Das Coronavirus sorgt dafür, dass die Menschen stärker auf ihren Körper achten. Hände waschen, Abstand halten, sich selber auf Symptome abhören – diese Dinge haben sich schnell im Alltag etabliert. Vordergründig weniger ein Thema ist die psychologische Seite der Pandemie. Corinne Kamm ist selbstständige Psychologin und Hypnotherapeutin in Wil. Sie bietet «vorwiegend bei alltäglichen psychischen Belastungen» Unterstützung an, möglichst bevor diese pathologische Formen annehmen, sagt sie. Dazu macht sie Coaching in «persönlicher Entwicklung, im Umgang mit Emotionen oder in Beziehungsfragen». In diesen Tagen beschäftigen aber auch die Psychologin speziell das Coronavirus und seine Folgen. Bei vielen (Neu-) Kunden sei das Virus ein grosses Thema. Um auch in der derzeitigen Lage psychologisches Coaching machen zu können, bietet Corinne Kamm online-Sitzungen an, zu einem reduzierten Preis. 

Auf die rationale Ebene zurück kommen

Oft gehe es um den Umgang mit der Angst. Diese, sagt sie, sei ansteckend. «Wir dienen einander auch als Modell.» Etwa bei Hamsterkäufen. Wenn man vor einem leeren Regal stehe, löse das Angst aus, was wiederum dazu führe, das Menschen ihr normales Verhalten in Frage zu stellen beginnen und dann unter Umständen «nicht mehr rational handeln». Um in solchen Situationen nicht in Panik zu geraten, sei es wichtig, auf die rationale Ebene zurückzukommen und sich bewusst zu machen: «Die Versorgung mit Lebensmitteln ist gewährleistet, ich kann normal einkaufen.»

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Beim Umgang mit Angst gehe es auch darum, die Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen, sagt Corinne Kamm. (Themennbild: Pixabay)

Um sich im gefühlten Hausarrest nicht von der Angst bestimmen zu lassen, sei es wichtig, bewusst zu wählen, welchen Einflüssen man sich aussetzt. Dazu gehöre auch ein bewusster Umgang mit Medien. So könnten wir uns fragen, was es mit uns macht, wenn wir alle paar Stunden die neusten Zahlen zu Infizierten und Toten lesen und ob es nicht mehr helfen würde, etwas zu lesen oder schauen, was «das Verhalten konstruktiv beeinflussten». Hilfreich könne es auch sein,  bewusst mit den Menschen aus seinem Umfeld Kontakt zu suchen, die selber Zuversicht und Vertrauen ausstrahlen.

Viele Paare und Familien etwa verbringen gerade viel mehr Zeit miteinander als sonst. Wenn in Zeiten von Selbstisolation und Quarantäne die Aussenwelt als bedrohlich wahrgenommen werde und «Ausweichmöglichkeiten wegfallen», sei es wichtig, mit den nächsten Menschen «in einen produktiven Austausch zu kommen». Offen und tolerant auch über Ängste zu reden, sei der erste Schritt, um sie zu überwinden. Nur so könne es gelingen, das Gefühl, fremdbestimmt zu sein, abzulegen und Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen. Denn: «Angst verhindert Kreativität», sagt die Psychologin. Diese sei wichtig, um im veränderten Alltag zurechtzukommen.

Krise und Entwicklung

Im Ausnahmezustand sieht Corinne Kamm auch Potential. Gerade, weil Viele jetzt zu Hause bleiben müssen und sich ihr Umfeld auf wenige Personen reduziert, falle viel vom Alltag weg. Es klingt paradox: Aber das Zuhausebleiben zwingt uns, «aus der Komfortzone rauszukommen», sagt die Psychologin. Auch weil Strukturen wie Arbeit oder Freizeitgestaltung aus dem Alltag verschwinden, seien wir zunehmend auf uns selbst zurückgeworfen. Dies biete die Möglichkeit, die eigenen Verhaltensweisen zu reflektieren und vielleicht über die Pandemie hinaus zu verändern: «Mit der akuten Krise umzugehen und sich persönlich zu entwickeln, kann Hand in Hand gehen.»