Es war ein deutliches Ergebnis, als am 21. Mai 2017 das Schweizer Stimmvolk Ja gesagt hat zur Energiestrategie des Bundes. Erneuerbare Energien wie Windkraft sind demnach zu fördern. Im Kanton Thurgau, wo die Zustimmung bei besagter Abstimmung mit 51,4 Prozent ebenfalls vorhanden war, werden nun Nägel mit Köpfen gemacht. Nach Windmessungen ist man zum Schluss gekommen, dass auch zwei Gebiete in der Region Wil geeignet sein könnten für einen Windpark. Nämlich der Hügelkamm zwischen Braunau und Wuppenau sowie ein Gebiet oberhalb von Littenheid.

In Braunau und Wuppenau sind die Planungen weiter fortgeschritten als in der Gemeinde Sirnach – und die Haltungen der beteiligten Parteien schon klarer. Nachdem sich Bewohner der beiden Dörfer zu einem Verein gegen den Windpark zusammengeschlossen hatten, stimmten später auch die beiden Gemeinderäte in dieses Klagelied ein. Ihnen schwebt vor, dass eine entsprechende Zone für einen Windpark aus dem Richtplan des Kanton Thurgau gestrichen wird.

Distanz ist «viel zu gering»

Im vergangenen Herbst wurde nun bekannt, dass auch in der Gemeinde Sirnach ein Gebiet zur Windgewinnung ausgeschieden werden könnte. Es ist mit der Verbindlichkeitsstufe «Vororientierung» versehen, also der tiefsten von drei Stufen. Das bedeutet, dass ein gewisses Windenergienutzungs-Interesse vorhanden ist, weitere Abklärungen wie Windmessungen und Einflüsse auf Anlagen der Flugsicherheit und militärische Anlagen nötig sind.

Nachdem sich der Sirnacher Gemeinderat «intensiv und kritisch» mit dem Entwurf des neuen Thurgauer Richtplans befasst hat, spricht für ihn nun so manches gegen den Windpark Sirnach. Haupt-Kritikpunkt: Die Klinik Littenheid wäre am härtesten von den Immissionen der Windräder betroffen. Dort werden rund 400 Patienten von ebenso vielen Mitarbeitern therapiert. «Es gilt den Umstand zu beachten, wie sensibel Patienten auf Geräusche reagieren und welche Befürchtungen aufgrund ihrer individuellen Erkrankungen Antennen, technische Geräte und sicher auch Windräder bei ihnen auslösen», argumentiert die Gemeinde Sirnach. Bei rund einem Drittel der Patienten – also rund 800 Personen pro Jahr – sei die Erkrankung gekoppelt an schwere Schlafstörungen. «Die vorgesehenen Turbinenstandorte sind gerade einmal eineinhalb Kilometer entfernt vom Klinikdorf. Diese Distanz ist eindeutig als viel zu gering einzustufen», so die Gemeinde Sirnach weiter.

Bevölkerung und Behörden mit einbeziehen

Auch der Landschaftsschutz wird geltend gemacht. Es handle sich um ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung. Weil einer der letzten unberührten Rückzugsorte mit Lärm, Schattenwurf und Sichtkontakt beeinträchtigt würde, kommt der Gemeinderat zum Schluss, dass das Windenergiegebiet Sirnach-Littenheid nicht in den Richtplan aufzunehmen sei, ist weiter zu lesen.

Die Sirnacher Gemeinderat fordert zudem, dass bei allen Verfahren die kommunalen Behörden und die Bevölkerung zwingend einzubeziehen seien. «Insbesondere soll verhindert werden, dass mit einer allfälligen Ausscheidung einer «Kantonalen Nutzungszone» die Beschlusskompetenzen der Gemeinden beschnitten werden.» Dies ist eine Anspielung an die Errichtung der Kehrrichtverbrennungsanlage Weinfelden, die vor einigen Jahren nur dank einer «Kantonalen Nutzungszone» entgegen dem Willen der lokalen Behörden errichtet werden konnte. Es ist allerdings der einzige Thurgauer Fall, in welchem zu diesem Mittel gegriffen wurde.