Am 13.Dezember 2020 nahm Wilmobil, Betreiberin der Wiler Stadtbusse, einen Fahrplanwechsel vor. Die Streckenführung einzelner Linien wurde dabei geändert. Dazu heisst es auf der Wilmobil-Homepage: «Die Anpassungen innerhalb des Stadtbuskonzepts werden die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs in Wil steigern. Die Anschlüsse am Bahnhof Wil werden verbessert und ausgeweitet. Mehr Komfort bieten auch das teilweise dichtere Angebot und kürzere Reisezeiten.»

Einiger Unmut

Was aus Sicht des öV-Unternehmens Vorteile bringt, löst bei einzelnen Betroffene viel Frustration aus. Diese Schlussfolgerung legen verschiedene Leserbriefe in der Presse sowie Ärger-Kommentare in den Onlinemedien nahe.

Es heisst etwa, die neue Linienführung seien Konzepte von realitätsfernen Schreibtischtätern. Weitere Schreibende beklagen sich über gestörten Schlaf der Anwohner durch die lauten Busmotoren. Andere finden, in den Abend- und Nachtstunden sollte das Busangebot ausgebaut werden. Wie auch immer: die blau-weiss lackierten Busse polarisieren.

Anhäufung von Schwierigkeiten

Derzeit würden sich verschiedene Themen um den Wiler Stadtbusbetrieb kumulieren, bilanziert Luc Kauf. Der Stadtparlamentarier der Grüne prowil ist Vorstandsmitglied in der IGöV Wil und dort für das Thema Stadtbus zuständig. Aus Sicht des langjährigen Politikers treffen beim Stadtbus sehr unterschiedliche Einzelinteressen aufeinander.

Schwierigkeiten sieht er etwa in einer unglücklichen Linienführung in einzelnen Quartieren, aber auch in Lärmbeschwerden der Anwohner. Der motorisierte Individualverkehr führe zudem zu einer Verschärfung der Probleme. Kauf betont: «Man muss sehen, dass sich die Busbenützer selber kaum zu Wort melden.» Es seien vor allem die sich gestört fühlenden Anwohner, die sich mit ihrer Kritik vernehmen lassen.

Keine Ideallösung

Luc Kauf, Präsident der Geschäftsprüfungskommission des Parlaments, ist überzeugt, dass es bei einem Busbetrieb immer Gewinner und Verlierer gebe. Er nimmt sich gleich selber als Beispiel: Als es vor Jahren in seinem Wohnquartier zu einer Fahrplanänderung gekommen sei, hätten sich für ihn die Anschlüsse verschlechtert, nun müssten sich nach der letzten Fahrplanänderung andere mit Nachteilen arrangieren. Die perfekte Lösung scheint es nicht zu geben.

In den nächsten Tagen trifft sich der Vorstand der IGöV um die Situation zu besprechen und allfällige Lösungsmöglichkeiten zu analysieren. Zudem wolle man gemäss Kauf den Dialog mit den Verantwortlichen suchen.

Kleine und grosse Verbesserungen

Kleinere Optimierungen seien mit geringem Aufwand zu verwirklichen, ist Betriebsökonom Kauf überzeugt. Beispielsweise könnten die Busse beim Gasthaus Adler kreuzen und nicht mehr auf dem Weierdamm, wo die Busse infolge geringer Strassenbreite auf das Trottoir ausweichen müssen, um aneinander vorbei zu kommen.

Für allfällige grössere Veränderungen brauche es laut Kauf einen politischen Prozess im Stadtparlament. Einige Kritiker machten es sich zu einfach, wenn sie glaubten, es könnte einiges rasch verändert werden. Damit spricht er ein Gutachten an, das eine Privatperson in Auftrag gegeben hat. Dieses schlägt eine veränderte Linienführung vor.

Gespräche finden statt

Der Stadtbusbetrieb fällt in die Zuständigkeit des städtischen Departements für Bau, Umwelt und Verkehr. hallowil hat die entsprechende Stadträtin Ursula Egli (SVP) um eine Stellungnahme zu der aktuellen Situation gebeten: «Die Fahrplanstabilität der Stadtbuslinien 701, 702 und 703 und die Anschlusssicherheit am Bahnhof Wil wurden mit dem Fahrplanwechsel bzw. den neuen Linienführungen stark verbessert.

Abgesehen von wenigen Ausnahmesituationen wie Schneefall oder Unfällen konnten die Anschlüsse grundsätzlich sichergestellt werden. Das Fazit dazu fällt dementsprechend positiv aus. Im Fahrablauf gibt es noch Optimierungsbedarf. Die Stadt Wil strebt Verbesserungen an und steht im Kontakt mit dem Busbetreiber, der Kantonspolizei und dem Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St. Gallen.»