Wil ist eine Stadt, die viele Geschichten erzählt. Das war schon immer so – und wird auch immer so sein. Je mehr es sind, desto lebendiger ist und bleibt die Stadt. Es gilt, diese Geschichten und somit die Geschichte in einem Werk zu sammeln. Das fand auch das Wiler Stadtparlament und sprach vor rund vier Jahren einen Betrag von 180'000 Franken, um die Ereignisse der letzten 200 Jahre aufzuarbeiten und in einer Chronik zusammenzutragen. Ebenfalls 180'000 Franken steuerte die Ortsbürgergemeinde bei. An den Kosten beteiligten sich auch der Kanton und der Lotteriefonds. Doch warum genau die Zeitspanne ab 1900? Für die Zeit davor gibt es schon Werke. Zwar finden sich die Geschehnisse des 19. und 20. Jahrhunderts unter anderem im gut gefüllten und gepflegten Archiv von Stadtarchivar Werner Warth. Aber die Geschichten sollten in dieser Chronik aufgearbeitet und zeitgemäss erzählt werden. Auftrag war explizit nicht, ein Geschichtsbuch mit lauter Jahreszahlen zu erstellen. Vielmehr sollten kurzweilige Geschichten erzählt werden, welche die Einzigartigkeit der Äbtestadt aufzeigen und untermauern.

Entstanden ist ein über 250 Seiten starkes Buch mit der Geschichte von 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Bahnhofsbau, Verkehrsentwicklung und der Niedergang der Stickerei-Industrie sind nur drei von vielen Themen, die beleuchtet werden. Ein Drittel des Umfangs machen Bilder aus. Keines davon ist auf dem Buchdeckel zu finden. Die beiden Autoren Oliver Schneider und Verena Rothenbühler, beide nicht aus Wil, hatten die nicht eben einfache Aufgabe, aus dem vielen Material im Stadt- und dem Staatsarchiv die richtigen Informationen herauszuziehen – und auch Quellen zu anderen Themen zu erschliessen. «Jagen und Sammeln» nannten sie ihre Tätigkeit an der Vernissage rückblickend. Oder auch «Dem Stadtkörper auf die Schliche kommen». Ein Kern- und ein Begleitteam standen den beiden Autoren zur Seite.

Video-Lesung aus der Chronik: Prügeleien im alten Wil

 

Die Herausforderungen der Moderne

Das Buch läuft auch unter den Schlagworten «Die Stadt auf dem Land» und «Das Zentrum an der Peripherie». Dies in Anlehnung in die geografische Lage der Äbtestadt – am westlichen Rand des Kantons und doch als eigenständiges Zentrum. Einen eigentlichen Titel hat das Buch allerdings nicht. Das Ziel der Autoren war, die Geschichten in den grossen Kontext zu stellen. In fünf Kapiteln schildert die Chronik, wie sich Wil den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Moderne stellt.

Der Vernissage, die am Donnerstagabend im Gewölbekeller des Hof zu Wil aufgrund der Corona-Situation nur erlesenen Personen zugänglich war, wohnte auch die ehemalige Stadtpräsidentin Susanne Hartmann bei, die während ihrer Tätigkeit in Wil die Erstellung dieses Buches gefördert hat. Moderiert wurde der Hauptteil von Kathrin Dörig, bis vor Kurzem Kulturverantwortliche der Stadt. Der eigentliche Anstoss für das Buch war aber von der Ortsbürgergemeinde gekommen, wie deren Präsident Norbert Hodel ausführte. Eben diese Dualität zwischen Ortsbürger- und Politischer Gemeinde wird auch im Buch beleuchtet.

Ab sofort kann das Buch für 38 Franken gekauft werden. So zum Beispiel in der Wiler Buchhandlung «Ad Hoc» an der Oberen Bahnhofstrasse oder im Infocenter der Stadt Wil in der Altstadt. Auch im Internet kann die Chronik bestellt werden.