Laut Schulleiter Freddy Noser sah man bei der Ausstellung der Abschlussarbeiten, welche alle Schulabgänger abzuliefern hatten, viele hervorragende Arbeiten. So hatte die Jury keine leichte Aufgabe, fünfzehn Objekte für eine Auszeichnung zu nominieren. Wir stellen einige von ihnen näher vor. Der Bauernsohn David Christen aus Entetschwil nahe an der Thurgauer Grenze wählte für seine Abschlussarbeit eine originelle Sitzgruppe aus Mostfässern. Damit berücksichtigte er sowohl seine bäuerliche Herkunft wie auch seinen künftigen Beruf als Zimmermann. Im Berufsbild des Zimmermanns ist zwar ein solches Werk für die Freizeitgestaltung nicht vorgesehen. Der Zimmermann ist ein Fachmann für Holzbauwerke aller Art. Er richtet Dachstühle auf, baut Holzhäuser, Scheunen und Sporthallen, fertigt Brücken und Fassaden. Im vielseitigen Beruf sind auch noch weitere Spezialarbeiten auszuführen.

Post inside
David Christen wuchs auf dem Sonnenhof in Entetschwil auf.Den elterlichen Bauernhof wird einmal der ältere Bruder übernehmen.

Sitzgruppe aus Mostfässern

David Christen (2001) entschied sich schon früh für eine Zimmermannslehre. „Mein älterer Bruder ist Landwirt und wird einmal den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb übernehmen. So wählte ich einen anderen Beruf, für den ich mich schon von klein auf interessierte. Bei Ringeisen Holzbau in Lenggenwil kann ich meine vierjährige Lehre absolvieren“, begründete David Christen seine Berufswahl. Auf die Idee mit der Sitzgruppe stiess er, weil sein Vater im Keller nicht mehr benötigte Mostfässer lagerte. Im Internet fand er ein ähnliches Objekt. Mit einem etwa 60-stündigen Arbeitsaufwand setzte er im Hof das Projekt um. Mit der Stichsäge schnitt er die gewünschten Formen heraus, schliff die Fässer und bestrich sie mit einer Schutzlasur. Für die Sitzfläche und die Rückenlehne verwendete er die heraus gesägten Bretter. Mit der gelungenen Abschlussarbeit erzielte er den zweiten Rang.

Ein Grill aus Mondholz

In wenigen Wochen beginnt für Michel Fürer, Zuckenriet die dreijährige Lehre als Forstwart beim Forstbetrieb der Ortsgemeinde Wil. Als Abschlussarbeit am Ende der 3. Sekundarklasse wählte er ein aussergewöhnliches Objekt, das mit seinem zukünftigen Beruf zusammenhängt. Er entschloss sich, einen Spiessli-Grill aus einem Holzstamm zu kreieren. „Dass ein Grill aus Holz funktionieren soll, mutet paradox an. Ich hörte jedoch von Fachleuten, dass es möglich ist, wenn dafür Mondholz verwendet wird“, sagte der zukünftige Forstwart-Lehrling. Bedingung sei allerdings, dass es unter Berücksichtigung des forstwirtschaftlichen Mondkalenders gefällt werde. Diesem Holz werde besondere Qualitäten hinsichtlich seiner Stabilität, Haltbarkeit, Feuerbeständigkeit, Härte u. a. nachgesagt, weiss er.

Mystisches Mondholz

So wagte sich Michel an das Experiment und ermittelte den 1. März als den Tag, an dem Mondholz geerntet werden könne. Sein künftiger Chef suchte einen geeigneten Stamm aus, der infolge seines Wildwuchses nicht für die Verarbeitung in der Sägerei gebraucht werden kann. Er unterstützte ihn beim Fällen der Tanne und stellte ihm den abgelängten, rund 2 Meter langen Stamm für sein Vorhaben zur Verfügung. Es galt den Stamm zu schälen, mit der Motorsäge auszuhöhlen und mit dem Stechbeitel sauber auszuschaffen. Auch die beidseitigen Füsse aus Rundholz mussten erstellt und zusammen geschraubt werden. Für diese Arbeitsgänge musste Michel einen Helm aufsetzen und die vorgeschriebenen Schnittschutzhose anziehen. Dann erfolgte ein Test mit dem Mondholz, der positiv ausfiel. Um die Holzkohle vor dem direkten Kontakt mit dem Holz fernzuhalten, fertigte der mechanische Betrieb seines Onkels eine Wanne aus rostfreiem Stahl an. Die Fertigung der Spiessli konnte er selbständig in Angriff nehmen. Er längte die rostfreien Rundstäbe ab, spitzte sie zu und bog sie auf gleiche Längen. Aus verschiedenen Holzarten schnitt er Scheiben zu, bohrte sie für die Montage auf die Spiessli und beschriftete sie mit den Namen der Hölzer.

Baumarten beschrieben

In seinem Schlusswort führt Michel Fürer die drei Hauptthemen seiner schriftlichen Arbeit an. Ein Forstwart müsse die verschiedenen Baumarten kennen. Deshalb habe er sich intensiv mit dem Studium der gängigen Gattungen befasst, die er für seine Aufgabe verwendete. Aus der Fachliteratur und aus dem Internet stellte er eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Merkmale der elf Holzarten zusammen, die alle in unseren Wäldern zu finden sind. In einem weiteren Artikel befasste er sich mit dem Thema Mondholz. Schlussendlich habe er auch den Umgang mit Werkzeugen und Geräten wie Motorsäge, Stechbeitel, Kerbschnitzbeitel und Schäleisen gelernt. „Dies ist als Vorbereitung auf meinen Berufsweg eine wichtige Erfahrung. Die Arbeit hat mir grossen Spass gemacht und ist mir sehr gut gelungen. Ich bin allen dankbar, welche mir bei der Realisierung des Projekts in irgendeiner Form behilflich waren“, zieht Michel Fürer ein positives Fazit.