An der 100. Generalversammlung des Hauseigentümerverbandes (HEV) Wil und Umgebung genehmigten die teilnehmenden Mitglieder sämtliche Rechenschaftsberichte einstimmig. Als Gastreferent berichtete Martin Berti von TB Wil über „Energie in Wil - Rückblick und Ausblick“.Mit lüpfigen Klängen stimmte im Stadtsaal Wil die „Appezeller Frauestriichmusig“ in die 100. Generalversammlung des HEV Wil und Umgebung ein. Die rund 150 anwesenden Mitglieder meist älteren Jahrgangs waren von den volkstümlichen Darbietungen der vier Frauen in ihren traditionellen Appenzeller Trachten begeistert. Die Musikerinnen lockerten in zwei Blöcken die üblichen, nüchternen Traktanden auf. Das geplante Grusswort von Dr. Walter Locher, Präsident HEV St.Gallen entfiel, weil er anderweitig beansprucht wurde. Ein Nachtessen mit Dessert schloss die Versammlung ab.

Aus kantonaler Sicht
Anstelle des verhinderten Kantonalpräsidenten strich Marcel Mosimann, Präsident des HEV Wil einige Schwerpunkte aus kantonaler Sicht heraus. Es sei eine zunehmende Veränderung im Berufs- und Privatleben festzustellen, die hohe Flexibilität und Mobilität verlange. Der Erwerb von Wohneigentum erfolge tendenziell später, es gebe immer mehr ältere Menschen und Einpersonenhaushalte, wobei der Platzanspruch pro Person auf über 45 m2 angestiegen sei. Für den HEV sei eine starke Interessenvertretung im Kantonsrat von Bedeutung. Aktuelle Themen seien die kantonale Planungs- und Bauordnung und eine eigentümerfreundliche Steuer- und Ausgabenpolitik. „Mindestens beim Eigenmietwert sieht es derzeit so gut aus wie noch nie“, schloss der Präsident seine Ausführungen ab.

Erfolgreiches Jubiläumsjahr
Im geschäftlichen Teil bildeten die Rechenschaftsberichte des Präsidenten und der Geschäftsführerin die Schwerpunkte. Marcel Mosimann ergänzte seinen schriftlich abgegebenen Präsidialbericht mit der Feststellung, dass die organisierten Anlässe des vergangenen Jahres mit Ausnahme der ausgefallenen Wanderung sehr gut besucht waren. An der spannenden Besichtigung des neuen Betriebsgebäudes des Sicherheitsverbunds der Region Wil nahmen rund 320 Mitglieder teil. Der Festanlass zum 100 Jahr-Jubiläum stellte den Höhepunkt dar. 360 Personen liessen sich von den musikalischen Darbietungen der Swing Kids und vom Vortrag des Stadtarchivars Werner Warth über die Stadtentwicklung begeistern. Die Gastredner Ständerätin Karin Keller-Sutter, Regierungsrat Marc Mächler und HEV-Kantonalpräsident Walter Locher verliehen der Veranstaltung ein besonderes Gewicht.

Gesunde Finanzen
Die Geschäftsführerin Barbara Nadler berichtete über ein auch in finanzieller Hinsicht erfolgreiches Geschäftsjahr, das mit einem erfreulichen Gewinn abschloss. Sie dankte allen Sponsoren, welche die Anlässe grosszügig unterstützten. Das habe zum guten Ergebnis beigetragen. Auch das Budget 2018 sieht schwarze Zahlen vor. Die Rechnung 2017 und das Budget 2018 wurden einstimmig genehmigt und der Geschäftsstelle und dem Vorstand das Vertrauen ausgesprochen. Der HEV-Mitgliederbestand war Ende 2017 mit 2050 Personen stabil. Als weitere Anlässe des laufenden Jahres finden am 12. September die Vorstellung des Entwicklungsschwerpunkts Wil West mit Regierungsrat Marc Mächler und am 13. November ein Vortrag der Kantonspolizei St.Gallen zum Thema Sicherheit statt. Eine Ersatzwahl für das kurzfristig demissionierende Vorstandsmitglied Peter Heidelberger wird auf die nächste HV verschoben. In der Wiler HEV-Geschäftsstelle unterstützen Lea Gschwend und Milena Storchenegger die Geschäftsführerin Barbara Nadler.

Versorgungssicherheit bei TB Wil
In seinem Kurzreferat beleuchtete Martin Berti, Geschäftsleiter bei den Technischen Betrieben Wil die Entwicklung der Energieversorgung, die den HEV und die TBW seit 100 Jahren verbindet. Marcel Mosimann stellte den 63-jährigen Referenten vor. Der ETH-Maschineningenieur wechselte nach beruflichen Stationen bei bedeutenden Unternehmen der Aluminiumindustrie von grossen Energieverbrauchern als Geschäftsführer von TBW zum Energieversorger. Ende Mai 2018 wird er nach neun Dienstjahren in Wil in die Pension gehen. Der Referent gab einleitend bekannt, dass in den letzten zehn Jahren bei der Wiler Energieversorgung kaum Veränderungen festzustellen seien. Die Versorgungssicherheit sei für Bezüger und Versorger fast zur Selbstverständlichkeit geworden. Dank des Wiler Solarstroms und der Münchwiler Biogaseinspeisung liege der Eigenanteil bei etwa 6 %. Die Wasserversorgung sei gar vollständig unabhängig.

Breite Kundschaft
„Vor 100 Jahren betrieben die Technischen Betriebe Wil auf städtischem Gebiet ein eigenes Elektrizitätswerk und ein Gaswerk. Die Energieversorgung war alles andere als umweltfreundlich, weil beides mit Kohlekraft erzeugt wurde“, erklärte der Referent. Dies habe nach der Stilllegung vor 95 Jahren mit dem kontaminierten Erdreich eine Altlast hinterlassen. Dafür habe eine starke Abhängigkeit von Energievorlieferanten begonnen. Der Wiler Strom habe sich in den folgenden Jahrzehnten wesentlich aus Wasser- und Kernkraft zusammengesetzt. Nach dem Reaktorunfall in Fukushima führte TBW erstmals Ökostromprodukte ein. Ebenso entschied sich die Politik für Biogas. Der Solarstrom stieg bis heute auf 3,5 % und damit deutlich über dem schweizerischen Durchschnitt.

Die Wettbewerbsfähigkeit von TBW komme bei den eindrücklichen Kunden- und Geschäftszahlen zum Ausdruck, sagte Martin Berti. „Im Stromgeschäft beliefern wir 12‘000 Kunden, beim Gasgeschäft 7‘000. Thurcom besitzt gar 40‘000 Kunden. Unsere 70 Mitarbeitenden erzielen einen Umsatz von etwa 70 Mio. Franken. TBW investiert in Durchschnitt jährlich rund 9 Mio. Franken“, gab der Energiefachmann bekannt. Kritisch beurteilte Martin Berti die totale Abhängigkeit von der Wiler Politik. Um zukünftig wirtschaftlich erfolgreich sein zu können, müsse TBW den nötigen Handlungsfreiraum bekommen.