In Teil 1 der Antworten formulierten Timo Räbsamen (Juso) und Salome Zenitl (Jungfreisinnige) am 3. Januar ihre Sichtweisen. 

In Teil 2 nehmen nun Meret Grob (Junge Grüne) und Dominik Egli (SVP) Stellung:

hallowil: Experten befürchten in der Ostschweiz einen Brain drain, einen Verlust von gut ausgebildeten und talentierten Berufsleuten durch Wegzug. Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit junge, gut qualifizierte Fachpersonen in der Region Wil bleiben wollen?

Meret Grob (Junge Grüne): Ich denke, was für uns junge Menschen wichtig ist, wir wollen an einem Ort leben der lebt, der sich bewegt und sich verändert. Wichtig für einen attraktiven Arbeits- und Lebensort sind sicher auch die Job und Karrieremöglichkeiten. Ich glaube die Ostschweiz hat ein paar spezifische Industrien, viele interessante Stellen sind jedoch im Raum Zürich und weiter. Dafür müssen die Städte ein attraktives Betreuungsangebot für Kinder, gute Schulen, interessante kulturelle Angebote und zahlbaren Wohnraum bieten. Was ein völlig unterschätztes Potential hat: Es braucht viel mehr Teilzeitstellen, vor allem auf Führungsebene. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Freizeit stellt sich bei den kommenden Generationen noch viel stärker. Hier sind die Arbeitgebenden gefordert, Stellen so auszuformulieren und zu gestalten, dass sie für zukünftige Arbeitskräfte interessant sind.

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Für Stadtparlamentarierin Meret Grob braucht es eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Freizeit, um qualifizierte Fachpersonen in die Region Wil zu locken. (Foto: pd)  

Dominik Egli (SVP): Wir hätten es in einem ersten Schritt mit der Abstimmung zur Arealentwicklung Wil West selbst in der Hand gehabt, die Attraktivität unserer Region zu erhöhen. Das sahen bekanntlich die Stimmbürger und Stimmbürgerinnen des Kantons St. Gallen jedoch anders. Immerhin stimmte die Stadt Wil mit 60 % dem Projekt zu. Daraus schliesse ich, dass die Bevölkerung von Wil auch in Zukunft attraktive Arbeitsplätze generieren und Unternehmen anlocken will. Und dies wäre natürlich teilweise verbunden mit neuen Einwohnern.

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Stadtparlamentarier Dominik Egli glaubt weiter an das an der Urne gescheiterte Projekt Wil West, das für ihn zur Lösung von Verkehrsproblemen in Wil beitragen würde. (Foto: pd)   

Sehen Sie diese Bedingungen aktuell erfüllt?

Meret Grob: Ich beantworte die Frage mit der Annahme, dass es vor allem um Wil geht. In anderen Gegenden kann ich es nicht gleich gut beurteilen. Für Wil kann ich sagen, in einigen Dingen sind wir auf dem richtigen Weg, aber uns fehlt der Mut, Dinge anders zu machen und andere Lösungen zu suchen. Wir haben Schulergänzende Betreuungsmöglichkeiten, ja. Wir brauchen jedoch flächendeckende Betreuungsangebote und müssen uns in Richtung Tagesschulen entwickeln. Es ist unerlässlich, dass wir ein System bieten, das Eltern unabhängig vom Geschlecht die Möglichkeit bietet einer Arbeit nachzugehen. Wir brauchen guten Wohnraum, das Postulat von Matthias Loepfe fordert genau dies: wir brauchen mehr gemeinnützigen Wohnraum und müssen bedürfnisgerechter anstatt nur gewinnmaximiert bauen. Wenn Träume hier erlaubt sind: Zum Beispiel könnte sich Wil stark machen für einen Standort der Fachhochschule Ost in Zusammenarbeit mit der ZHAW, an welchem umfassend zum Thema Bekämpfung der Klimakrise geforscht wird. An welchem Systeme tiefgreifend und umfassen hinterfragt werden. Mir ist bewusst, dass dies ein Traum bleibt :)

Was ich oft höre, in Wil läuft nichts, eine Bar nach der anderen schliesst. Last one standing ist der Gare de Lion und wie wir letzte Woche gelesen haben, wird da auch nicht gerade aufs Gaspedal gedrückt. Fazit also; wir haben noch viel Potential und Luft nach oben.

Was müsste aus Ihrer Sicht verbessert werden?

Dominik Egli: Nachdem die Arealentwicklung Wil West durch den Kanton an der Urne gescheitert ist, hoffe ich darauf, dass die Regierung vom Kanton St. Gallen einen Weg findet, um das wichtige Projekt Wil West doch noch entwickeln zu können. Teil davon ist, das Thema Verkehr in und um Wil zu lösen.