Gemäss jetzigen Erkenntnissen kam es bereits am Nachmittag zu einer verbalen Provokation von drei oder vier Personen am Bahnhof. Drei Männer verliessen dann das Areal, kehrten aber am Abend zurück. Dann kam es erneut zum Aufeinandertreffen der Streitenden. Dies eskalierte darin, dass sich die mindestens acht Männer gegenseitig provozierten und Schläge austeilten. Dabei wurde ein Mann laut Polizeiangaben unbestimmt verletzt und musste ins Spital eingeliefert werden. Einige Beteiligte standen unter Alkoholeinfluss. Am gleichen Abend wurden fünf Männer (ein 17-jähriger Mazedonier, zwei 17-jährige Syrer, ein 19-jähriger und ein 21-jähriger Schweizer) festgenommen. Sie befinden sich in Haft.

Bei allen Beteiligten wurde eine Blut- und Urinprobe angeordnet. Ein 17-jähriger Schweizer entzog sich der Kontrolle. Er war im schweizerischen Fahndungsregister als abgängig aus einer Institution ausgeschrieben. Er stellte sich am Mittwochabend bei der Polizei und wurde festgenommen. Somit kann der genaue Tatablauf geklärt werden. Welche Rolle die einzelnen Männer an der tätlichen Auseinandersetzung spielten, wird ebenfalls ermittelt. Die Verfahren werden von der Staatsanwaltschaft und der Jugendanwaltschaft des Kantons St. Gallen geführt. 

Letzten Sommer wurde der Bahnhofs-"Avec" überfallen

Mit diesem Zwischenfall von Dienstagabend entflammt die Diskussion um die Sicherheit am Wiler Bahnhof erneut. Schon seit Jahren fühlen sich viel Leute unsicher, da Personen im Bereich des "Avec-Kiosk herumlungern. Es wurde von offizieller Seite immer wieder betont, dass das subjektive Sicherheitsempfinden tiefer sei als die effektive Gefahr. Will heissen: Man fühlt sich auf dem Bahnhofsplatz gefährdet, es passiert aber wenig.

Allerdings hat sich seit vergangenem Sommer schon dies ereignet am Wiler Bahnhof: Im August 2018 hat ein Mann am frühen Morgen den Avec überfallen. Erst vor wenigen Tagen wurde er vom Kreisgericht Wil unter anderem wegen dieser Tat zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt. Zudem muss er das Land für sechs Jahre verlassen. In Zusammenhang mit den Personen am Bahnhof könnte auch der Zwischenfall an der Bushaltestelle Weidle im April dieses Jahres stehen. Über Mittag wurden zwei Frauen tätlich angegriffen. Hinterher hatte das Gerücht die Runde gemacht, es handle sich beim Täter um einen Mann, der oft am Bahnhof herumhange.

Paten sollen helfen

Um die Sicherheit zu erhöhen, will die SBB nun Bahnhofpaten einsetzen. Dabe handelt es sich um Personen, die patrouillieren und mit ihrer Präsenz das Sicherheitsgefühl steigern sollen. Derzeit werden auch mittels Plakaten Freiwillige gesucht, die sich als Bahnhofspaten engagieren möchten. Der Vorfall von Dienstagabend dürfte nicht eben förderlich sein für das Rekrutierungsverfahren. (kapo/sdu)