Kleinod. Idyll. Lebensquelle. Oder gar «kleines Paradies». Es ist viele Ausdrücke, wie man den Innenbereich des Dominikanerinnenklosters St. Katharina beschreiben könnte. Nur die unweit gelegene St. Galler-Strasse mit ihrem monotonen Rauschen stört. Wohl fühlt sich aber scheinbar ein Entenpaar, das den Winter jeweils im Ententeich des Wiler Stadtweiers verbringt und im Frühjahr St. Katharina ansteuert, um im dortigen Weiher die Sommermonate zu verbringen. Auf dieses Jahr hin wurde mitten im Teich eine kleine Holzhütte errichtet – mit der Hoffnung, dass diese fürs Brüten genutzt wird.

Auch ein Bienenhaus gehört zum kleinen Park. Dies ist ganz nach dem Geschmack von Katharina Reichmuth. Die Kirchbergerin hat einst als Volontärin im Kloster zu arbeiten begonnen, den Klostergarten konzipiert und diesen heute unter ihrer Obhut. Etwa dreimal pro Woche ist sie zugegen, um ihn in Schuss zu halten. Auch Tiere seinen wichtig, Stichwort Biodiversität. Selbst Ameisen? «Wenn man viele Ameisen im Garten hat, muss man sie ein paar Jahre machen lassen. Sie suchen sich mit der Zeit schon ihren Platz», ist die Kloster-Gärtnerin sicher. Aber auch sonst seien Tiere ein fester Bestandteil der Biodiversität, zum Beispiel Raupen.

Das Wiesenlabkraut fürs Käsen

Zentral sind im klösterlichen Garten aber die Pflanzen. Rund 120 verschiedene Arten sind in den Jahren 2016 und 2017 angepflanzt worden. Mittlerweile gedeihen schon über 200 verschiedene Pflanzen. Die Natur sucht sich ihren eigenen Weg. Die ist ganz im Sinne der Vielfalt. Fertig ist das Werk aber noch lange nicht. «Die Natur nimmt sich Zeit und braucht etwa zehn Jahre, bis der Garten stimmig sein wird. Wenn es soweit ist, wollen wir hier keine Erde mehr sehen. Einzig die Wege sollen frei bleiben», sagt Katharina Reichmuth.

Pflanzen gibt es also viele. Das Wiesenlabkraut sei exemplarisch erwähnt. Es gehört zur Familie der Rötegewächse – und laut Katharina Reichmuth auf den Teller. Oder in den Käse. Denn die Pflanze enthält das Enzym «Lab», das auch bei der Käseproduktion verwendet wird. «In England gibt es einen Labkraut-Cheddar», sagt Reichmuth. Die jungen Triebspitzen und Blüten können für Salate, Getränke und Süssspeisen verwendet werden.

Welches die drei Lieblingspflanzen von Katharina Reichmuth sind, sehen Sie hier im Video:

 
Katharina Reichmuth erzählt, wie der Wermut-Wein im Kloster St. Katharina hergestellt wird. (Video: Simon Dudle)

Klösterliche Bierseife entsteht

Die Schwestern sind froh, dass sich Katharina Reichmuth mit viel Liebe und Hingabe um den Garten kümmert. Noch acht Schwestern leben im Kloster und sind grossmehrheitlich aus Altersgründen nicht mehr im Erwerbsleben tätig. Die Kräfte lassen nach. Darum durfte Reichmuth auch das Klosteratelier renovieren. In diesem verbringt sie ebenfalls viel Zeit und tüftelt an neuen Produkten. Aktuell ist eine Bier-Seife in Vorbereitung.

Was das Kloster innerhalb seiner Mauern sonst noch zu bieten hat, sehen Sie hier in der hallowil.ch-Bildstrecke:

Wer auch einmal einen Blick in den Klostergarten werfen will: Das Gelände ist nicht öffentlich und darf nicht einfach so betreten werden. Katharina Reichmuth bietet immer wieder Führungen an.