Stadtarchivar Werner Warth konnte für seine 26. Wechselausstellung, die bis Frühsommer 2020 bei freiem Eintritt jeden Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr zugänglich ist, unter anderem auf seine rund 3500 Exponate umfassende Sammlung von Wiler Briefköpfen zurückgreifen. „Wegen der auf  alten Firmendokumenten abgebildeten Gebäude haben diese Briefköpfe auch einen historischen Wert“, sagte Warth an der Vernissage.

Zum Fundus des Stadtarchivars zählen auch über 130 Plakate aus Kultur und Politik der Stadt Wil. Diese Sammlung möchte er mit Hilfe der Bevölkerung gerne ausbauen. Beim Betrachten der ausgestellten Plakate tauchen Erinnerungen an umstrittene Wiler Projekte wie die Volksabstimmungen über den Stadtsaal (1987, 1990, 1991 und 1992) und die Grünaustrasse (2003), aber auch an die Einführung der Fussgängerzone in der Oberen Bahnhofstrasse im Jahr 2000 auf.

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Rund 3500 Exponate mit Wiler Briefköpfen umfasst die Sammlung des Stadtarchivars.

Pionier Hans Hürlimann

An interessantem Material für die Wechselausstellung fehlte es Warth nicht, war Wil doch schon immer Standort von spannenden Unternehmen wie beispielsweise die einst fünf Brauereien. Das letzte Bier in der Hofbrauerei wurde am 19. April 1982 gebraut. Ein Pionier für den Film als Werbemedium war der Wiler Unternehmer Hans Hürlimann, der als begeisterter Amateurfilmer für seine Traktoren in Eigenregie mit bewegten Bildern die Werbetrommel rührte. Mit Hürlimann-Filmen ist denn auch einen Blick zurück in die Geschichte dieses einstigen Vorzeigeunternehmens zu werfen. Am Bildschirm können virtuell überdies Werbeprospekte von Wiler Unternehmen durchgeblättert werden.

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Eines der Plakate aus dem politischen Alltag der Stadt Wil 

Die Geschichte der Werbung, wie wir sie heute kennen, begann 1650 mit der ersten in Leipzig erschienenen Tageszeitung. Der eigentliche Aufschwung der Werbebotschaften setzte in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Mit dem Aufkommen der Kinos um 1900 begann auch die Zeit der Werbespots. In den 1920er- und 1930er-Jahren erlebte die Werbung einen Professionalisierungsschub. Nach dem zweiten Weltkrieg mit den Mangeljahren begann die Werbung zu boomen, wobei die Zielgruppe Nummer 1 für Markenartikel und Waschmittel vorerst die Frauen waren. Ab den 1950er-Jahren sorgte das Fernsehen für neue Möglichkeiten. 1956 strahlte der Bayrische Rundfunk erstmals einen Werbespot aus. Es dauerte weitere neun Jahre, bis auch im Schweizer Fernsehen Werbung zugelassen war.

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Einst gab es in Wil fünf Brauereien.

Ein brüchig gewordenes Geschäftsmodell

Von den Werbeausgaben profitierten vorerst primär die Zeitungen und Zeitschriften. Der Verkauf des Lesers als Konsument an Werbetreibende war das Erfolgsrezept der Presse im 20. Jahrhundert. Mit dem Einzug des Internets ist dieses einst erfolgreiche Geschäftsmodell brüchig geworden. Am Internet kommt heute kein Unternehmen mehr vorbei. „Web oder stirb“ lautet deshalb der an die neuen Gegebenheiten angepasste Leitspruch.

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So warb der "Schwanen" einst.