ehre zu Teil wird.

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«Ich fühle mich total wurstig.» Martha Koller (links) ist nach Rösli Aurich die 32. Ehrenbürgerwurst von Wil. 

Zuerst die Bürgerwurst, dann Durst

Der Bürgertrunk stand ganz im Zeichen der Sheriffs. Dutzende Pistolenträger tummelten sich im Saal, sogar die weiblichen trugen hierfür Schnauz. Vom Apéro über den Willkommensgruss und der Überleitung zum Konzert des Sinfonischen Orchesters, bis hin zum Auftritt der Chrüsimusig und der Line Dance Showgruppe: Langeweile hat gegen Kurzweil keine Chance. Nach dem Verzehr der Bürgerwurst gehört es auch dazu, den aufgekommenen Durst zu bändigen. Gelebte Tradition.