Nach 1.5 Jahren Onlinestudium mit unendlich vielen Onlinevorlesungen, Onlineseminaren, Onlineprüfungen, Onlinekaffeepausen, Onlinespieleabenden,  Zoomcalls und Teammeetings dürfen wir Studenten endlich wieder an der Universität studieren, wieder an Vorlesungen und Seminaren in Präsenz teilnehmen, wieder in der Bibliothek lernen und uns bei Apéros austauschen.

Die Zeit der Pandemie war und ist für viele Studenten geprägt von Unsicherheit, Ungewissheit, Einsamkeit, von eingeschränkten Möglichkeiten und viel Distanz. Oft verbrachten wir tagelang in unseren Zimmern, einige vielleicht sogar nur im Bett. Vorlesungen konnten schliesslich auch im Bett mitverfolgt werden, Prüfungen wurden am eigenen Schreibtisch geschrieben. Plötzlich waren wir alle sehr alleine im Studium, anstatt zusammen im Vorlesungssaal. Viel Eigenverantwortung und Selbstdisziplin wurde gefordert, denn die repetitiven, eintönigen Tage machten viele motivationslos.

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Das Bett als Studienplatz.

Durch diese spezielle Zeit brachten uns viele Onlinekaffeepausen, Onlinefeierabendbiere, Onlinespielabende mit Montagsmaler, Stadt Land Fluss oder andere Spielen, lange Spaziergänge – und die Hoffnung irgendwann wieder Präsenzunterricht haben zu dürfen.

Aber die Zeit hatte nicht nur Negatives. Das Studium ist viel flexibler geworden, es kann immer und überall studiert werden. Wir sind nicht mehr so an Ort und Zeit gebunden und können mehr selbst einteilen. Mit mehr Eigenverantwortung kommt auch mehr Freiheit. Gleichzeitig fällt viel Unangenehmes weg, wie die überfüllten Trams, lange Zugfahrten oder die ständige Suche nach einem Platz in der Bibliothek oder in der Mensa. Ausserdem ist selbstgekocht meist besser wie Mensaessen …

Aber es ist auch unglaublich schön wieder zurück sein zu dürfen. Mit einem leicht aufgeregten Gefühl gehe ich am ersten Tag des neuen Semesters an die Universität. Fast erschlagen werde ich von den Menschenmassen im Unigebäude. Darauf war ich mental noch nicht so ganz vorbereitet. Dennoch geniesse ich das Gefühl von Gemeinschaft, während ich durch die Gänge laufe. Dabei treffe ich wieder zufälligerweise Bekannte, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe. Ich freue mich sehr darüber und noch über vieles mehr. In den Mittagspausen kann ich mich wieder mit meinen Mitstudenten in Diskussionen vertiefen, im Gang kann ich mich wieder austauschen mit Gleichgesinnten, in der Bibliothek lernt es sich immer noch am besten und wenn ich eine Pause davon brauche, trinke ich einen Kaffee mit jenen, die ihre Tage ebenfalls dort verbringen. Die kurzen Begegnungen, Veranstaltungen und Apéros, die wieder in echt stattfinden dürfen, geben ein Gefühl von Zugehörigkeit und geben dem Studium wieder Leben. In den Seminaren und Vorlesungen findet wieder ein persönlicher Austausch statt, der online fast unmöglich ist.

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Lichthof der Universität Zürich.

Es ist schön wieder zurück zu sein. Während ich mit diesem Gedanken vom Seminargebäude zur Bibliothek laufe, treffe ich vor dem Hauptgebäude gerade zwei Mitstudentinnen, die ich bis jetzt hauptsächlich online kennenlernen durfte. Endlich ist es wieder möglich seine Kommilitonen persönlich kennenzulernen, seine Kommilitonen überhaupt kennenzulernen! Und dennoch: Allen wichtigen persönlichen Begegnungen und dem Austausch zum Trotz, bleiben uns hoffentlich die gewonnene Flexibilität und Freiheit im Studium.