Das Haus Marienfried war lange Jahre ein wichtiger Stützpunkt des Seniorenzentrums Uzwil. Im September entschied sich der Zweckverband, den Standort aus betrieblichen Gründen zu schliessen. Das tat weh. Inzwischen ist im Haus Ruhe eingekehrt, es ist leer. Gibt das neue Chancen?

Herausforderung Schule

Uzwil steht – wie andere Gemeinden – vor grossen Herausforderungen in der Schulraumsituation. Die Schülerzahlen steigen. Sie übersteigen sogar das höchste Szenario, welches externe Fachleute für Uzwil vor wenigen Jahren errechnet hatten, um 100 (!) Schülerinnen und Schüler. Das entspricht fast fünf Schulklassen. Erfreulich, auf der einen Seite. Kinder sind Leben, Kinder sind Zukunft, sind Ausdruck des Generationenwechsels in mehreren Quartieren. Die andere Seite der Medaille: Schon heute ist der Schulraum in Uzwil deutlich zu knapp. Das Provisorium im Neuhof wird schon seit längerem betrieben, weitere Container im Herrenhof sind dazugekommen. An der Sonnenhügelstrasse muss Schulraum angemietet und in Pavillons eingebaut werden. Mit diesen Übergangslösungen können die dringendsten Bedürfnisse einigermassen abgedeckt werden. Eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Marienfried als Schulhaus?

Ein leeres Haus Marienfried – ein hoher Raumbedarf der Schulen. Passt das zusammen? Auf der Ebene der Institutionen passt das zusammen. Gemeinde und Zweckverband sehen den Weg, dass die Gemeinde das Objekt erwirbt, wenn es für die Zwecke der Gemeinde geeignet ist. Ist das Haus Marienfried als Schulhaus nutzbar? Die vertiefte Abklärung dieser Frage läuft seit einiger Zeit, sie biegt auf die Zielgerade ein. Die Architekten werden demnächst ihre fertigen Ergebnisse und die Umbaukosten der Gemeinde präsentieren. Vorab ist aus ihrer Arbeit klar: Das Haus Marienfried ist für die Schulnutzung geeignet, es kann auch ein Schulhaus sein. Das lässt sich technisch und statisch gut umsetzen. Das Haus bietet Platz für acht Schulzimmer mit Gruppenräumen. Es bietet Raum für eine Aula und für einen Mittagstisch. Das Dachgeschoss könnte als Atelier von der Uzwiler Schule genutzt werden. 

Was der Standort nicht kann: Die Turnmöglichkeiten fehlen, auch Werken oder textiles Gestalten müssen in anderen Schulhäusern abgedeckt werden. Dabei hilft, dass der Standort Marienfried an die Schulanlage Kirchstrasse angrenzt. Und überhaupt ist der Standort Marienfried für die Schullandschaft Uzwil ideal. Das Einzugsgebiet erstreckt sich von der Breiti bis zum Neuhof und überlappt mit den bestehenden Schulstandorten. Das gibt Flexibilität in der Klasseneinteilung. Und die Umnutzung hat den Vorteil, dass sie deutlich schneller realisiert werden kann. Ein Schulhaus auf der grünen Wiese hat üblicherweise einen zeitlichen Vorlauf von acht bis zehn Jahren. Diese Zeit hat Uzwil nicht. Es wären weitere Container nötig, wie es im aktuellen Mitteilungsblatt heisst.

Ab 2026 Schulhaus Marienfried möglich

Der Fahrplan sieht vor, dass die Gemeinde demnächst die Ergebnisse der Architekten erhält. Ein Vorprojekt zeigt auf, wie genau das Haus umgenutzt wird, welche baulichen Anpassungen erforderlich sind. Und auch die Zahlen werden dann auf dem Tisch liegen. Aufgrund der erwarteten Dimensionen dürfte eine Volksabstimmung für Erwerb und Umbau des Hauses Marienfried erforderlich sein, sie könnte im Sommer 2023 erfolgen. Ab Sommer 2024 dann könnte umgebaut werden. Im August 2026 könnten die Kinder das Schulhaus in Beschlag nehmen. Der Fahrplan ist sportlich.

Warum steigen die Schülerzahlen?

Die externe Prognose, wie sich die Schülerzahlen entwickeln, lag daneben. Grund ist nicht die hohe Bautätigkeit in der Gemeinde. Sie war in den Prognosen so berücksichtigt. Und im Rahmen der Bautätigkeit entstehen – wie vorausgesehen – deutlich mehr Klein- als Familienwohnungen. Unterschätzt haben die Fachleute offensichtlich den Generationenwechsel in den Quartieren. Senioren verlassen ihre Einfamilienhäuser, Familien mit Kindern nahmen und nehmen den Platz ein. Nicht nur die Schülerzahlen steigen. Auch die erforderliche Schulhausfläche pro Schülerin und Schüler stieg in den letzten Jahren aufgrund der pädagogischen Konzepte deutlich an. Stichworte sind differenzierter Unterricht und Gruppenarbeiten. Und schliesslich sorgen die von den Eltern geschätzten Blockzeiten dafür, dass eine hohe gleichzeitige Belegung der Anlagen stattfinden muss, das erhöht den Raumbedarf.

Herrenhof?

Ist mit dem möglichen Schulraum im Haus Marienfried die Schulraumerweiterung Herrenhof vom Tisch? Überhaupt nicht. Natürlich: Wird aus dem Haus Marienfried ein Schulhaus, hat das Auswirkungen auf die Detailplanung des Herrenhofs, die nächstes Jahr startet. Eine normgerechte Turnhalle und Raum für die Schule brauchts. Klar ist auch: Die Gemeinde kann und will nicht ganze Generationen von Schulkindern in Containern beschulen. Die Lösung Marienfried ermöglicht, verschiedene Provisorien aufzuheben und die Klassen in ein «richtiges» Schulhaus zu zügeln. Und schliesslich: Im Rahmen der Schulraumerweiterung Herrenhof wird in die Struktur der Schulanlage eingegriffen. Ein Teil der Anlage muss geräumt werden, um zu bauen. Für fünf Klassen muss während er Bauzeit im Herrenhof zusätzlich irgendwo Raum gefunden werden. Diesen Raum gibt es nicht, er müsste wiederum mit Containern gelöst werden. Das Haus Marienfried kann diese Funktion übernehmen. 

Ein Ende der steigenden Schülerzahlen ist nicht in Sicht. Beispielsweise startet 2026 ein sehr grosser Jahrgang mit über 190 Kindern im Kindergarten, üblich sind derzeit rund 150 Kinder. Das erfordert dann zusätzliche Kindergartenklassen, zeitverschoben auch zusätzlichen Schulraum. Der Trend zeigt weiter nach oben, es braucht zusätzlichen Schulraum und Spielraum für die Zukunft. Entsprechend wird es nebst dem Marienfried auch die Schulraumerweiterung im Herrenhof brauchen. Der Schulraum: Eine Herausforderung. Mehr Kinder: Eine Freude!