Herr Santschi, vor rund einem Jahr wurde der erste Lockdown verhängt, wie wirkte sich dieser für Ihren Betrieb aus? 

Zum einen hatte dies natürlich die Folge, dass wir unser Konzept sofort anpassen mussten und ein geeignetes Take-Away & Delivery Angebot aufbauen mussten. Sehr anspruchsvoll war dabei, die Gerichte so zu gestalten, dass die Qualität der Speisen weiterhin sehr hoch bleibt.

Gab es weitere Folgen? 

Zum anderen hatte diese Umstellung natürlich Auswirkungen auf die Gesamtentwicklung unseres noch sehr jungen Betriebs. Der stetige und schnelle Aufbau wurde abrupt gestoppt und alles war plötzlich wie eingefroren und auf Eis gelegt. Jegliche Pläne und Perspektiven waren entweder hinfällig oder nicht mehr sicher.

Wie ist es Ihrem Personal in dieser Zeit ergangen?

Erstaunlicherweise ist es allen Mitarbeitenden des Betriebs immer sehr gut gegangen. Natürlich war vor allem bei uns drei Inhabern zu Beginn eine gewisse Unruhe und Unsicherheit vorhanden, aber wir haben uns gegenseitig sehr gut unterstützt und geholfen. So war die Stimmung stets sehr gut und positiv. Natürlich waren oft nicht alle Mitarbeitenden im Betrieb, somit sehe ich nur einen Ausschnitt von der Gesamtsituation.

Sie konnten demnach Ihre Mitarbeitenden weiterbeschäftigen?

Wir mussten bisher niemandem kündigen seit Beginn der Corona-Krise. Jedoch hatten wir Abgänge, die wir nicht ersetzt haben. Unser oberstes Ziel war von Beginn an, alle Mitarbeitenden weiter zu beschäftigen. Ich bin sehr stolz, dass wir dies bisher geschafft haben. Leider muss ich aber sagen, dass ich nicht sicher bin, ob wir schon bald wieder dieselbe Auslastung hinkriegen wie vor der Krise. Somit bin ich auch nicht sicher, ob resp. wann es wieder genügend Arbeit gibt für alle Mitarbeitenden die im Moment in Kurzarbeit zuhause sind.

Welche finanziellen Folgen hatte dieses Coronajahr für Ihr Gastronunternehmen?

Die finanzielle Lage im Betrieb ist für den Moment und für die nächsten Monate gesichert, jedoch natürlich auch sehr angespannt. Unser Betrieb ist erst knapp drei Jahre jung – somit sind noch nicht riesige Reserven für solche Ausfälle vorhanden. Ausschlaggebend ist, dass wir bald wieder arbeiten dürfen – auch wenn dies mit Einschränkungen wie im Herbst 2020 war.

Wie sehen Ihre mittelfristigen Perspektiven aus, mit welchen Gefühlen blicken Sie in die Zukunft?

Man hofft natürlich, dass ab Mitte 2021 wieder eingeschränkter Betrieb des Lokals möglich ist und wir dann ohne weiteren grossen Unterbruch, natürlich mit Einschränkungen, arbeiten können. Jedoch sind dies Hoffnungen. Eine kurz-, mittel- oder langfristige Planung ist im Moment schlicht unmöglich für uns. Dieser Umstand, ist auch das, was am meisten belastet, diese grosse Ungewissheit. Im Moment können wir keine zwei Wochen vorausplanen – dies ist als Privatperson unangenehm und als Unternehmen eigentlich ein Zustand, der nicht sein sollte. Wir blicken jedoch stets positiv in die Zukunft. Entweder kommt bald wieder die Normalität von vor der Krise zurück oder es wird sich eine neue, spannende Normalität einspielen müssen. So oder so, wir bleiben dran und behalten die Freude daran, Gäste zu verwöhnen.