Wer steckt dahinter?

Schon der Titel macht neugierig. Wer macht da was anders? Wer das angeheftete Täfelchen liest, stellt fest, dass die Seelsorge-Einheit Uzwil mit der Aktion eine Art positive Kraft gegen die im Moment doch allgemein eher etwas negativ gestimmte Stimmung – ganz ohne irgendwelche Auflagen oder moralischen Zeigefinger - in den öffentlichen Raum bringen will. Ganz gezielt wurden Orte mit einem gewissen Publikumsaufkommen dafür ausgewählt. Da kann man beispielsweise lesen: „Wir wurden geboren, um einzigartig zu sein, nicht perfekt“ oder auch „Es braucht die Ruhe, um die Kraft zu entdecken, die in uns steckt.“ Es sind zehn verschiedene Sinnsprüche aufgehängt worden. Sie werden auch immer wieder ergänzt.


Ursprung

Vor Weihnachten 2019 war im katholischen Seelsorgeteam die Frage aufgekommen, welche Angebote denn Menschen zwischen Kindheit und Erwachsenenleben interessieren könnten. Man hatte nämlich festgestellt, dass es für Kinder, aber auch für Menschen in etwas gesetzterem Alter unzählige Veranstaltungen und Rituale gibt, diese aber für die Gruppe dazwischen irgendwie fehlen. So kreierte die Gruppe eine Art niederschwellige Angebote für Menschen, die mit der Institution Kirche nicht unbedingt viel anfangen können, aber sich dennoch mit spirituellen Fragen befassen möchten.

Der erste Anlass unter dem Slogan „wir weihnachten anders“ fand an Weihnachten 2019 in der Katharinen-Kapelle am Oberuzwiler Dorfplatz statt. Die Organisatoren wurden vom Andrang förmlich überrascht. Man musste alle Stühle aus dem Raum entfernen, die Menschen – es waren weit über fünfzig Leute – standen in dichten Reihen den Wänden nach, verschiedene Interessierte fanden gar keinen Platz mehr und mussten wieder heimgehen. An Weihnachten 2020 stellte die Familie Egli ihren Stall auf der Bichwiler Pfiffholdern für eine solche Feier zur Verfügung. 

Grosser Anklang

Alle Anlässe fanden guten Anklang. An Ostern 2020 hiess es „wir ostern anders“. Weil da ein äusserst strenges Lockdown-Regime galt, konnte keine Versammlung vor Ort stattfinden. Stattdessen bekamen die Mitglieder der Seelsorge-Einheit Uzwil am Hohen Donnerstag ein Brotrezept zum Selberbacken nach Hause gebracht mit der Absicht, im Familienkreis in einem kleinen Ritual Karfreitag zu feiern. An Ostern 2020 bekamen alle Mitglieder ein Säcklein Sonnenblumensamen geschenkt. Die daraus wachsenden Pflanzen sollten fotografiert und den einzelnen Pfarreien als Fotos zurückgesandt werden. Und an Pfingsten 2020 hiess es schliesslich „wir pfingsten anders“. All diese „Darreichungen“ wurden von unzähligen Freiwilligen im Gebiet der Seelsorge-Einheit Uzwil mit ihren ungefähr 6000 eingeschriebenen Mitgliedern verteilt, es gab also keinerlei Portokosten.

Frühlingsaktion

Da im Augenblick das Sozialleben auf absoluter Sparflamme läuft, wollte man in dieser Fastenzeit einen Anlass in der Natur anbieten. Die Aktion wurde ganz bewusst vom Frühlingsanfang am 21. März 2021 bis hin zum Mittwoch vor Ostern terminiert. Sie war zum grössten Teil in unterdessen ziemlich allgemein bekannten ZOOM-Sitzungen vorbereitet worden.

So flattern jetzt an den gewählten Standorten also eine Art bunte Geschenkbänder, Farbtupfer, die den Vorübergehenden ein Lächeln entlocken sollen, vielleicht auch Fragen aufwerfen. An den Bändern sind mit Wäscheklammern tiefsinnige Gedanken befestigt, alle auf edlem Material professionell bedruckt. Ihr Format passt ausgezeichnet als Buchzeichen. Wer an so einem Baum vorbeikommt, wird eingeladen, sich einen dieser Denkanstösse mitzunehmen. Die Verantwortlichen liessen dafür mehrere hundert Buchzeichen drucken. Verschiedene Freiwillige halfen auch beim Aufhängen mit, immer mit tatkräftiger Unterstützung des Vorbereitungsteams.


Überlegte Platzierung

Beim Aussuchen der „Bänderbäume“ wurde auf einen einladenden Ort geachtet. Man sollte sich niedersetzen und in aller Ruhe den ausgelesenen Sinnspruch überdenken können. Wer es nicht so besonders mag, wenn ihm alle bei so einer Aktion zusehen, soll sich auch hinter den Ästen etwas verstecken können. Alles ist wirklich als Einladung angelegt, soll keinesfalls als Zwang oder religiöses Überstülpen empfunden werden.

Nachhaltigkeit

Bei der Auswahl der Materialien wurde sorgfältig vorgegangen. Die einzelnen Sinnsprüche selber sind als Denkanstösse gedacht, vielleicht sogar als ein Lebensmotto, ähnlich dem Konfirmandenspruch von reformierten Menschen. Nach Abschluss der Aktion wird alles Material wieder eingesammelt und in irgendeiner Form wiederverwertet. Nicht ganz sicher ist allerdings, ob wirklich jedes mitgenommene Buchzeichen auch wirklich dem Nachdenken dient. Am Bettenauer Weiher gab es jedenfalls Zweifel, ob tatsächlich in so kurzer Zeit so viele Denkanstösse im Sinne der Veranstalter zum vertieften Nachdenken mitgenommen worden waren...

Für diesen Artikel wurden Kari Bürgler und Ursula Bachofner-Rieche aus dem Vorbereitungsteam befragt.