Die Primarschulen der Gemeinde Niederhelfenschwil brauchen mehr Platz. Wo zeichnet sich das Problem im Alltag am deutlichsten ab?

In allen drei Dorfschulhäusern fehlen Räume, die den neuen Unterrichtsformen entsprechen. Es mangelt beispielsweise an Gruppenräumen, Zimmern für Spezialunterricht wie Schulische Heilpädagogik, Logopädie, Deutsch als Zweitsprache, Begabungsförderung und Räumlichkeiten für textiles und technisches Gestalten. In Zuckenriet fehlen zudem wegen der steigenden Schülerzahlen zwei Klassenzimmer; dieses Problem wird aktuell mit einem Provisorium überbrückt. Auch die Tagesstruktur, die aktuell im ehemaligen Lehrerhaus in Zuckenriet untergebracht ist, stösst an ihre räumlichen Grenzen.

Verschiedene Lösungsstrategien wurden mit einer Begleitgruppe und Fachplanern erarbeitet. Weshalb fokussiert man sich auf mehrere Varianten?

Die Projekt-Kerngruppe hat keinen Fokus auf eine Strategie oder eine vorgespurte Präferenz, die der Bevölkerung «aufgezwungen» werden soll. Viel mehr ist die Absicht, alle Möglichkeiten, die auf der Ebene Strategie machbar wären, vorzustellen. Dies mit dem Ziel, Denkanstösse zu liefern und eine breite Grundlage zur Meinungsbildung zur Verfügung zu stellen.

Zeichnet sich bereits die eine oder andere Lösung ab?

Es ist wichtig, dass alle stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger eine unvoreingenommene Beurteilung der vorliegenden Varianten vornehmen können. Die dritte Ausgabe des EXTRABLATTS Schulraumentwicklung bildet deshalb alle Varianten objektiv ab. Die Meinungen innerhalb der Begleitgruppe, die aktuell einen Wissensvorsprung gegenüber der Restbevölkerung hat, sind jedoch weitestgehend gemacht. Die Strategie «Dorfschulhäuser» wird priorisiert, allerdings ist die Erarbeitung neuer Varianten zu dieser Strategie noch im Gang.

Sie schreiben, dass die Kosten sehr rudimentär aufgeführt sind – und wirklich: Je nach Variante betragen sie zwischen 9,5 und 26 Millionen. Ein sehr deutlicher Unterschied. Könnte dies nicht zum Stolperstein werden?

Es ist in der Tat so, dass die günstigen Varianten, nur mit der «Kostenbrille» betrachtet, leicht Zuspruch finden könnten. Die günstigen Varianten bilden die Weiterführung des Status-Quo ab, die bestehen Schulhäuser würden demnach saniert und der Platzmangel in Zuckenriet mit einem Kindergarten-Neubau, inklusive Tagesstruktur und Spezialunterricht, behoben. Am anderen Ende der Kostenschätzungen stehen Strategien, die grössere Schulhaus-Neubauten mit fortschrittlichen Raumprogrammen und Mehrzwecknutzungen beinhalten. Die Niederhelfenschwiler Bevölkerung muss sich demnach bewusstmachen, wieviel ihr eine zukunftsgerichtete Lösung wert wäre.

Noch sind die Wünsche der Vereine und Organisationen nicht abgeholt worden. Weshalb macht man das erst in einem weiteren Schritt?

Die Anforderungen der Schule stehen klar im Vordergrund und müssen zwingend zuerst erfüllt werden. Falls Neubauten erstellt werden, muss jedoch eine kombinierte Nutzung angedacht werden, von welcher auch Vereine und weitere Organisation profitieren können. Wir möchten unbedingt vermeiden, dass unser Schulvorhaben auf der Zielgeraden scheitert, weil man die Bedürfnisse der Bevölkerung zu wenig mitberücksichtigt hat.

Nun soll eine Machbarkeitsstudie erarbeitet werden, die Ende des dritten Quartals vorliegen soll. Wie würde es dann weitergehen?

Falls alle Projektphasen ohne grössere Widerstände ablaufen, ist für 2024 das Planerwahlverfahren und die Ausarbeitung des Bauprojekts vorgesehen. Im Jahr 2025 stünden die Kreditabstimmung, die Ausarbeitung der Ausführungspläne und die Ausschreibung der Bauarbeiten an. Im besten Fall könnten 2026 die Bauarbeiten beginnen.