Der Saal im Hof zu Wil war bis auf den letzten Centimeter besetzt, der Andrang riesig. Dabei hatten sich zuerst nur sechs Personen angemeldet, wie Moderator Roland P. Poschung betonte. Die Begegnung mit Antonia Zemp und Mona Petri gab einen etwas anderen Blick in die beiden Welten. Wieviel Ähnlichkeit Frauen in den unterschiedlichsten Aufgaben zeigen, ist immer wieder erstaunlich. Roland P. Poschung verstand es, viel aus den Gästen herauszuholen.

Das erträgt nicht jedermann

Um am Anlass dabei zu sein, nahm Antonia Zemp eine 13-stündige Bahnfahrt auf sich und fuhr nach dem Wochenende gleich wieder zurück nach Barcelona. Sie, die sich um die Ärmsten der Armen in verschiedenen Kriegs- und Katastrophengebieten wie Irak, Sierra Leone, Jemen, Kolumbien Nepal, Aethiopien oder auf Flüchtlingsschiffen kümmert, zeigte sich frohsinnig. So erklärte sie denn auch, dass es wichtig sei, abzuschalten, nicht alles in den Feierabend – so fern es diesen überhaupt gib – mitzunehmen. Was sie im Rahmen von «Ärzte ohne Grenzen» erlebt, könnte nicht jedermann ertragen. Es sind Schicksale, die bewegen, die Seele treffen, erschüttern und oft die Hilflosigkeit aufzeigen. Was in der Schweiz gebessert oder geheilt werden kann, ist dort nicht möglich, weil die notwendigen Mittel fehlen. Auch die Helfenden müssen sich sich den Gegebenheiten stellen. «Trotzdem darf man auch hier gute Begegnungen, Freude und Erfolge geniessen», sagte Antonia Zemp. Hilfreich sind Humor, praktisches Denken und Handeln und eine gewisse «Lockerheit». 

Klasse gegen den Lehrer aufgehetzt

Wer kennt sie noch, die «Gilbert de Courenay», alias Annemarie Blanc? Vermutlich die ältere Generation. Ihre Enkelin Mona Petri hingegen hatte eine intensive Beziehung zu ihrer Grossmutter, die sie verehrte. Sie erzählte von intensiven Begegnungen, vor allem vom Geschenk der Sterbebegleitung, die beeindruckt und geprägt hat. "Meine Grossmutter war eine schöne Frau und schön war sie auch beim Sterben", sagte Petri. Die Schauspielerin, bekannt aus Theaterstücken und Filmen, engagiert sich zur Zeit für den Film "100 Jahre Schweizer Nationalzirkus Knie" und arbeitet auch an einem "Tatort" mit. Zudem hat sie auch ein ausgeprägtes "Helfersyndrom" - im guten Sinne gemeint. So lebt neben ihrer eigenen Tochter eine Pflegetochter im Haushalt. Dass sie aber auch aufsässig sein kann, musste ihr ehemaliger Primarlehrer spüren. Ihr Gerechtigkeitssinn liess es nicht zu, dass Mitschüler gemobbt werden. Da wurde sie rabiat, hat gebissen und gekratzt und die Klasse gegen den Erzieher aufgehetzt. Zwar waren Strafen die Folge, aber letztlich war der Lehrer weg. Beide Frauen erzählten beeindruckende Beispiele aus ihrem Leben. Diese verläuft zwar grundverschieden, auf eine gewisse Weise aber auch sehr ähnlich. Die Gäste hätten vermutlich noch stundenlang zugehört.