„Ich war schon immer von Zirkus fasziniert“, schwärmt Mélanie Moser. Die Mutter zweier erwachsener Kinder hat sich als Videokünstlerin auf Clips von Kunst- und Kulturveranstaltungen spezialisiert. Sie rückt Theateraufführungen, Ausstellungen, Kleinkunstproduktionen und weiteres Kreatives ins Bild. Die Clips werden auf Homepages und auf Online-Kanälen gepostet.

Eine ihre neusten Produktionen ist eine Kurzpräsentation der Puccini-Oper Edgar, die derzeit auf dem St. Galler Klosterplatz aufgeführt wird. Mélanie Moser erhält ihre Aufträge von Kulturveranstaltern, aber vereinzelt auch mal von Grossfirmen.

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Standbild aus einem Clip einer Aufführung von Mummenschanz 


Beziehungsnetz in der Zirkuswelt 
Oft sind ihre Auftraggeber auch Zirkusgruppen. Dadurch steht sie seit Jahren im engen Kontakt mit Veranstaltern und Artisten. Im Gespräch mit dem Berufsverband der Schweizer Zirkusartisten ProCirque entwickelte sich die Idee, unterschiedliche Zirkusschaffende in Ausschnitten aus ihren Produktionen sowie in Kurzinterviews vorzustellen.

„Beim Berufsverband sind rund 200 Mitglieder registriert. Viele von ihnen entwickeln die Zirkuskunst weiter, sie probieren neue Formen aus. Zum Beispiel könnte eine Öffnung vom Zirkus in Richtung Theater einen interessanten Austausch für beide Seiten ergeben“, ist Mélanie Moser überzeugt. Und auch ein konstruktiver Dialog zwischen traditionellen und innovativen Formen des Zirkus könne zu reizvollen neuen Projekten führen.

Inspirierende Gespräche 
Ab August will sie mit ihrer Kamera verschiedene Aufführungen in der Schweiz besuchen. Bei den Aufnahmen wird sie von freien Mitarbeitern unterstützt. Der 45-minütige Film soll voraussichtlich in einem Jahr an einem grossen Zirkusfestival vorgestellt werden.

Mélanie Moser ist überzeugt, dass ihr Werk zu einem inspirierenden Austausch unter den Zirkusmachern führen wird. Es soll auch über die sozialen Kanäle im Internet abrufbar und damit allgemein zugänglich sein. Sie steht ausserdem mit dem Schweizer Fernsehen über eine allfällige Ausstrahlung im Gespräch. Die Low Budget-Produktion wird über Crowdfunding finanziert: https://wemakeit.com/projects/zirkuskunst-im-aufwaertstrend

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Die Wiler Filmemacherin Mélanie Moser dreht an einem Video über die Schweizer Zirkuswelt.  

Art-tv mitgegründet 
Mélanie Moser gehört zu den Mitbegründern des Internet-Fernsehkanals art-tv.ch, der über kulturelle Ereignisse in der Schweiz berichtet. Sie sass einige Jahre in der Geschäftsleitung.

Ihre eigene künstlerische Ausbildung erhielt sie ursprünglich an der F + F Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich. Bewegte Bilder hatten es ihr schon immer angetan. „Damals arbeitete ich gelegentlich noch mit Super 8“, erzählt sie schmunzelnd. Auch Fotografie gehörte zu ihren bevorzugten Ausdrucksmedien. „Wir hinterfragten damals die Fotos und ihre Wirkung.“ Es wurde mit neuen Formen der Darstellung experimentiert. Das Sprengen der gängigen normierten Art des Sehens ist genau ihr Ziel.

Schweizweit unterwegs 
Später wurde sie selber für 20 Jahre Dozentin an der F + F. Dann entschloss sie sich für eine Nach-Diplomstudiengang mit Masterabschluss in szenischer Darstellung an der Hochschule der Künste in Zürich. Vor neun Jahren gründete sie die Produktionsfirma scenofilm für Videoarbeiten. Da sie in der ganzen Schweiz unterwegs ist, gefällt ihr die verkehrsgünstige Lage von Wil, wo sie seit rund 30 Jahren lebt.