Das über 100-jährige Zeughaus ist alles andere als geeignet, um darin Schule zu geben. Die Räume sind schlecht isoliert und mit zu wenigen sanitären Einrichtungen bestückt. Zudem sind sie zu klein. Die kantonale Norm gibt eine Mindestgrösse von 70 Quadratmetern vor, die Zeughaus Schulzimmer sind weniger als 60 Quadratmeter gross. Nicht besser ist es mit der Raum-Höhe: 3,5 Meter werden vom Kanton als Minimum gefordert, 2,4 Meter sind sie im Zeughaus hoch. Es müssen kleine, kostenintensive Klassen mit weniger als 20 Schülern gebildet werden, um noch einen vertretbaren Rahmen bieten zu können. Der Weg zum Lindenhof, wo Werken, Handarbeit oder Turnen stattfinden, ist 450 Meter lang. Die Laufzeiten gehen auf Kosten des Unterrichts.

So erstaunt es wenig, dass das Zeughaus als Schulstandort einen schlechten Ruf geniesst. «Wir haben schon mehrere Absagen von möglichen neuen Lehrern bekommen, als sie gehört hatten, dass sie im Zeughaus unterrichten müssten», sagt Lindenhof-Schulleiterin Katharina Stoll. Sie ergänzt: «Wir können den Lehrpersonen hier keine Perspektive bieten.»

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"Es gibt Eltern, die ihre Kinder nicht im Zeughaus beschulen lassen wollen", sagt Lindenhof-Schulleiterin Katharina Stoll.


Lindenhof: Elf zusätzliche Klassen bis 2030

Aktuell werden drei Unterstufen-Klassen und ein Kindergarten im Zeughaus beschult, weil der Platz im Lindenhof nicht ausreicht. «Es eilt. Wir müssen die Situation möglichst schnell verbessern und brauchen jetzt neuen Schulraum», sagte Schulrätin Miriam Schildknecht am Freitagabend an einem von der SP Ortspartei Wil organisierten Anlass, der sich der Schulraumsituation im Lindenhof widmete. Denn es wird nicht besser. Die Hälfte des Schüleranstiegs der Stadt Wil in den kommenden Jahren erfolgt im Lindenhof-Quartier. Neun zusätzliche Schulklassen und zwei Kindergärten werden bis zum Jahr 2030 nötig sein. Eine zusätzliche Klasse wird schon diesen Sommer ins Zeughaus ziehen.

Nun zeichnet sich eine Lösung ab. Auf der Langacker-Wiese südlich der Sportanlage Lindenhof soll ein Provisorium mit acht Schulräumen errichtet werden, bis dereinst eine definitive Lösung im Rahmen der Planungen von «Schule 2020» gediehen und umgesetzt sein wird. Es handelt sich um einen modularen Bau im Gesamtwert von knapp 5,6 Millionen Franken. «Das würde ausreichen, um den aktuellen Engpass zu beheben», sagt der zuständige Wiler Stadtrat Daniel Stutz.

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Zu klein und zu wenig hoch: Blick in ein Schulzimmer des Zeughaus-Provisoriums.


Provisorium: Zentralerer Platz gewünscht

Bis im März des kommenden Jahres soll dieser temporäre Schulraum bereitgestellt sein. Derzeit wird ein Bericht und Antrag für die Beratung im Stadtparlament vorbereitet. Voraussichtlich im April soll das Parlament darüber befinden. Die eigentliche Bauzeit – verantwortlich wäre die Hinterthurgauer Firma Kifa – würde vier Monate betragen.

Doch es gibt Kritik. So wird bemängelt, dass – aus gesamtstädtischer Sicht betrachtet – ein Provisorium an einem zentraleren Ort liegen müsse als auf dem Langacker. Geprüft wurden diverse Gebiete, unter anderem beim Mattschulhaus und dem Rudenzburgplatz. Da hierbei das Pendeln für die Schüler wegen des längeren Wegs noch mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, sah man davon ab. Am SP-Anlass war die Meinung gemacht: «Mit dem Langacker würde die Schule Lindenhof zu einer Einheit. Es wäre eine gute Zwischenlösung. Eine Verzögerung muss verhindert werden», sagte Schulrätin Miriam Schildknecht.