Er schüttelt den Kopf. Im gleichen Moment bückt er sich und streckt einen Haufen mit schwarzer Erde und weissen zarten Wurzeln. Es sind die Überreste einer Pflanze, die einfach aus einem Topf gerissen wurde. Wenige Meter weiter liegt ein kleiner leerer Blumentopf aus Plastik auf dem Boden. Der ältere Herr streckt seinen Arm aus und zeigt mit dem Finger auf ein leeres Nasentuch-Päckchen. Nur wenige Schritte weiter findet man einzelne Plastiksäcke und leere Verpackungen. Ganze Früchte, die nicht richtig zerkleinert wurden, sind bereits verfault. Dieser ganze Plastikmüll und die verfaulten Früchte liegen auf dem Feld eines Bauern an der Zuckenrieterstrasse in Zuzwil.

Der Zuzwiler Anton Spycher regt sich über die Plastikteilchen, die auf dem Feld von Bauer Urs Flammer verteilt sind. «Ich verstehe nicht, warum ein Landwirt so etwas auf seinem Feld verteilt», meint Spycher, «das schadet nicht nur seinem Boden, den Tieren, die das Gras dort fressen – es schadet unserer Natur.» Der pensionierte Zuzwiler, der nicht unweit vom betroffenen Ackerfeld wohnt und dort regelmässig einen Spaziergang macht, erzählt, dass es kein Ende mit den Plastikteilchen nimmt. Und das obwohl er den betroffenen Landwirten Flammer bereits mehrere Male auf das Problem mit dem Müll auf dessen Feldern angesprochen habe. «Ich denke, dass er den Kompost nicht richtig siebt und damit nicht korrekt verarbeitet», wirft Spycher vor. Spycher selbst hat jahrelang beim Uzwiler Unternehmen Bühler in der Konstruktion und Produktion von Kompostieranlagen gearbeitet. «Und deshalb weiss ich, wie recht kompostierter Grünabfall aussieht», führt er weiter aus. 


«Leute sollen Plastik nicht in den Grünabfall werfen»

«Mir ist das Problem bekannt», sagt Landwirt Urs Flammer aus Zuzwil. Er wisse, dass Plastikteilchen auf seinen Ackern zu finden seien. Im Video-Interview mit hallowil.ch nimmt er Stellung zu den Vorwürfen von Spycher. «Ich verteile das Plastik bestimmt nicht absichtlich auf meinen Feldern.» Im Gegenteil, beim Kompostieren versuche er möglichst viel Plastik aus der Grünabfall-Masse zu ziehen und wenn doch etwas auf dem Feld lande, dann sammle er dies selbstverständlich ein. «Jede Woche fülle ich einen ganzen Müllsack mit Plastikabfall, das ich im Kompost finde», erzählt Flammer. Ihm sei bewusst, dass es bei den Spaziergängern, die an seinem Feld vorbeilaufen, so aussehe, als verdrecke er seine Felder. «Die Zuzwiler Bewohner sehen aber natürlich nicht, dass ich beim Kompostieren schon den grössten Teil an Plastikmüll herausfische», meint Flammen. 

 
Urs Flammer im hallowil.ch-Video-Interview.

«Das löst das Problem nicht»

Eines der grössten Probleme in dieser ganzen Thematik ist nach Angaben von Flammer der Anstieg der Anzahl Plastikbeutel, die sich in seinen Kompostieranlagen wiederfinden. Die meisten dieser Plastikbeutel seien weder biologisch abbaubar noch kompostierbar. «Obwohl wir uns bemühen, möglichst viel Plastikmüll von Hand aus dem Grünabfall zu ziehen, um eben hochwertigen Kompost herstellen zu können, gibt es immer wieder einzelne Plastikteile zu finden», so Flammer. Experten sagen, dass die Plastikteilchen mit der Zeit nicht mehr sichtbar sind, aber mehrere hundert Jahr brauchen, um sich zu zersetzen. Auf die Frage, warum er weiterhin Grünabfall einsammelt, wenn er sich über das Plastik dort drin aufregt, antwortet Flammer: «Damit ist das Problem nicht gelöst.» Würden Bauern wie er auf den Kompost verzichten, gefährde man einen bedeutenden Kreislauf. Werde Kompost auf den Feldern nicht mehr verwendet, würden die Böden deutlich schlechter und weniger nahrhaften sein. Flammer spricht an dieser Stelle das Thema organische Stoffe, die nun einmal im Kompost enthalten sind, an. So könne beispielsweise Karbon im Boden gespeichert werden, dieser wiederum könne die direkte Auswirkung auf den Klimawandel auswirken.