Das Ziel der Stadt Wil – als sie Mitte Oktober mitteilte, im Westquartier Strassenbeläge zu erneuern und Bäume anzupflanzen – war eindeutig: Mit den Massnahmen sollten die Lebens- und Wohnqualität verbessert werden. Einen grossen Beitrag dazu sollten eben die neu angepflanzten Bäume leisten und dafür sorgen, dass die Beda- und Hadwigstrasse künftig als «Teil des grünen Westquartiers» gesehen werden. Und damals meinte die Stadt Wil gegenüber hallowil.ch: «Bäume tragen viel zu einem angenehmeren Stadtklima bei und haben einen hohen ökologischen Wert.»

Nun stehen jeweils drei neue Bäume an der Beda- und Hadwigstrasse  und tragen aktuell alles andere als zu einem angenehmen Stadtklima bei: Denn am Mittwochabend wurde auf der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Wil, wenn …» eine rege Diskussion unter den Wilern ausgelöst. Denn eine Anwohnerin postete ein Bild von den neuen Bäumen an der Bedastrasse und fragte: «Ich finde es ja grundsätzlich positiv, wenn Bäume gepflanzt werden. Aber kann mir jemand auf die Sprünge helfen? Wo steckt hier die Logik?» Denn die Frau wollte wissen, warum die Fussgänger wegen den angepflanzten Bäumen auf die Fahrbahn ausweichen müssen.

Unterschiedliche Reaktionen auf die Umgestaltung

Die Reaktionen und Antworten warteten nicht lange auf sich. So wirft eine verärgerte Facebook-Nutzerin den Verantwortlichen der Umgestaltung vor: «Die denken, dass alle mit dem Auto unterwegs sind. Hauptsache die Autolenker können überall hin. Manchmal glaube ich, dass man die Fussgänger einfach vergisst.» Als Beispiel nennt die Dame die Verkehrssituation beim «Do it»-Garden: «Da muss man als Fussgänger auch auf der Strasse laufen, was gar nicht so ungefährlich ist». Und ein weiterer verärgerter Wiler schreibt: «Wiler Verkehrskonzept? Seit Jahren kopf-, konzept- und stragielos.» Andere Mitglieder der geschlossenen Facebook-Gruppe hinterlassen ironische Kommentare wie «Es darf ja kein Geld übrig bleiben, sonst kann man nicht mehr Steuern verlangen», «Etwas für Mario Barth» oder «Also ich würde dort noch einen neuen Kreisel und eine Brücke bauen».

Andere wieder scheinen einen Sinn in der Umgestaltung zu sehen und weichen von der eigentlichen Frage ab. So ist ein Facebook-Nutzer überzeugt: «Vielleicht dienen die Bäume für eine Wohn- und Spielstrasse? So dürfen Motorfahrzeuge nur noch im Schritttempo vorbeifahren. Das macht Sinn.» Auch eine Mama meldet sich zu Wort, welche die Umgestaltung gut findet: «Ich denke, das hat damit zu tun, weil es ein Familienquartier ist und es wahrscheinlich zur Sicherheit der Kinder dient, damit man nicht wie ein ‘Tubel’ vorbeifährt.»

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Gleiche Situation wie an der Bedastrasse: Drei neu angepflanzte Bäume erschweren den Fussgängern den Durchgang.


Betroffene Bereiche dürfen als Fussweg genutzt werden

Auf die Frage, wo die Fussgänger nun durchlaufen könnten, antwortet die Stadt Wil gegenüber hallowil.ch: «Die Grünflächen und die Baumpflanzung sind chaussierte Bereiche, die im Frühjahr nächsten Jahres angesät werden.» Diese Bereiche seien so konzipiert, dass sie als Fussweg genutzt werden können. Nur seien die betroffenen Bereiche wegen des Wetters aktuell stark durchnässt. «Die Holzeinfassung um die Grünflächen werden in den nächsten Tagen um rund zwei Meter ab den privaten Parzellengrenzen zurückgesetzt, sodass Fussgänger zwischen der privaten Grundstücksgrenzen und Bäumen vorbeigehen können», verspricht die Stadt Wil in einer schriftlichen Stellungnahme. Und weiter: «Die Überbrückung bis zum nächsten Frühling wird demnächst ein Zwischenbereich provisorisch befestigt.» So könne also die Begehung im neu gestalteten Baumbereich sichergestellt werden.

Die Überlegung hinter der Umgestaltung

Also ist alles nur halb so schlimm, wie es für die Wiler Anwohner scheinen mag. Denn hinter der Umgestaltung der Beda- und Hadwigstrasse stecken ganz bestimmte Überlegungen der Stadt Wil. Schliesslich sind diese beiden Strassen im Westquartier sogenannte Mischverkehrsflächen. «Die von allen Verkehrsteilnehmern genutzt werden», erklärt die Stadt in der Stellungnahme weiter. Die provisorisch ausgeführten Massnahmen seien temporärer Natur und auf die nächsten rund fünf Jahre ausgelegt. Nach Angaben der Stadt sollen diese jüngsten Veränderungen der Beda- und Hadwigstrasse einen ersten Eindruck vermitteln und als Muster einer möglichen Umgestaltung des Strassenraumes dienen. Zusammenfassend ausgedrückt: «Die aktuelle Umgestaltungen dienen als Testlauf für die weitere Planung.»