Das Hauptinteresse in Sachen Windenergie richtet sich aus Wiler Optik derzeit auf die Gemeinden Wuppenau und Braunau. Auch nachdem die Thurgauer Regierung den neuen Richtplan angepasst hat, ist das Gebiet auf dem Hügelkamm zwischen den beiden Dörfern weiterhin priorisiert, um die Planungen voranzutreiben. Allerdings gibt es Widerstand und die beiden Gemeinden wollen keine entsprechende Zone dafür ausscheiden (siehe Artikel unten). Somit wäre das Projekt wieder vom Tisch.

Auch in Sirnach wird Wind um diese Thematik gemacht. Denn auch dort könnten womöglich Windräder aufgestellt werden. Das geht aus dem neuen Richtplan hervor. Der Regierungsrat hat dieses Gebiet Sirnach-Littenheid vorerst als «Vororientierung» aufgenommen, was der tiefsten Verbindlichkeitsstufe entspricht. Es sind also grundlegende Abklärungen nötig, um überhaupt entscheiden zu können, ob ein Windpark Sinn macht. «Ein Teil der Argumente des Sirnacher Gemeinderats sind aufgenommen worden. Zum Beispiel, dass die Auswirkungen auf die Klinik in Littenheid vertieft zu prüfen sind», sagt Sirnachs Gemeindepräsident Kurt Baumann auf Anfrage von hallowil.ch.

Noch ein weiter Weg gegen den Wind

Bereits im Vorfeld hat sich die Sirnacher Behörde zwar nicht grundsätzlich gegen Windenergie ausgesprochen, aber gegen einen Windpark im Gebiet Sirnach-Littenheid. «Es bleibt aus Sirnacher Sicht spannend. Entschieden ist noch nichts», sagt Baumann. Man könnte auch sagen: Entschieden ist noch lange nichts. Als nächstes wird der Thurgauer Grossrat prüfen, ob das Kapitel Windenergie wie vom Regierungsrat vorgeschlagen in den neuen Richtplan aufgenommen wird.

Danach bräuchte es noch weitere Zwischenschritte und auf kommunaler Ebene in Sirnach eine Zonenplanänderung, welche von den Stimmbürgern gutgeheissen werden müsste. «So wie ich die Stimmung in der Bevölkerung momentan wahrnehme, dürfte eine solche Abstimmung dem Gemeinderat recht geben und eine Windanlage in Sirnach-Littenheid abgelehnt werden», sagt Baumann.

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So berichtete hallowil.ch am 9. Juli über den Richtplan-Entscheid des Regierungsrates:

Der Volkswille ist klar: Alternative Energien sollen gefördert werden. Das haben die Schweizer Stimmbürger im Jahr 2017 mit der Annahme der Energiestrategie 2050 beschlossen. Windenergie ist dabei ein zentraler Punkt – auch für den Thurgauer Regierungsrat. Im Richtplanentwurf hat er deshalb acht Windpotenzialgebiete ausgeschieden. In der überarbeiten Richtplan-Version, die seit vergangenem Freitag auf dem Tisch liegt, sind es noch sechs mögliche Windenergiegebiete. Vom Tisch ist die Region Bichelsee-Fischingen wegen flugsicherheitstechnischer Bedenken. Der Standort ist deshalb nicht vertieft evaluiert worden.

Ganz anders sieht es für die Gegend zwischen Braunau, Wuppenau und Bussnang aus. Von allem Anfang an war jene Region eine der Wichtigsten, da es auf dem Hügelkamm genug Wind hat. Auch der Widerstand aus Wuppenau und Braunau – selbst die beiden Gemeinderäte wehren sich dagegen – änderte nichts an den Plänen der Regierung. Denn auch im überarbeiteten Richtplan ist jene Region für einen möglichen Windpark vorgesehen. Sie habe ein «hohes energetische Potenzial» und die Nutzungskonflikte seinen «vergleichsweise gering», schreibt die Regierung. Allerdings wurde das Gebiet verkleinert und der westliche Teil nahe des Dorfes Braunau gestrichen – wegen zu wenig Windpotenzial. Die Regierung hat im überarbeiteten Richtplan eine Priorisierung vorgenommen. Aus dieser geht hervor, dass Braunau/Wuppenau eine von noch drei priorisierten Gegenden für einen Windpark ist.

Entscheidung fällt auf kommunaler Ebene

«Damit war zu rechnen», sagt Braunaus Gemeindepräsident David Zimmermann auf Anfrage von hallowil.ch. Seine Enttäuschung kann und will er nicht verhehlen. «Das ist ein mutloser und Bern-getreuer Entscheid. Die Regierung ist in den vergangenen Monaten nicht schlau geworden», sagt Zimmermann. Mit Bern-getreu unterstellt er dem Regierungsrat, diese heisse Kartoffel somit einfach an den Kantonsrat abgeschoben zu haben, um nicht selber entscheiden zu müssen.

Denn nun ist nach den Sommerferien der Grosse Rat des Kantons Thurgau am Zug. Zimmermann, seines Zeichens selbst Grossrat, geht davon aus, dass auch dort ein «Ja» zum neuen Richtplan resultieren wird, da derzeit grüne Themen en vogue seien und Wahlen bevorstünden. Doch die Entscheidung fällt dann schliesslich auf Stufe Gemeinde, da eine Grosswindanlage Nutzungsplanverfahren erfordert. Heisst konkret: Sagen die Stimmbürger Braunaus, Wuppenaus und Bussnangs nicht Ja, gibt es dort keine Windturbinen. Doch wahrscheinlich kommt es nicht einmal zu einer Abstimmung, da die Gemeinden den Riegel vorher schieben. «Wir überarbeiten derzeit unseren kommunalen Richt- und Zonenplan. Dabei denken wir nicht einmal daran, Windgebiete auszuscheiden», sagt Zimmermann. Inhaltich ähnliche Töne kommen aus Wuppenau. Bleibt es dabei, ist der Windpark Braunau-Wuppenau frühzeitig vom Tisch. Die Region sei zu dicht besiedelt für 200 Meter grosse Windturbinen. Man sähe diese lieber «auf dem Säntis oder in einem abgelegenen Tal», sagt Zimmermann.

Fast 2400 kritische Rückmeldungen

Im neuen Richtplan ist noch ein zweites Gebiet im südlichen Thurgau für einen möglichen Windpark ausgeschieden: Sirnach-Littenheid. Dies aber nur in der Kategorie «Vororientierung». Will heissen: Es sind erst generelle Vorstellungen vorhanden, die sachlich, räumlich und zeitlich noch unscharf sind. Der weitere planerische Weg bis zur Realisierung könne noch nicht beschrieben werden. Es sind insbesondere zusätzliche Abklärungen mit einem System des VBS und mit der Psychiatrischen Klinik Littenheid notwendig. Auch die Politische Gemeinde Sirnach hatte sich schon kritisch zu einem möglichen Windpark in ihrer Gemeinde geäussert. Sie ist nicht allein. Nachdem der neue Richtplan publik geworden war, sind kantonsweit 2365 kritische Rückmeldungen gekommen – teilweise äusserst umfangreich.

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So berichtete hallowil.ch am 5. Juli über den angepassten Richtplan des Kantons Thurgau:

Im Entwurf des Richtplans im Jahr 2016 wurden acht Gebiete im Kanton Thurgau als Windpotenzialgebiete ausgewiesen – darunter waren auch drei Standorte rund um Wil, an denen dereinst Strom mit Windturbinen produziert werden sollten: in Bichelsee-Fischingen, Braunau-Wuppenau und in Sirnach. «Die acht Standorte wurden einer umfassenden Neubeurteilung unterzogen», informiert die Staatskanzlei des Kantons Thurgau in einer Medienmitteilung. Analysiert wurden unter anderem Einflüsse von Windenergieanlagen auf den Menschen, die Umwelt und Infrastrukturanlagen des Bundes oder Aspekte wie Sichtbarkeit, Ertrag und Logistik. Als Resultat dieser Arbeiten liegt im kantonalen Richtplan nun ein überarbeiteter Unterabschnitt «Windenergie» vor, den der Regierungsrat erlassen hat und ihm als Koordinations- und Führungsinstrument dient. «Weil der Grosse Rat diese Änderungen ebenfalls genehmigen muss, hat der Regierungsrat dazu eine Botschaft verabschiedet», heisst es in der Mitteilung weiter.

Bichelsee-Fischingen ausgeschieden

Aus den acht grossflächigen Windpotenzialgebieten wurden nun sechs kleinflächige Windenergiegebiete. Ausserdem sei bei diesen Gebieten eine Periodisierung vorgenommen worden. Als Festsetzung in den Unterabschnitt «Windenergie» aufgenommen wurde unter anderem Braunau-Wuppenau, an diesem Standort ist eine vertiefte Studien durchgeführt worden. Als Vororientierung ist das Gebiete Sirnach-Littenheid aufgenommen worden. «Dort sind lediglich generelle Vorstellungen vorhanden», erklärt die Staatskanzlei. Nicht mehr enthalten ist das Gebiet Bichelsee-Fischingen. «Gründe sind im Falle von Bichelsee-Fischingen Konflikte mit Anlagen der Flugsicherung», heisst es in der Mitteilung weiter.

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Um diese sechs Windenergiegebiete wird noch diskutiert – darunter sind die Gemeinden Braunau-Wuppenau und Sirnach. (Grafik Amt für Raumplanung des Kantons Thurgau)

Bevor der Regierungsrat den überarbeiteten Unterabschnitt «Windenergie» erlassen hat, wurde der Entwurf öffentlich bekannt gemacht. «Insgesamt sind von November 2018 bis Januar 2019 rund 1500 Eingaben eingereicht worden. Oftmals wurde der Verzicht auf ein einzelnes Windenergiegebiet gefordert, ausserdem zeigten sich zahlreiche Organisationen oder Umweltverbände kritisch gegenüber der Windenergienutzung», erklärt die Staatskanzlei des Kantons Thurgau. Es habe aber auch zahlreiche Eingaben gegegeben, die dem Vorhaben positiv gegenüberstehen. Sämtliche Eingaben wurden also geprüft. «Viele der Anregungen oder Einwände lassen sich sachlich widerlegen oder sind nicht stufengerecht, das heisst nicht auf Stufe Richtplan zu klären.» Diese seien mitsamt den fachlichen Erläuterungen im Mitwirkungsbericht aufgeführt und bei möglichen Projekten zu berücksichtigen.

Mit dem Eintrag der Windenergiegebiete im Richtplan leistet der Kanton Thurgau einen Beitrag an das von der Stimmbevölkerung gesetzte Ziel, die wegfallende Kernenergie längerfristig durch lokal vorhandene, erneuerbare Energien zu ersetzen und damit die Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit zu stärken. «Weil die Bewilligung von Windenergieanlagen in jedem Fall ein vorgängiges Nutzungsplanverfahren erfordert, liegt es letztlich im Ermessen der jeweiligen Standortgemeinde, ob die erforderliche Zone auch ausgeschieden wird und in der Folge ein Baubewilligungsverfahren für ein Projekt auf dem Gemeindegebiet lanciert werden kann», informiert die Staatskanzlei. (pd)

«hallowil.ch» wird weiter über die Windparks berichten und verfolgen, wie die Gemeinden rund um Wil zu dem Vorhaben stehen. 

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Bereits Anfang des Jahres äusserte sich die Gemeinde Sirnach gegen einen Windpark. So berichtete «hallowil.ch»-Chefredaktor Simon Dudle am 29. Januar darüber: 

Es war ein deutliches Ergebnis, als am 21. Mai 2017 das Schweizer Stimmvolk Ja gesagt hat zur Energiestrategie des Bundes. Erneuerbare Energien wie Windkraft sind demnach zu fördern. Im Kanton Thurgau, wo die Zustimmung bei besagter Abstimmung mit 51,4 Prozent ebenfalls vorhanden war, werden nun Nägel mit Köpfen gemacht. Nach Windmessungen ist man zum Schluss gekommen, dass auch zwei Gebiete in der Region Wil geeignet sein könnten für einen Windpark. Nämlich der Hügelkamm zwischen Braunau und Wuppenau sowie ein Gebiet oberhalb von Littenheid.

In Braunau und Wuppenau sind die Planungen weiter fortgeschritten als in der Gemeinde Sirnach – und die Haltungen der beteiligten Parteien schon klarer. Nachdem sich Bewohner der beiden Dörfer zu einem Verein gegen den Windpark zusammengeschlossen hatten, stimmten später auch die beiden Gemeinderäte in dieses Klagelied ein. Ihnen schwebt vor, dass eine entsprechende Zone für einen Windpark aus dem Richtplan des Kanton Thurgau gestrichen wird.

Distanz ist «viel zu gering»

Im vergangenen Herbst wurde nun bekannt, dass auch in der Gemeinde Sirnach ein Gebiet zur Windgewinnung ausgeschieden werden könnte. Es ist mit der Verbindlichkeitsstufe «Vororientierung» versehen, also der tiefsten von drei Stufen. Das bedeutet, dass ein gewisses Windenergienutzungs-Interesse vorhanden ist, weitere Abklärungen wie Windmessungen und Einflüsse auf Anlagen der Flugsicherheit und militärische Anlagen nötig sind.

Nachdem sich der Sirnacher Gemeinderat «intensiv und kritisch» mit dem Entwurf des neuen Thurgauer Richtplans befasst hat, spricht für ihn nun so manches gegen den Windpark Sirnach. Haupt-Kritikpunkt: Die Klinik Littenheid wäre am härtesten von den Immissionen der Windräder betroffen. Dort werden rund 400 Patienten von ebenso vielen Mitarbeitern therapiert. «Es gilt den Umstand zu beachten, wie sensibel Patienten auf Geräusche reagieren und welche Befürchtungen aufgrund ihrer individuellen Erkrankungen Antennen, technische Geräte und sicher auch Windräder bei ihnen auslösen», argumentiert die Gemeinde Sirnach. Bei rund einem Drittel der Patienten – also rund 800 Personen pro Jahr – sei die Erkrankung gekoppelt an schwere Schlafstörungen. «Die vorgesehenen Turbinenstandorte sind gerade einmal eineinhalb Kilometer entfernt vom Klinikdorf. Diese Distanz ist eindeutig als viel zu gering einzustufen», so die Gemeinde Sirnach weiter.

Bevölkerung und Behörden mit einbeziehen

Auch der Landschaftsschutz wird geltend gemacht. Es handle sich um ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung. Weil einer der letzten unberührten Rückzugsorte mit Lärm, Schattenwurf und Sichtkontakt beeinträchtigt würde, kommt der Gemeinderat zum Schluss, dass das Windenergiegebiet Sirnach-Littenheid nicht in den Richtplan aufzunehmen sei, ist weiter zu lesen.

Die Sirnacher Gemeinderat fordert zudem, dass bei allen Verfahren die kommunalen Behörden und die Bevölkerung zwingend einzubeziehen seien. «Insbesondere soll verhindert werden, dass mit einer allfälligen Ausscheidung einer «Kantonalen Nutzungszone» die Beschlusskompetenzen der Gemeinden beschnitten werden.» Dies ist eine Anspielung an die Errichtung der Kehrrichtverbrennungsanlage Weinfelden, die vor einigen Jahren nur dank einer «Kantonalen Nutzungszone» entgegen dem Willen der lokalen Behörden errichtet werden konnte. Es ist allerdings der einzige Thurgauer Fall, in welchem zu diesem Mittel gegriffen wurde.