Vereinsaktivitäten sind zurzeit grundsätzlich verboten, es sei denn, die Mitglieder sind weniger als 16 Jahre alt. Die einen Vereine trifft es weniger hart, weil man halt einfach pausiert, um später die Aktivitäten wie gewohnt wieder aufnehmen zu können. Für Vereine, die grosse Spektakel auf die Bühnen bringen, ist so ein Zwangsunterbruch und die Unsicherheit, wann Veranstaltungen mit mehr als 20, 50 oder 100 Zuschauern wieder möglich sind, mit viel organisatorischem Geschick verbunden. Das schafft man nur mit Zuversicht, dass es irgendwann wieder so weiter geht, wie man sich das vorstellt. 

Ein Wiler Verein, der sich genau diesen Herausforderungen stellt und stellen muss ist MUSIKTHEATERWIL. Präsident Eugen Weibel sagt: „Zurzeit wären wir mitten in unserer Theaterinszenierung «Zar und Zimmermann». Geplant waren 25 Aufführungen in der Zeit zwischen dem  9. Januar und 20. März in der Tonhalle Wil.“ Bereits letzten Juni habe die Theaterleitung einen Antrag bei der Grossen Kommission eingereicht. Sie verlangte die Verschiebung von «Zar und Zimmermann» um zwei Jahre. Der Antrag wurde gutgeheissen. 

Weitsichtiger Entscheid

Das war wohl ein weiser und weitsichtiger Entschluss: Denn letzten Sommer sah die Coronasituation ja gar nicht so schlecht aus. Leicht hätte man sich da auch aufs Glatteis wagen und an einer Durchführung festhalten können. Nun ist man beim MUSIKTHEATERWIL froh, dass man die Übung frühzeitig abgebrochen und die Aufführungstermine verschoben hat. Geschmerzt hat der Entscheid trotzdem. Weibel sagt: „Zirka 200 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne mussten mit diesem Entscheid auf die lange ersehnte Theatersaison und auf die Ausübung Ihres Hobbys oder ihrem Beruf verzichten.“

Die Theaterleitung beschäftige sich zwar bereits mit den dringendsten notwendigen organisatorischen Arbeiten für die Inszenierung im Jahr 2023, meint Weibel, doch davon abgesehen, sei das Vereinsleben „nahezu beim Nullpunkt“ angelangt. 

Kein finanzieller Schaden

Und was sagt Weibel zu den finanziellen Einbussen? "Vor der definitiven Entscheidung der Verschiebung haben wir uns mit unseren Hauptsponsoren und den verpflichteten Künstlerischen Leitung und den verpflichteten Solisten über den aktuellen Stand der Situation unterhalten und die Alternativen besprochen. Alle sicherten uns schon damals zu, dass sie auch bei einer Verschiebung auf 2023 bei uns dabei sind und uns unterstützen werden. Nach dem definitiven Entscheid der Verschiebung konnten alle Verträge auf die Spielsaison 2023 umgeschrieben werden.“ Dem Verein sei so kein finanzieller Schaden entstanden, fügt Weibel erleichtert an. 

Benefizkonzert im November

Doch weil die professionellen Kulturschaffenden durch die Verschiebung um zwei Jahre natürlich schon einen finanziellen Schaden erlitten haben, plant der Verein am 19. und 20. November 2021 ein Benefizkonzert mit den betroffenen Solisten in der Tonhalle Wil durchzuführen. "Mit den Benefizkonzerten wollen wir ihnen die Möglichkeit eines Auftritts ermöglichen und sie damit finanziell unterstützen. Hoffen wir, dass sich die Situation bis dann verbessert und die Konzerte möglich sind.“

Gefragt, was ihm am fehlenden Vereinsleben besonders fehlt, wird Weibel nachdenklich: "Ein ganz spezielles Thema ist während der Pandemie das Abschied nehmen von Mitgliedern, die während der Pandemie verstorben sind." Auf Grund der Einschränkungen der Personenzahl an den Abdankungen, könne man nicht mehr wie gewohnt Freunde, mit denen man jahrelang zusammen das gemeinsame Hobby gepflegt habe,  auf dem letzten Weg begleiten. "Das fehlt sehr, und wir wünschen uns, dass dies bald wieder möglich sein wird."