In Braunau werden derzeit die Planungsinstrumente überarbeitet. Eine Zone für einen Windpark wird man im neunen kommunalen Richt- und Zonenplan aber nicht finden. In Wuppenau wird ebenfalls keine Windenergiezone eingeführt werden. Dabei gibt es bereits ziemlich konkrete Pläne der Genfer Energiefirma Enova, wie der Windpark auf dem Hügelzug zwischen Braunau und Wuppenau aussehen würde.

Doch der Widerstand aus den beiden Dörfern ist gross. Schon bald nach Bekanntwerden der Pläne hat sich eine IG Lebensqualität gebildet, welche die Pläne bekämpft. Auch die beiden Gemeinderäte wehren sich mittlerweile mit Nachdruck gegen einen Windpark in ihren Dörfern. «Wir sind der Meinung, dass der Schutz der Menschen und des Landschaftsbildes höher zu gewichten sind als der Nutzen eines Windenergieparks», sagt Wuppenaus Gemeindepräsident Martin Imboden. Seim Amtskollege aus Braunau, David Zimmermann, ergänzt: «Wir waren am Anfang noch positiv eingestellt. Als wir aber die Dimensionen gesehen haben und viele negative Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen haben, war für uns der Fall klar.» Die beiden können nicht verstehen, wieso am Bodensee kein Gebiet ausgeschieden wurde, obwohl dort aus ihrer Sicht mehr Potenzial für Windenergie besteht.

Kanton kann die Gemeinden überstimmen

Und wie geht es nun weiter? Nächster Meilenstein ist, wenn der Grossrat voraussichtlich im nächsten Frühling über den neuen kantonalen Richtplan entscheidet. In jenem werden mehrere Gebiete mit Potenzial für Windkraft definiert sein – neben Braunau/Wuppenau auch Sirnach/Eschlikon. Sowohl Imboden wie auch Zimmermann gehen davon aus, dass der neue Richtplan angenommen wird. Dann wird der Ball den Gemeinden zugespielt. Führen diese keine entsprechende Zone auf kommunaler Ebene ein, kann kein Windpark errichtet werden.

Allerdings gibt es eine Hintertür. Es besteht die Möglichkeit, eine so genannt «Kantonale Nutzungszone» einzuführen. In einer solchen wären Windturbinen zugelassen. Der Grossrat müsste einen entsprechenden Entscheid fällen. Auf diesem Weg könnten die beiden Gemeinden im südlichen Thurgau vom Rest des Kantons überstimmt werden. In der Thurgauer Geschichte wurde dieses Instrument allerdings erst einmal angewandt. Und zwar beim Bau der Kehrichtverbrennungsanlage in Weinfelden. «Das ist als Sündenfall in die Geschichte eingegangen, weil an den Gemeinden vorbeipolitisiert worden ist», sagt Imboden. «Ich gehe nicht davon aus, dass wir in eine Bananenrepublik zurückfallen und erneut ein solcher Entscheid gefällt wird», ergänzt Zimmermann.

Regierungsrat geht zu den Gegnern

In den beiden Gemeinden finden demnächst Infoabende zum Thema Windpark statt – am 3. Dezember in Wuppenau, am 4. Dezember in Braunau. Dann wird die Bevölkerung über die ausgeschiedenen Windpark-Gebiete im Detail informiert. Auch der zuständige Regierungsrat Walter Schönholzer und zwei Kantonsvertreter werden dabei sein – und sich wohl so manch kritischer Frage zu stellen haben.