Ein Votum, dass an der Information über einen möglichen Entlastungsstollen vergangene Woche vorgebracht wurde, bedarf einer näheren Betrachtung. Das Dorfzentrum von Zuzwil ist im Bundesinventar für schützenswerte Ortsbilder (SOS) aufgeführt. Die Situation könnte zur Folge haben, dass über die Bachabsenkung gar nicht abgestimmt werden darf. Gemeindepräsident Roland Hardegger sagt dazu: «Gemäss Richtplan machen wir mit dem Gerinneausbau nichts Falsches. Wir liegen innerhalb der Grünzone Freihaltung. Wir müssen sogar dem Gewässer mehr Raum einräumen.»

Bäche, Bedeutung für Landschaftsbild

Dennoch: Die Formulierung im Richtplan spricht eine deutliche Sprache: «Bäche sind von Bedeutung, sowohl für das Landschaftsbild und die Naherholung, wie auch der ökologischen Vernetzung dienlich.» Das Ziel von Gewässermassnahmen gelte der Erhöhung der ökologischen Vielfalt, so auch dem Schutz vor Hochwasser. Dazu wird angeführt: «Die unterschiedlichen Nutzungs- und Schutzinteressen sind angemessen zu berücksichtigen.»

Gegen eine drastische Absenkung des Dorfbaches spricht weiter die getroffene Festlegung im Richtplan: «Bei Bachoffenlegungen (im Fall Zuzwil Sanierung) sind innerhalb des dicht besiedelten Gebiets die ortsbaulichen Belange zu berücksichtigen.» Das gemäss Bundesinventar schützenswerte Dorfzentrum lässt dazu kaum viel Spielraum.

Ortsbildschutz

Die teils angedachte Kanalisierung für den Hochwasserschutz widerspricht den Formulierungen im Richtplan zum Ortsbildschutz. Dort heisst es: «Die ortsbildprägenden historischen Ortsteile sollen als identitätsstiftende Merkmale der Gemeinde geschützt bleiben.» Das dürfte wohl auch für den Dorfbach gelten.

Der Substanzschutz gemäss ISOS (Bundesinventar schützenswerte Ortsbilder) bezeichnet das Mitteldorf Zuzwil bzw. die Bachbebauung am Fusse der Kirchterasse mit Bauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert als schützenswerte Bebauungen, deren ursprüngliche Substanz es zu erhalten gelte.

Amt für Wasserbau muss über die Bücher

Ohne dem Druck aus der Bevölkerung für einen Entlastungsstollen nachgeben zu wollen, müssten der Zuwiler Gemeinderat und auch das Amt für Wasser und Energie des Kantons St.Gallen (AWE) gemäss Richtplanformulierungen über die Bücher. Beim Projekt Entlastungsstollen sind kostensenkende Optimierungen zu prüfen und von einer deutlichen Bachabsenkung ist abzusehen.

Wie das Ad-hoc-Komitee, welches sich für einen Entlastungsstollen einsetzt, vorschlug, könnte mit sanfter Sanierung des Dorfbaches dessen Hochwassermenge erhöht werden, was die Dimensionen beim Entlastungsstollen und dessen Ein- und Auslaufwerke reduzieren könnte.