«Im Dezember 2021 veröffentlichte SRFrec eine Berichterstattung über «Satanistisch rituelle Gewalt in der Psychiatrie», welcher uns überrascht und tief betroffen gemacht hat», heisst es in der Medienmitteilung. Darin hat ein Oberarzt der Clienia Littenheid AG (CLL) Aussagen dazu gemacht, dass er ein besonderes Interesse in der Behandlung Betroffener, die ritueller Gewalt ausgesetzt sind, hegt. Diese Aussagen würden in keiner Art und Weise die Haltung der Klinik widerspiegeln. 

Der besagte Oberarzt wurde im Dezember 2021 sofort freigestellt und anschliessend entlassen. Daraufhin hat die CLL eine Visitation eingeleitet mit zwei unabhängigen und wissenschaftlich anerkannten Fachexperten. Zur Sicherstellung der Qualität wurde auch die Klinik Schlössli in diesen Visitationsbericht eingeschlossen. Dieses Vorgehen wurde mit Schreiben vom 4. Januar 2022 dem Amt für Gesundheit mitgeteilt.

Im Februar 2022 hat das Amt für Gesundheit des Kantons Thurgau eine Zürcher Anwaltskanzlei beauftragt, eine aufsichtsrechtliche Untersuchung zum Thema «Rituelle Gewalt» bei der CLL durchzuführen. Dieser Bericht wurde der CLL als Entwurf zur Stellungnahme gesendet, darauf hat die CLL mit einer Stellungnahme zum Bericht reagiert. Mit Datum vom 4. November 2022 hat die CLL Kenntnis erhalten, dass das Departement für Finanzen und Soziales eine Aufsichtsbeschwerde gegen die CLL und eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Chefärztin einleiten wird. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass gegen die ärztliche Direktorin eine Strafanzeige eingereicht wurde.

«Wir bedauern sehr, dass der Untersuchungsbericht die mediale Berichterstattung in weiten Teilen bestätigt. Leider mussten wir im Verlaufe der Untersuchung feststellen, dass eine kleine Gruppe an Personen auf den beiden Traumastationen an Verschwörungserzählungen glaubten. Eine solche Haltung hat bei uns in der Klinik absolut keinen Platz, auch keine Fortbildungen, die in irgendeiner Art und Weise ein solches Gedankengut beinhalten oder auch nur streifen», lässt sich die Klinikleitung zitieren. 

«Wir haben Fehler gemacht und das tut uns in aller Form leid. Wir möchten versichern, dass wir die aufgedeckten Mängel gemäss den im Bericht vorgeschlagenen Empfehlungen beheben werden. Erste wichtige Massnahmen wurden bereits in diesem Jahr umgesetzt.»

Man setze alles daran, auch weiterhin ein wichtiger und kompetenter Versorgungspartner für die jährlich bis zu 2500 Patient*innen in der Clienia Privatklinik Littenheid zu sein.

Nachdem man darüber informiert wurde, dass gegen die Chefärztin und ärztliche Direktorin ein Strafverfahren eingeleitet wurde, habe man sich umgehend von ihr getrennt und per sofort freigestellt.

Weiter wurden folgende Massnahmen bereits umgesetzt oder eingeleitet:

• Der besagte Oberarzt wurde im Dezember 2021 freigestellt, mit anschliessender Entlassung

• Ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des SRFrec.-Berichtes wurden nur noch bekannte DIS- Patienten, welche im Rahmen einer Intervall-Behandlung die CLL benötigten, aufgenommen. Bis die Konzepte überarbeitet sind, werden keine neuen DIS-Patienten mehr aufgenommen.

• Der Wechsel der oberärztlichen sowie der psychologischen Leitung in den beiden Traumastationen ist im Vollzug

• Die einseitige Abhängigkeit bezüglich Supervision wurde umgehend diversifiziert

• Die Konzepte der Traumastationen sind in Überarbeitung. Für uns gilt der evidenzbasierte Ansatz in der Therapie.

• Eine unabhängige Meldestelle für Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber besteht via unsere Website seit viele Jahren.

• Eine unabhängige Ombudsstelle für Beschwerden von Patientinnen und Patienten sowie Angehörige wird ab Q1 2023 bestehen.

• Sämtliche Schulungen in der Therapie und Behandlung werden auf evidenzbasierte Grundlagen hin geprüft.

Die Institution betreue jährlich bis zu 2'500 Patientinnen und Patienten, davon sind ca. 300 bis 360 Personen auf den beiden Traumastationen. Patienten, welche eine DIS-Störung haben, also solche Patienten, welche jetzt im Fokus der Untersuchungen standen, hatte man zwischen 2019 und 2022, also in vier Jahren 126 Patienten oder durchschnittlich gut 35 DIS-Patienten pro Jahr. Stationäre Patienten mit Hinweisen auf rituelle Gewalt waren es im Untersuchungszeitraum 2019 bis 2022 insgesamt 10 Patienten.

«Wir versichern, dass wir die Angelegenheit sehr ernst nehmen und die Vorwürfe aufarbeiten werden. Es ist in unser aller Interesse, dass die gemachten Mängel umgehend und umfassend aufgearbeitet werden. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erbringen einen unermüdlichen Einsatz zum Wohle unserer Patienten und Patientinnen, denn sie sind uns wichtig», heisst es in der Medienmitteilung weiter.