An der Delegiertenversammlung im Riethüsli Braunau vom Dienstagnachmittag konnte VR-Präsident Andreas Widmer einmal mehr über ein erfolgreiches Geschäftsjahr informieren. Fast schon wie gewohnt kam die Information über einen neuer Rekord-Wasserbezug mit 1,69 Mio. Kubikmeter. Der neue Höchstwert ist nicht im Mehrverbrauch bei Haushalten oder Industrien begründet, sondern in längeren Bewässerungen von Feldern ob langer Trockenzeit. Bei der Betriebsleitung steht ein personeller Wechsel von Willi Meienberger an Florian Schär bevor. Rege Diskussion ergab das nachfolgende Referat von Franziska Herren zur eingereichten Initiative „Sauberes Trinkwasser“, welche Landwirten bei Überbenutzung von Pestiziden und Antibiotika die Subventionen streichen will.Neun der 11 beteiligten Gemeinden nahmen mit 17 Delegierten an der Abnahme der Jahresrechnung teil. Eingangs erinnerte Präsident Andreas Widmer an den im 2017 verstorbenen ehemaligen RVM-Präsidenten Joachim Lüthi, der über lange Jahre die Geschicke der RVM geleitet habe. Die Delegierten wurden auch vom Gemeindepräsidenten von Braunau, David Zimmermann, begrüsst. Im kleinen Ort wohnten 770 Personen auf 902 ha Land. Der ländlich ausgerichtete Ort beherberge aktuell 30 Landwirtschaftsbetriebe, einst waren es 78. Braunau sei mehr Wohnort mit nur wenig Gewerbebetrieben.

Höchstwerte beim Wasserbezug
Zum Rekord-Wasserbezug von 1,69 Mio. Kubikmeter Wasser wies der Vorsitzende darauf hin, dass dies die Auslastung von 25% der Optionsmenge durchaus zulasse. Allerdings werde nicht etwa auf neue Höchstwerte beim Wasserbezug hingearbeitet. Weil die neue Höchstmarke in langen Trockenperioden im 2017 begründet sei mit Feldbewässerungen, werde sich der Bezug wieder auf Normalwerte einpendeln.

Im abgelaufenen Jahr musste die RVM Süd beim Kanton Thurgau eine Verlängerung der Konzession beantragen, welche ob notwendigen Abklärungen bei Filterbrunnen nur noch für fünf Jahre gewährt wurde. In dieser Zeit wollten sie Anpassungen oder Alternativen prüfen. Eine qualitative Verbesserung mit einer Online-Qualitätsmessung wurde im abgelaufenen Jahr realisiert. Das Grundwasservorkommen zeige sich nach wie vor sicher, ertragreich und qualitativ einwandfrei. Es werden keine chemischen Aufbereitungen betrieben.

Weitergehend informierte der Präsident über verschiedene Leitungserneuerungen. Grössere Projekte zeichnen sich ab mit der Leitungsumlegungen bei der Firma FRIFAG in Märwil und dem Neubau Kindlimann in Tägerschen.

Positive Betriebsrechnung
Für den Betrieb der Anlagen schliesst die Rechnung mit eine Plus von 63'780 Franken. Beim Wasserverkauf ergab sich ein Mehrertrag von 56'000 Franken. Nach Abzug des Aufwandes beträgt die Besserstellung 34'700 Franken. Den Gesamterträgen von 650'000 Franken stehen 587'000 Franken Aufwand gegenüber. Investitionen wurden für 159'000 Franken für Leitungserneuerungen getätigt.

Ereignisreiches Betriebsjahr
Betriebsleiter Willi Meienberger hielt in seinem Jahresbericht die Aktivitäten auf den Anlagen fest. Nach drei Monaten Bauzeit konnte am 3. November die neue Transportleitung Pumpwerk Maltbach zum Reservoir Märwilen in Betrieb genommen werden. Verschieden Störungen hätten sich ob Leitungsschäden und Steuerungsunterbrüchen ergeben. Gesamthaft seien 24 Störungsmeldungen über Telealarm eingetroffen.

Die Wasserproben über Selbstkontrolle wie auch amtlich hätten keinerlei Beanstandungen ergeben. Die Leitungsverluste liegen unter einem Prozent. Energie verbrauchten die Anlagen für 72'800 Franken. Daraus rechne sich ein Förderpreis pro Kubikmeter von 4,3 Rappen.

Thurtal-Bodenseeverbindung steht
Vor 40 Jahren startete das Projekt Verbindung Thurtal mit dem Bodensee, ruhte dann allerdings 20 Jahre. Das Projekt startete als Notfallkonzept mit 14 involvierten Gemeinden. Im 2007 war die Zustimmung der Gemeinden und der Gebäudeversicherung mit einem einheitlichen Subventionssatz erreicht. Es wurde noch 2017 bis auch das letzte Projektteil abgeschlossen war. Die Bauteuerung aufgerechnet konnte das Projekt mit 13,8 Mio. Franken als Punktlandung abgeschlossen werden.

Im Laufe der Projektabwicklung wurde aus dem Notfallkonzept ein Wasserversorgungskonzept. Es ging ja um die Verbindung von Grundwasser mit Seewasser. Kleine Pumpwerke verbinden die beiden Zonen.

Personelle Veränderungen
Mit der Pensionierung von Martin Berti, Chef der Technischen Betriebe Wil (TBW), wollte die RVM nebst Dank an die Person als Delegierter, auch den langjährigen administrativen Beitrag der TBW mit einem Präsent würdigen. Bei der Betriebsleitung läuft die Einarbeit des Nachfolgers von Willi Meienberger mit Florian Schär, der bereits über eine Brunnenausbildung verfügt. Gleich alle drei GPK-Mitglieder, Walter Holenstein, Anton Stäheli und Dora Baumgartner wollen auf die nächste DV zurücktreten.

Die Initiative „Sauberes Wasser“ gibt zu reden
Als Referentin im Anschluss an die DV war Franziska Herren zum Thema „Sauberes Trinkwasser“ eingeladen. Franziska Herren ist die Hauptinitiantin der Initiative „Sauberes Wasser“. Mit einem Kernteam erreichte sie 114'000 Unterschriften, genügend, um eine Abstimmung zu erreichen. Den Anstoss für die Initiative hatte die Initiantin bei einem Erlebnis in der Landwirtschaft.

Zur Initiative erinnerte sie an das Grundwassergesetz, das am 1.1.2016 in Kraft getreten ist. Darin ist ein klares Verbot für Wasserverschmutzung festgehalten. Die Verschmutzung erfolgt nach Herren durch Pestizide, welche über den Kreislauf ins Grundwasser gelangen. In der Schweiz werden 2'000 Tonnen Pflanzenschutzmittel eingesetzt, welche letztlich zur Abnahme der Biodiversität führen. Pestizide gefährdeten zahlreiche Organismen. Der Aktionsplan des Bundes mit einer Strategie Biodiversität führe bald ins Gegenteil, wenn in Gewässern bald 3'600 Mal mehr Glyphosat toleriert werde.

Antibiotika grösstes Problem
Zwischen 2004 bis 2014 habe man 124 schädigende Wirkstoffe vom Markt nehmen müssen. 1916 seien 263'000 Tonnen Futtermittel importiert worden, heute seien es 1,2 Mio Tonnen. In der Schweiz gebe es immer mehr übernutzte Nutztierbestände. Die 38'000 Tonnen eingesetzte Antibiotika führe zu Resistenzen bei Menschen, über das Grundwasser in die Nahrungsmittel. Darin zeichne sich die grösste Bedrohung ab.

Pro Jahr fallen nach Herren 87'000 Tonnen Antibiotika-kontaminierte Milch an. Die Milliarden Investitionen des Bundes hätten die Umweltziele verfehlt. Mit der Initiative stehe die Forderung, Subventionen nur noch an Betriebe auszurichten, welche ohne Antibiotika nachhaltig Landwirtschaft betreiben.

Dem "Hahnenburger" verpflichtet
Dass naturnahe Landwirtschaft funktionieren kann, bewies Franziska Herren an mehreren Beispielen. Die Initiative wolle nur, dass die geltenden Gesetze eingehalten werden. Die Kritik der höheren Auslandsabhängigkeit greife nicht, weil dies schon heute der Fall sei.

Die neue Landwirtschaft heisse, Tiere dort zu halten, wo die Nahrung wächst. Es gehe darum, weg von industrieller, hin zur naturnahen Landwirtschaft. Aktuell verhinderten Wirtschaftsinteressen die Entwicklung. Ehrlich ausgedrückt heisst das nach Franziska Herren, die Wasserverschmutzung nicht länger mittels Subventionen zu bezahlen.

Die anschliessende Diskussion seitens anwesender Landwirte sorgte für Kritik, jetzt die Landwirtschaft als Sündenbock hinzustellen. Es gebe noch weit grössere Umweltprobleme, welche ebenso der Bekämpfung bedürften.