Die vormittäglich angesetzte 1. Augustfeier in Zuzwil beim Schützenhaus auf dem Looberg startete mit einer Eucharistiefeier, vom Jodlerclub Älpli Niederwil und der Bläsergruppe Lenggenwil begleitet. Die Messfeier leitete der Iddaburger Wallfartspriester Walter Strassmann. Im Wortgottesdienst kam der neue Gemeindeleiter Rolf Tihanyi zum ersten Auftritt in seiner neuen Pfarrei und der Seelsorgeeinheit. Hohe Aufmerksamkeit erreichte der Auftritt der Wiler Ständerätin Karin Keller-Sutter. Zur Frage der EU Beziehungen der Schweiz betonte sie, dass die Schweiz kein Interesse an einer Schwächung der EU habe. Viel Neues prägte das Programm der Zuzwiler Bundesfeier, welche das OK-Team unter Walter Kerschbaumer für die Feier auf dem Looberg vorbereitet hatte. Durchaus Magnetwirkung hatte der angekündigte Auftritt der Wiler Ständerätin Karin Keller-Sutter. Nicht weniger Aufmerksamkeit dürfte der Auftritt des neuen Seelsorgers von Katholisch Zuzwil-Züberwangen erreicht haben. Mit dem erstmaligen Auftritt des neuen Pfarreileiters Rolf Tihanyi konnten sich die zahlreich erschienen Gäste ein Bild machen, was sie im zukünftigen Pfarreileben erwartet. Wallfahrtspfarrer Walter Strassmann stand als Aushilfe im Einsatz in der laufenden Pfarrvakanz.

Gleich drei musikalische Einlagen belebten das Festprogramm. Mit der Bläsergruppe der Freizeitmusik Lenggenwil startete die Messfeier. Der Jodlerclub Älpli bereicherte mit seiner angekündigten Jodlermesse. Zum Mittagslunch mit Grilladen spielte die Freizeitmusik Lenggenwil in grösserer Formation auf, gefolgt vom Trio „Kreuz und quer“, allerdings wegen einer Autopanne nur zu Zweit. Zur Mittagsstunde war die Festrede der Wiler Ständerätin Karin Keller-Sutter angekündigt.

An die Gründung der Eidgenossenschaft erinnert
Sozusagen mit dem Klang der Kirchenglocken „Bim, Bam, Bim, Bam“ läutete der Jodlerclub Älpli den Festgottesdienst ein. In der Präsentation ihrer Jodlermesse kam weiteres Gotteslob zur Vorstellung. Im Wechsel spielte die Bläsergruppe Lenggenwil passende Melodien.

Der Wortgottesdienst war ganz auf den 1. August abgestimmt. An Stelle der Lesung aus der Schrift wurden Rütli-Gedanken verlesen in Erinnerung an das Stauffachergelöbnis. Auch damals wurde der Entscheid für eine eigenständige Zukunft in Gottes Hand gelegt.

Ein Wappen mit dem Symbol des Kreuzes
In seiner ersten Predigt in seiner neuen Pfarrei thematisierte Rolf Tihanyi das Schweizer Wappen, als christliches Symbol. Der Entscheid zu diesem Wappen habe den christlichen Glauben in diesem Land und entsprechende Wertehaltungen und Lebensart betonen wollen.

Nach Tihanyi zeige sich im Kreuz etwas starkes. Was für die einen anstössig wirke, fühlten sich andere darin ermutigt. Jedenfalls habe sich Gott nicht etwa zurück gezogen. Es seien die Menschen, welche Gott aus dem Leben in die Kirche gedrängt hätten. Gott melde sich wiederkehrend zurück, indem er die Pläne der Menschen durchkreuze. Das Kreuz steht nach Tihanyi auch für Versöhnung und Hoffnung, womit er wohl auch die Versöhnung in der Pfarrei mit dem Neubeginn gemeint hatte. Die geforderte Versöhnung unter dem Kreuz soll keine leere Worthülse sein.

Demokratie an Stelle der Grafen und Vögte
In ihrer Festrede erinnerte die Wiler Ständerätin Karin Keller-Sutter an die Gründerzeit der Eidgenossenschaft, welche mit dem Beschluss, keine fremden Richter (Vögte) zu dulden begonnen habe. Bis zur eigentlichen Gründung der Eidgenossenschaft hätten zahlreiche Kriege das Entstehungsbild geprägt, worin auch die Stadt Wil betroffen war. Die Standerätin gab zu verstehen, das wir uns nicht nach der Vergangenheit der Kriege und Hungersnöte erinnern wollten, sondern uns darüber freuen, dass die Demokratie an die Stelle der Grafen, Fürsten und Vögte getreten sei.

Zum Bundesfeiertag müssten wir nicht irgendwelchen fremden Herren huldigen, sondern könnten die Errungenschaften unseres Bundesstaates und damit auch die direkte Demokratie feiern. Der Sinn der heutigen Bundesfeier sei vielschichtiger, in Erinnerung des gemeinsamen Ursprungs, das uns verbinde. Die Referentin wörtlich: „Wir sind dankbar für das, was wir von unseren Vorfahren empfangen durften. Aus diesem Erbe leitet sich aber auch die Verpflichtung ab, unserem Land Sorge zu tragen und es aus dem Geist der Gegenwart weiter zu entwickeln“. Der Ostschweizer Historiker Georg Thürer habe dies treffend ausgerückt, wenn er sagt: „Wir wollen nicht nur Zehrer, sondern auch Mehrer sein.“

Parlamentsentscheide nicht besser als Volksentscheide
Die Ständerätin sieht die Schweiz in besserer Situation mit der gelebten Demokratie, als Länder, wo nur eine Elite die Entscheide fälle. Dies zeige sich vielfach, wenn Verschuldung und Arbeitslosigkeit tiefer sind als im Ausland. Es zeige sich offensichtlich, dass Entscheide von professionellen Parlamenten nicht besser seien als Volksentscheide. Sie verstehe sich als Bürgerin im Amt, mit einer politischen Aufgabe betraut. Das „die da oben“ und „wir da unten“ gebe es in der Schweiz nicht.

Das System in der Schweiz sei so austariert, dass niemand zu viel Macht erhalte. Es gebe immer ein Korrektiv. Das Parlament kontrolliere den Bundesrat und das Volk kontrolliere in letzter Instanz beide. Hinzu kämen die Gerichte, die über die Einhaltung der Rechtsordnung achten. Zu denken gibt der Ständerätin die zunehmende Macht der Verwaltung. Der Wissensvorsprung und die finanziellen Mittel der Bundesverwaltung ermöglichten erheblichen Einfluss. Die Verwaltung neige immer mehr dazu, Politik zu machen. Die Aufgabe des Parlaments bestehe auch in der Bändigung der Verwaltung.

Schweizer sind glücklichere Menschen
Es ist nach Karin Keller nicht erstaunlich, dass die Schweizerinnen und Schweizer zu den weltweit glücklichsten Menschen gehörten, weil sie viele Rechte beanspruchen könnten. In Untersuchungen sei nachgewiesen, dass Menschen in einer direkten Demokratie glücklicher seien als in einer parlamentarischen. Sie könnten mitbestimmen und befassten sich mit politischen Fragen, was politische Erfahrung bewirke. Aus der Verhaltensforschung sei auch bekannt, dass Menschen Regeln besser einhalten, wenn sie bei der Entscheidfindung einbezogen wurden.

Die Ursache in der ebenso festgestellten Unzufriedenheit mit der Politik sieht die Ständerätin unter anderem im Trend, das Verhalten von Minderheiten zu zelebrieren. Natürlich soll jeder Mensch seine Lebensform frei wählen und darüber entscheiden können. Er müsse aber auch die Verantwortung und die Konsequenzen daraus selbst tragen. Der Solidarität gegenüber Minderheiten stehe die erwartete Solidarität derjenigen gegenüber, welche das Rückgrat der Gesellschaft bildeten. Es sei deshalb nicht erstaunlich, wenn aus dem Selbstverantwortungsbürger zunehmend ein Anspruchsbürger werde.

Notwendige Klärung des Verhältnis zu Europa
Weitergehend thematisierte die Ständerätin die notwendige Klärung des Verhältnis der Schweiz zu Europa. Bei allen herrschenden Problemen in der EU dürften die Verdienste nicht ausser acht gelassen werden. Europa habe seit dem zweiten Weltkrieg für einen dauerhaften Frieden gesorgt. Die Schweiz habe kein Interesse an einer Schwächung oder gar an einem Zusammenbruch der EU. Die EU sei nicht nur ein sehr guter Kunde, sondern nach den USA und China auch der drittwichtigste Handelspartner.

Die Schweiz verdiene jeden zweiten Franken im Ausland, mit der EU als wichtigster Handelspartner. Zwei Drittel der Exporte im Kanton St. Gallen gehen nach Keller in die EU. Die Schweiz brauche den Marktzugang. Zudem sei es wichtig, dass es nebst den beiden Grossmächten USA und China mit der EU einen dritten Block gebe und wir nicht allein den beiden Grossmächten ausgeliefert seien. Eine EU, die sich international behaupten könne, sei auch im Interesse der Schweiz.

Im Umbruch wie zu Bruder Klaus Zeiten
Die Ständerätin wies abschliessend auf das Wirken von Bruder Klaus hin. Im 600. Geburtsjahr von Niklaus von Flüe (1417-1487) sollten wir uns nicht nur auf unsere Interessenvertretung besinnen, sondern darauf, dass Streitschlichtungen und Lösungen nur möglich sind, wenn wir auf Ideologien verzichten. Bruder Klaus und uns alle verbinde die Tatsache, dass er in einer Zeit des fundamentalen Umbruchs gewirkt habe. Diesen Umbruch spürten und erlebten auch wir heute – sei es in der Wirtschaft (Stichwort Digitalisierung), der Gesellschaft oder eben in der Politik, in der die Kräfteverhältnisse sich verschieben.

Bruder Klaus sei ein Mensch gewesen, der gewusst habe, was in der Not, in schwierigen Situationen zu tun ist. Deshalb geniesse er in der ganzen Schweiz und darüber hinaus noch so viel Respekt und Anerkennung. Viele Menschen vertrauten auf seine Hilfe. Leider könnten wir Bruder Klaus nicht nach Brüssel schicken. Jedenfalls würde er mit gleichen Worten wie zur Tagsatzung in Stans agieren, einander besser zuzuhören. Die Botschaft von Bruder Klaus sei zeitlos und passe zu unserem Land und unserer Kultur. Diese Kultur des aufeinander Zugehens hebe uns von anderen ab und sei eine grosse Stärke der Schweiz, schloss die Ständerätin ihre Festrede ab.