Seit Ende des 14. Jahrhunderts kannte man in Wil neben den städtischen Bürgern auch die Hintersassen. Sie waren steuerpflichtig und schutzberechtig, aber hatten keine politischen Rechte. Dazu zählten Handwerker ohne Mitgliedschaft in einer Zunft, Ritter sowie auch Söldner. Diese leisteten Kriegs- und Wachdienst. Sie schlossen sich in der Böckezunft zusammen.

Der Wiler Chronist Carl Georg Jakob Sailer beschreibt sie als kühne Wagehälse, die zu verwegenen Taten bereit waren. Sie hätten sich einen Ruf als rücksichtslose Feuerteufel erworben.

Weinkeller geplündert 

Die Waffenträger zogen zur Zeit des Alten Zürichkriegs (1440-50) in umher und verbreiteten in der Region Angst und Schrecken. «Sie eroberten unter anderem das Schloss Sonnenberg und machten sich dort über den Weinkeller her», weiss Ruedi Schär, Ortsbürgerrat und Wilkenner. Zum Teil waren die Wiler Böcke alleine plündernd und brandschatzend unterwegs, zum Teil verbündete sie sich mit den Schwyzern und den Toggenburgern zu den Raubzügen, die sich bis nach Vorarlberg führten. 

Elgg erobert

So zogen sie beispielweise mit verbündeten Appenzellern um 1440 Richtung Elgg, da die dortigen Verteidiger zur Abwehr von Feinden nach Zürich abgezogen worden waren, konnten die Wiler das Städtchen und seine Burg nahezu kampflos erobern. 

Laut Sailer erzählte man sich in Wil die Legende, dass einzelne Wiler Stadttore ursprünglich aus Elgg stammten, die Böcke hatten sie als Beute abtransportiert.

Nach der erfolgreichen Einnahme Elggs, zogen sie weiter umher, raubten, plünderten und nahmen reiche Personen gefangen, die sie gegen Lösegeld wieder freiliessen. Die Böcke hielten sie in Wil in Haft, bis das Geld eintraf.

Brandschatzung verhindert

Verschiedene Städte im heutigen Kantons Zürich ergaben sich den Wiler Böcken kampflos, weil ihnen ein angsteinflössender Ruf vorauseilte. Manche Räte und Adlige zahlten den Wiler Beutejägern grössere Summen, damit ihre Städte und ihre Burgen nicht in Flammen aufgingen.

Das Wirken der Böcke brachte ihnen bei der eidgenössischen Tagsatzung viele Klagen ein, schreibt Benno Ruckstuhl im gedruckten Wiler Altstadtführer.