«Zum Wohl!», «14.40, bitte.» Durch das Telefon klingt es in der «Trinkstube zum Hartz» schon wieder ganz nach Normalität. Seit einer Woche dürfen Restaurants und Bars in der Schweiz unter strengen Auflagen wieder öffnen. Wirt Jürg Sennhauser zieht eine gemischte Bilanz. Die Leute seien zwar gekommen, er merke jedoch, dass die Vereine noch nicht zum Normalbetrieb zurückkehren dürfen. Weil Versammlungen von mehr als fünf Personen noch immer nicht erlaubt sind, können fast keine Vereine ihren normalen Aktivitäten wie Training oder Gesangsprobe nachgehen.

Auch Marc Gähwiler, Wirt im «Tiger», spürt die fehlenden Vereine, sagt aber: «Die erste Woche war nicht schlecht.» Aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu öffnen, wie das manche Lokale tun, darunter etwa die «Eintracht» in Kirchberg, sei für ihn nicht in Frage gekommen. Er sagt: «Ich bin einfach froh, dass ich wieder arbeiten kann.» Gähwiler ist auch der Meinung, dass die Umsetzung des Schutzkonzepts des Bundesrats «machbar» ist. Ob es rentiere, werde sich erst noch zeigen müssen, so der Wirt. Unter Einhaltung des Abstands zwischen den Tischen und maximal vier Gästen pro Tisch dürfen sich im «Tiger» 20 Leute aufhalten, weitere 26 im Garten. Er habe gespürt, dass sich die Leute gefreut haben, wieder in die Beiz gehen zu können, sagt Gähwiler – wenn auch nur zu viert an einem Tisch.

Grösse des Aussenbereichs variiert

Auf der anderen Seite des Viehmarktplatzes befindet sich das «Linde Pub», Wirtin ist Tanja Graf. «Es hat mich unheimlich gefreut, dass die Leute wieder gekommen sind, vor allem die Stammgäste, auch unter der Woche», sagt sie. Die Gäste würden sich gut an die Regeln halten, auch wenn sie nach 22 Uhr den einen oder anderen habe daran erinnern müssen, dass er an seinem Tischen sitzen bleiben muss. Auch «Hartz»-Wirt Sennhauser hat diese Erfahrung gemacht. Dass sich die Leute unterhalten wollen, auch mit Gästen, die nicht an ihrem Tisch sitzen, sei aber nur natürlich, denn: «Viele haben sich lange nicht gesehen.»Dann müsse er eben manchmal «Polizist spielen».

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Anders als auf diesem Bild aus der Zeit des kompletten Lockdowns standen die Gäste am vergangenen Wochenende teilweise Schlange, um einen Tisch in der «Linde» zu ergattern. (Archivbild: Pablo Rohner)

Die Lage des «Hartz» an der Marktgasse erweist sich derzeit als Glücksfall. Weil Sennhauser im Einvernehmen mit der Stadt etwas weiter auf das Kopfsteinpflaster hinaus stuhlen darf, könne er draussen 56 Gästen einen Platz anbieten. Zum Vergleich: Im Aussenbereich der «Linde» können nur zwölf Gäste auflagengerecht platziert werden. Mit den 33 Plätzen drinnen könne sie wahrscheinlich eine ungefähr ausgeglichene Rechnung machen, sagt Wirtin Graf. «Aber wenn es heiss wird, wird es schwierig.»

Vor allem am Wochenende habe sie auch schon Leute vertrösten müssen, weil alle Stühle besetzt waren. Für die Wirtin ein ungewohntes Gefühl: «Es ist schon komisch, wenn du Leuten vor der Tür sagen musst, die Linde ist voll, dabei ist die Beiz halb leer.» Nach einer Woche des nicht ganz so normalen Betriebs wagt «Hartz»-Wirt Sennhauser einen optimistischen Blick in die Zukunft. Wie jedes Jahr werde die «Trinkstube» den ganzen Sommer offen sein. Weil Grossanlässe und Ferien ausfallen, würden die Leute vielleicht mehr in die Beizen gehen: «Für uns ist das eine Chance, sich zu zeigen.»